zugeflüsterte Mittheilung erfreut ... Sie hatte den Athem des Mannes zwar nicht gern in ihrer Nähe , aber sie hörte doch mit Vergnügen , was er ihr heute zugezischelt ... Es erfüllte sich also , daß ( irgendwo in Europa ) mit einem hochbetagten lutherischen Landesvater , bei dessen Hoftheater die beiden Fräulein Serlo als Tänzerinnen engagirt , dann im geheimen zu Freiinnen von * * * erhoben waren , durch Vermittelung dieser Favoritinnen ein für Rom günstiges Concordat abgeschlossen werden sollte ... Hatte auch Lucinde , die dies Arrangement zu Stande gebracht , gerade kein besonderes Interesse an der Summe , die man ihr zahlen wollte , wenn die Freiinnen von * * * nebst ihrer alten Mutter so lange weinten und sich kasteiten und sich abhärmten und den alten Landesvater selbst beim Champagner und nachts zwölf Uhr , wenn er im Mantel verhüllt nach Hause schlich , durch ihre Gewissensbisse peinigten , bis dieser nachgab und den für ein protestantisches Land schmählichen Vertrag mit Rom abschloß1 - ihr genügte schon , sich die Curie gründlich verpflichtet zu haben und bitterlächelnd - an Serlo ' s Phantasieen über die Zukunft seiner Töchter denken zu können - ... Heute war ein neuer Gast zum dritten mal dagewesen - Pater Stanislaus aus dem Al Gesù , Wenzel von Terschka ... Sechs Monate hatte dieser Verlorene in Rom verweilt , ohne daß ihn jemand erblickte ... Man sagte allgemein , er hätte eine qualvolle Gefangenschaft , dann eine glorreiche Umänderung seines Sinnes zu bestehen gehabt und nun wäre er nahezu ein Heiliger geworden ... Jedem , der etwa erstaunte , wie hier möglich gewesen , daß ein Mann erst Priester , dann als solcher weltlich beurlaubt , beauftragt , in kurzer Robe sich in die allgemeine Gesellschaft zu mischen , dann in London zum Ketzerthum übergetreten war , wieder nach Rom zurückkehrte , sein altes Priesterkleid - » re quasi bene gesta « sagte Lucinde - wieder anzog - Dem wurde erwidert : All diese Wandelungen im Leben Wenzel von Terschka ' s beruhen auf Verleumdung ! Nie war er vorher ein Priester ! Nie war er ein Protestant ! Jetzt erst führte ihn das Bedürfniß der Heiligung über ein leichtsinniges Leben in die geschlossenen Räume eines Bußhauses ! Erst jetzt ist er geistlich geworden ; jetzt in den Orden des heiligen Ignaz getreten - und auch jetzt erst heißt er Pater Stanislaus ... Allen denen , die etwa an der Richtigkeit dieser Darstellung zweifeln mochten , mußte dieselbe glaubhaft erscheinen , wenn sie die hohle Wange , das düster irrende Auge , den scheuen Blick , den fast verstummten Mund , eine erschreckende Vernichtung an einem Mann wiederfanden , der sonst in Gesellschaften wie Quecksilber glitt ... Der dritte Donnerstag war es heute , wo der unheimlich brütende , willenlos gewordene - alte Mann bei Gräfin Sarzana saß ... Mit dem Schlag der zehnten Stunde brach er jedesmal auf ; er , dem sonst die Nacht gehören mußte ... Punkt fünfzehn Minuten nach zehn mußte Pater Stanislaus hinter seinen düstern Mauern sein ... Lucinde urtheilte über diese Eindrücke , wie über etwas , was sich von selbst verstand auf dem Gebiet ihres Wirkens und Lebens ... Sie , die ja auch in dieser Weise zu den Wiedergeborenen gehörte , ließ ganz ebenso Terschka gelten ... Sie begrüßte ihn ohne jeden Schein einer Kritik und gab dem Pater Stanislaus die Ehre , die seinem Stande gebührte ... Nur ein einziges nagendes Gefühl quälte Lucinden unausgesetzt ... Sie , die sonst die Reue als » unnütze Selbstquälerei « verwarf , bereute doch Eines ... Es war ein Wort , das ihr einst bei ihrer ersten Bekanntschaft mit Cardinal Ceccone über den damaligen Bischof von Robillante entfallen war : » Ich besitze in meinen Händen etwas , was ihn auf ewig vernichten kann ! « ... Daß ihr dies Wort hatte entschlüpfen können , war nur möglich gewesen im ersten Rausch über die ihr gewordenen neuen Erfolge - auch im Zorn nur über Bonaventura ' s damalige Abreise von Wien ... Bonaventura hatte sie in einer Stadt , wohin sie ihm verkleidet durch ganz Deutschland nachgereist war , zurückgelassen , ohne sich weiter um sie zu kümmern ... Oft hatte sie diese Aeußerung , die sie auch aus Furcht vor den Drohungen des Grafen Hugo that , wenn sie daran erinnert wurde , in Abrede gestellt , hatte ihren Sinn harmlos zu deuten gesucht ; aber Ceccone , Olympia , die Herzogin von Amarillas hatten die Aeußerung behalten , oft wiederholt und so rückhaltlos wiederholt , daß sie Fefelotti bekannt wurde ... Dieser , von Haß und Rache gegen Bonaventura seit Jahren unveränderlich erfüllt , hatte der Vorgeschichte Bonaventura ' s nachgespürt , dem Verschwinden seines Vaters , dem beraubten Sarge auf dem Friedhof von Sanct-Wolfgang ... Nach ihrer fernern frühern Aeußerung : » Käme , was ich habe , zu Tage , so müßte der Unglückliche auf ewig in ein Kloster ! « fehlte nicht viel , daß die seit dem Tode Benno ' s zu einem großen Schlage der Rache Verbundenen , Fefelotti , Olympia , die Herzogin , schon aus sich selbst heraus die volle Wahrheit trafen ... Zu einer solchen Entsagung konnte nur Jemand gezwungen werden , der mit einem dem Priesterthum widersprechenden Makel behaftet war ... Selbst die Besuche Terschka ' s , sein lauerndes Umblicken und grübelndes Schweigen schien dem Privatgefühl Lucindens , das von ihrer öffentlich gespielten Rolle abwich , mit einer Verschwörung gegen Bonaventura - sogar mit ihrem Kästchen in Verbindung zu stehen ... Bonaventura war noch in Rom - mannichfach begnadet und höher noch gehoben , als er schon stand ... Im Sommer angekommen , hatte er seine Mutter sterbend gefunden , sie aus dem Leben scheiden sehen , von seinem Stiefvater , der dann nach Deutschland zurückkehrte , Abschied genommen und eben nach Neapel reisen wollen , als er durch einen jener plötzlichen Einfälle , welche an dem inzwischen wieder auf den Stuhl Petri