frei zu machen und dann für immer dieses Land zu verlassen . Aber , sagte Rodewald , angezogen von diesen wärmeren Worten , wenn Sie sich selbst bewahren wollen , Fürst , wenn Sie das Ideal von Politik , das Sie im Herzen tragen - es ist nicht das meine - nicht entweihen wollen durch Vermischung mit Fremdartigem , das Sie hassen , warum können Sie auch so nicht frei von dannen gehen ? Lassen Sie Ihr Erbe einem Mann zurück , der es Ihnen erhalten wird ! Sind Sie von meinem uneigennützigen Willen denn nicht überzeugt ? Es lag in diesen Worten eine so schmelzende Überredung , daß Egon einen längern Blick auf den Sprecher richtete , einen fragenden , fast flehenden , als sollte sein ganzes Dasein ihm sagen : Was willst du mir denn , du wunderbarer Mann ? Das Schweigen , das einen Augenblick eintrat , erschütterte Niemanden mehr als die Person , die in der That im Nebenzimmer stand und von Rodewald gehört worden war . Es war Pauline von Harder . Zu heftig gefoltert von ihrer Unruhe über Egon ' s Entschluß , benutzte sie ihr Vorrecht , im Palais Hohenberg jede Thür für eine offene zu halten , überall einzutretten , den Fürsten in seinen entlegensten Arbeitskabinetten ohne Anmeldung zu überraschen . Die Diener hatten ihr gesagt , wer beim Fürsten war . Sie schrak zusammen , als sie den ihr einst so theuren , jetzt im Gewühl der Welt , die sie umtobte , ihr gleichgültig gewordenen Namen erfuhr . Dennoch hätte sie aus Neugier Rodewald erblicken mögen , hätte sehen mögen , wie er wol geworden durch die Zeit , wie der Fürst den Verräther an ihrem Herzen wol aufnahm , wie Vater und Sohn sich wol begegneten .... Sie öffnete das Vorzimmer . Sie hörte Egon ' s laute , gellende , an Wohlklang täglich einbüßende Stimme . Sie kannte diese reizbare Sprache , sie wußte sogleich , daß er in Erörterungen begriffen war , die sich auf seinen Entschluß bezogen , das Ministerium niederzulegen . Ihr wäre mit diesem Schritte die schmerzlichste Erfahrung , ja eine Niederlage bereitet worden , von der sie sich in diesem Leben nicht wieder erholen konnte . In die elende kleine Theaterwelt ihres Gatten einzutreten , da zu intriguiren , da Fäden zu lenken ? Welch ein Abfall von der Rolle , die sie jetzt unter den Parteien , in der Presse , im Ministerium , in der Welt spielte ! Nein ! Nachgeben , akkommodiren ! Das ist unerläßlich ! sprach sie vor sich hin und lauschte auf Rodewald ' s Worte , auf Egon ' s Erwiderungen . Die Wendung des Gespräches hatte eine mildere Tonlage angeschlagen . Es traten Pausen ein . Man sprach leiser . Egon hatte etwas in der Stimme , wie Kleinmuth , Rodewald etwas wie zutraulich Rathendes , Tröstendes . Man schien sich zu nähern , sich besser zu prüfen . Sie begriff nicht , welchen Vortheil sie von einem offenen Austausch der beiderseitigen Geheimnisse ziehen sollte , aber so viel hörte sie , daß Egon wie ein gebeugtes Rohr dastehen mußte , das im Winde wehte . Rodewald sprach von der Sorge , die er den Gütern widmen wollte , ihr war diese Fessel schon recht , aber Egon sprach von Entsagung . Entsagung ! Dies immer ihr so fürchterlich gewesene Wort ! Sie hörte , daß Egon an den Tisch getreten sein mußte , auf welchem noch das verblaßte Pastellbild seiner Mutter stand . Was wird geschehen ? dachte sie und überlegte einen Entschluß ... Sie kannten also meine Mutter ? hieß es drinnen mit schwacher Stimme . Rodewald ' s Antwort blieb aus . Sie hörte es nur nicht , das leise hingehauchte , ernste Ja ! Finden Sie die Züge ähnlich ? Rodewald erkannte das Bild aus der Mondnacht im Heidekruge ... sprach auch etwas ... Sie aber hörte wieder keine Antwort ... Egon sprach von Landeck , wo Rodewald die Mutter zum erstenmale sah ... Landeck ? Wie endet Das ? flüsterte sie fast zu laut , erbebend , vor sich hin . Man verließ jedoch drinnen diese gefährlichen Erinnerungen , man kehrte auf die Abdankung des Fürsten zurück , auf eine von ihm bezweckte Reise im südlichen Europa , man sprach von Melanie , der Fürstin , Egon rühmte die edle Selbstlosigkeit seiner Frau , er sprach von Freiheit und Erlösung von drückenden Fesseln , Pauline durfte jeden Augenblick erwarten , daß sein zitternder Ton , der die bewegte Rührung des Herzens verrieth , sich gänzlich der Wahrheit gefangen gab und wol gar eine Umarmung hier die Stelle der Worte vertreten konnte . Doch trat dieser Moment nicht ein ; wohl aber war es ihr , als rafften sich Beide , so gegeneinanderstehend , aus ihren Träumen auf und deutlich hörte sie nun den Fürsten sagen : Leben Sie für heute wohl , Rodewald ! Ich fahre zum König , um meine Abdankung eben einzureichen . Man wird , ich weiß , sie jetzt mit Freuden annehmen . Es liegt im Wesen der Monarchie , daß sie allen Denen , die ihr Maaß im Dienen voll haben , die sich des Hasses und der Verfolgung für den Bestand der hohen Herrschaften nachgerade zu viel zugezogen haben , gern erlaubt , sich mit ihrem Übermaaß von Makel und kompromittirendem Rufe vom Throne zu entfernen , um Neue heran zu lassen , die , wenn wieder deren Maaß voll ist , wiederum das Weite suchen mögen , und so fort ! Sagen Sie Herrn von Reichmeyer , daß ich also die Güter behalte , daß ich sie Ihnen dauernd überlasse . Sagen Sie Allen , daß ich reise , diesen Schauplatz meines Wirkens verlasse , müde bin einer StellungWeiter ließ aber Pauline von Harder diese Sinnesänderung nicht anwachsen . Die Eifersucht auf Rodewald überfiel sie wie in der alten Zeit die Eifersucht auf Amanda . Die Fürstin Amanda war ihr in diesem Augenblicke