, wenn seine Phantasie sie in Lucinden verwandelte ... Die Geschenke Abdallah ' s zurückzuschicken oder abzulehnen war zu umständlich - Lucinde behielt sie und verkaufte sie gelegentlich , wenn sie in Noth war ... Ein einziger Shwal half ihr dann auf Monate ... Ihre demnach mit türkischem Geld unterhaltenen » ultramontanen Donnerstage « wurden von allen jenen Menschen besucht , die nach Rom ziehen , wie die Weisen des Morgenlands nach Bethlehem ... Alle Nationen waren hier vertreten ... Die süßlächelnden jesuitischen Abbés der Franzosen ; die englischen Katakombenwallerinnen , die im feuchtmodernden Tuffgestein die anderthalbjahrtausendalten Fußtapfen der Wiseman ' schen » Fabiola « suchten ; deutsche Künstler , die den Untergang des Geschmacks von den zu weltlichen Madonnen Raphael ' s herleiteten und an Giotto anknüpften ; Gelehrte , die alle gangbaren Geschichtsbücher umschrieben , so , daß sie immer das Gegentheil dessen , was die deutschen Kaiser erstrebten , als das Richtigere darstellten , die Päpste zu allen Zeiten Recht behalten ließen - meist fanatische , geistvolle Menschen - und Gräfin Sarzana wußte selbst Die unter ihnen zu fesseln , die nicht die Intrigue liebten ... Das Deutsche , mit dem sie oft begrüßt wurde , behauptete sie vergessen zu haben ; schon lange sprach sie ihr Italienisch mit Feinheit und jedenfalls in jenem rauhen , tiefliegenden Ton , der am gewöhnlichen Organ der Italienerinnen den bekannten Wohllaut ihres Gesangs bezweifeln lassen könnte ... Ihre Kunst , einen Abend belebt zu machen , Niemanden zu lange im Schatten stehen zu lassen , galt für musterhaft ... Gelehrte Streitigkeiten duldete sie bis zu einem gewissen Grade , der jedoch bei weitem über den der Oberflächlichkeit hinausging - ... Viel hockte sie unter Büchern , die ihr Klingsohr bis an seinen vor einigen Jahren erfolgten Tod zutrug - die Hektik , die Cigarre und der Orvieto untergruben ihn - ; sie lernte unaufhörlich und konnte aus Bibel und Kirchenvätern eine Menge Beispiele für Behauptungen anführen , die den größten Lichtern der Sapienza und des Collegio anregend waren ... Ihr Vorsprung war dabei der , daß sie alles Vergangene so nahm , wie Gegenwärtiges ... Die Menschen hatten nach ihrer Auffassung zu allen Zeiten dieselben Schwächen , dieselben Bedürfnisse ; die Forderungen der Natur waren sich zu allen Zeiten gleich ... » Sonderbar ! « sagte sie - » Die Gelehrten sind auf diese Voraussetzung so wenig gerüstet ! Für das Natürlichste , für den Gebrauch eines Nasentuches in der Hand Cicero ' s , muß ihnen erst ein Citat aus einem alten Schriftsteller die beruhigende Anlehnung geben ! « ... Von Klingsohr , dem es gegangen , wie den deutschen Lanzknechten im Mittelalter , wenn sie bis zu dem altgefährlichen Capua kamen , schrieb ihr Abdallah Muschir Bei : » Ist er nun zu seinem Vater und zum Kronsyndikus ! O , dieses eitlen Prahlers ! Er erstrebte eine Bedeutung , zu welcher ihm weniger Fleiß und Beharrlichkeit , wie er vorgab , als schöpferisch geistige Kraft fehlte ! Statt letzteres offen einzugestehen , schmähte er die Trauben , die ihm zu hoch hingen ! Das ganze deutsche Volk ist wie Klingsohr und gewiß fressen es auch noch einmal die Kalmücken und Tartaren ! « ... Lucinde theilte diese Ansichten ... Als sie die ihr von Klingsohr hinterlassene Habe desselben musterte , Brauchbares verkaufte , seine Papiere , seine angefangenen philosophischen Werke unbarmherzig ins Feuer warf , sogar seine Gedichte , in denen doch nur sie besungen war , ließ sie sich selbst von jener Brieftasche nicht rühren , die einst in Klingsohr ' s und ihrem eigenen Jugendleben eine so große Rolle gespielt hatte ... Nachdem sie einen Augenblick zweifelhaft gewesen , ob sie dies Angedenken an die düsteren Verwickelungen im Hause der Asselyns und Wittekinds nicht gleichfalls mit in jenes Kästchen von Ebenholz legen sollte , das ihren ganzen Lebensschatz enthielt - mit zu den noch unverkauften Gold- und Silbergeschenken Nück ' s - zu all den Briefen und Blättchen , die sie von Bonaventura ' s Hand besaß - zu Serlo ' s Denkwürdigkeiten und zur Urkunde Leo Perl ' s - verbrannte sie es - gerade an einem Tage , wo drei deutsche Pilger bei ihr vorgesprochen hatten , die zu Fuß nach Rom gewallfahrtet kamen , Stephan Lengenich , Jean Baptiste Maria Schnuphase und der Paramentensticker Calasantius Pelikan aus Wien ... - Alle drei erhielten zeitig den gesandtschaftlichen Rath abzureisen - sie betranken sich täglich ... So gab es der Abwechselungen genug , zu denen sich dann die Reisen , der Aufenthalt in Genua , in Coni gesellte , bis die Revolutionen ausbrachen , wo sich Lucinde in Venedig und glücklicherweise durch die Hülfe hielt , die ihr aus dem Orient kam ... Jetzt war ein halbes Jahr seit » Wiederherstellung der göttlichen Ordnung « verflossen ... Wieder war die römische Saison , kurz vor dem Carneval , in aufsteigender Höhe ... Wieder war ein » Donnerstag « gewesen ... Lucinde saß , zufrieden mit der Zahl ihrer heutigen Gäste , mit der Erinnerung an ihre eigenen Einfälle und Repliken , die sie zum Besten gegeben ( was mustert man nicht alles nach einem Gesellschaftsabend am Effect , den man im Leben machen soll oder will ! ) ... Die Herzogin von Amarillas war zugegen gewesen , noch immer tief in Trauer gehüllt - im übrigen starr , versteinert , bis zum Peinlichen unbeweglich geworden ... Olympia Rucca , die zur Besserung ihrer Finanzen mit ihren Schwiegerältern Frieden geschlossen hatte und sich gleichfalls noch derselben Trauer widmete , die auch nicht Ercolano , ihr Gatte , um Cäsar Montalto abgelegt hatte - Ercolano sah in Benno ' s Verhältniß zu Olympien nur eine persönliche Aufopferung der Freundschaft zu Gunsten seines Friedens , zur Vereinfachung seiner Sorgen um eine » nun einmal schwer zu behandelnde « Frau - » Es gibt solche Ehemänner - ! « sagte Lucinde ... Auch Fefelotti , der wiederum allmächtige Cardinal , war dagewesen und hatte Lucinden durch eine heimlich