der Dame stillgehalten hatte . » Verzeihen Sie , Gräfin Morynska , wenn ich Sie erschreckt habe ! Mein Pferd scheute vor der plötzlichen Begegnung mit dem Ihrigen ! « Wanda war sonst schreckhaften Regungen nicht leicht zugänglich ; vielleicht trug weniger der Schrecken als das unerwartete Zusammentreffen – das erste seit drei Monaten – die Schuld an der tiefen Blässe , die noch auf ihrem Antlitze lag , als sie erwiderte : » Sie haben doch keinen Schaden genommen ? « » Ich wohl nicht , aber mein Normann – « Er vollendete nicht , sondern sprang rasch aus dem Sattel , Das Pferd hatte offenbar eine Verletzung an einem seiner Hinterfüße erlitten . Es hielt ihn , wie im Schmerz , emporgezogen und verweigerte das Auftreten damit . Waldemar untersuchte flüchtig den Schaden und wandte sich dann wieder zu der jungen Gräfin . » Es ist nicht von Bedeutung , « sagte er in demselben kalten gezwungenen Tone wie vorhin , » Ich bitte Sie , Ihre Fahrt deswegen nicht zu unterbrechen . « Er grüßte und trat zur Seite , um den Schlitten vorüber zu lassen . » Wollen Sie denn nicht wieder aufsteigen ? « fragte Wanda , als sie sah , daß er den Zügel um seinen Arm schlang . » Nein ! Normann hat sich am Fuße beschädigt und hinkt bedeutend . Es ist ihm schon schmerzhaft genug , nur aufzutreten . Er kann unmöglich noch einen Reiter tragen . « » Es sind noch zwei Stunden Wegs nach Wilicza , « bemerkte Wanda . » Die können Sie doch nicht zu Fuß und im langsamen Schritt zurücklegen . « » Es wird mir doch nichts andres übrigbleiben , « versetzte Nordeck ruhig . » Mindestens muß ich mein Pferd bis zum nächsten Dorfe führen , wo ich es abholen lassen kann . « » Aber dann wird es dunkel , ehe Sie das Schloß erreichen . « » Das thut nichts ; ich kenne den Weg . « Die junge Gräfin warf einen Blick auf den Weg nach Wilicza , der sich schon nach einer kurzen Strecke im Wald verlor ; sie wußte , daß diese Waldumgebung ihm blieb bis in die unmittelbare Nähe des Schlosses . » Wäre es nicht besser , Sie bedienten sich meines Schlittens ? « sagte sie leise , ohne aufzublicken . » Mein Kutscher kann Ihr Pferd ja inzwischen nach dem Dorfe bringen . « Waldemar sah sie betroffen an ; das Anerbieten schien ihn aufs höchste zu überraschen . » Ich danke . Sie fahren jedenfalls nach Rakowicz ? « » Der Umweg über Rakowicz ist nicht groß , « fiel Wanda hastig ein , » und von dort aus können Sie das Gefährt allein benutzen , « Die Worte klangen seltsam gepreßt , beinahe angstvoll . Waldemar ließ langsam den Zügel niedergleiten . Es vergingen einige Sekunden , ehe er antwortete : » Ich thue doch wohl besser , direkt nach Wilicza zu gehen . « » Ich bitte Sie aber , das nicht zu thun , sondern mit mir zu fahren . « Diesmal sprach die Angst so unverkennbar aus Wandas Stimme , daß die Weigerung nicht erneuert wurde . Nordeck übergab dem Kutscher , der auf den Wink der Herrin abgestiegen war , das Pferd mit der Weisung , es möglichst schonend nach dem bezeichneten Dorfe zu führen , wo es abgeholt werden würde . Er selbst bestieg den Schlitten , aber er schwang sich auf den hinten befindlichen Kutschersitz und ergriff die Zügel . Der Platz neben der jungen Gräfin blieb leer . Die Fahrt ging in tiefem Schweigen vor sich . Das Anerbieten war so einfach und selbstverständlich ; die Ablehnung wäre seltsam , ja beleidigend gewesen zwischen zwei so nahen Verwandten , aber die Unbefangenheit hatten die beiden längst verlernt , und dies unerwartete Wiedersehen raubte ihnen den letzten Rest davon . Waldemar wendete seine Aufmerksamkeit ausschließlich den Zügeln zu , und Wanda hüllte sich fester in ihren Pelz , ohne auch nur einmal den Kopf umzuwenden . Man stand bereits im Anfange des März , aber der Winter schien diesmal gar nicht weichen zu wollen . Kurz vor dem Scheiden ließ er noch einmal all seine Schrecken los über die arme Erde , die schon dem ersten Frühlingshauche entgegenharrte . Ein tagelang andauerndes Schneegestöber hüllte sie aufs neue in das Leichengewand , das sie mühsam abgestreift hatte . Wieder starrte die Landschaft in Schnee und Eis , und Sturm und Kälte stritten miteinander um die Oberhand . Der Sturm und das Schneetreiben hatten sich zwar seit heute morgen gelegt , aber trotzdem war es ein so trüber , kalter Winternachmittag , als stehe man noch im Dezember . Die Pferde griffen kräftig aus , und der Schlitten schien auf der glatten Bahn zu fliegen , aber der eisige Hauch dieses winterlichen Märztages lag auch auf den beiden Insassen , die in ihrem Schweigen beharrten . Sie waren seit jener Stunde am Waldsee zum erstenmal wieder allein , und so düster melancholisch jener Herbstabend auch gewesen war , mit seinem fallenden Laub und seinen wogenden Nebelgestalten , damals regte sich doch wenigstens noch das Leben der Natur , wenn auch nur im Sterben , jetzt war auch das zu Ende . Es lag eine Totenstille auf den weiten Feldern , die sich so weiß und endlos ausdehnten . Nichts als Schnee ringsum , so weit das Auge reichte ! Die Ferne verhüllte sich in trüben Nebel , und den Himmel deckte finsteres Schneegewölk , das schwer und träge dahinzog ; sonst war alles starr und tot in dieser winterlichen Oede und Einsamkeit . Der Weg verließ jetzt das freie Feld und bog in die Waldung ein , die bisher seitwärts geblieben war . Auf dem tieferen windgeschützten Waldwege lag der Schnee so hoch , daß die Pferde nur im Schritt zu gehen vermochten . Der Führer ließ die Zügel sinken , die er bisher straff gehalten hatte und aus der