. „ Wie ? Sie wären mit diesem Besuche einverstanden ? “ fragte sie . „ Ich leugne es nicht , daß ein kurzer Aufenthalt in der Residenz und ein Wiedersehen mit meinen dortigen Freunden und Bekannten mir sehr erwünscht wäre , aber die Rücksicht auf Ihre Wünsche , meine Pflichten als Repräsentantin Ihres Hauses – “ „ Binden Sie in diesem Falle durchaus nicht , “ fiel der Freiherr ein . „ Ich wiederhole Ihnen , daß unter den jetzigen Verhälnissen von Festlichkeiten keine Rede sein kann . Es läßt sich nicht mit Sicherheit bestimmen , ob die Unruhen sich nicht doch wiederholen , und ich möchte Sie nicht zum zweiten Male einer so gefährlichen Angst und Aufregung aussetzen . Ich bitte Sie daher , so bald wie möglich die Vorbereitungen zur Abreise zu treffen . Wenn Sie zurückkehren , ist hoffentlich Alles geordnet . “ „ Ich füge mich , wie immer , Ihren Wünschen , “ erklärte die Baronin , der die Fügsamkeit diesmal außerordentlich leicht wurde . „ Wir werden in Kurzem reisefertig sein , und auch auf Gabriele , hoffe ich , wird die Zerstreuung wohlthätig wirken ; sie ist jetzt so bleich und still , daß ich wirklich anfange , für ihre Gesundheit zu fürchten . “ Raven schien die letzte Bemerkung zu überhören ; er erhob sich . „ Das wäre also abgemacht . Was Sie etwa noch für die Reise nothwendig halten sollten , steht zu Ihrer Verfügung . Jetzt aber muß ich Sie verlassen , Mathilde ; mein Wagen wartet bereits . “ Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum nächsten Teil zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Um hohen Preis aus : Die Gartenlaube 1878 , Heft 27 , S. 446 – 450 Fortsetzungsroman – Teil 19 [ 446 ] Raven ging . Kaum hatte sich die Thür hinter ihm geschlossen , als Frau von Harder mit großer Lebhaftigkeit rief : „ Das ist doch endlich einmal eine vernünftige Idee meines Schwagers ! Ich fürchtete schon , er würde uns zumuthen , in dieser aufgeregten Stadt zu bleiben , wo man nicht einmal seines Lebens sicher ist und bei jeder Ausfahrt fürchten muß , von dem Pöbel insultirt zu werden . Mich wundert nur , daß Arno sich um meine Nerven und die Verordnungen des Arztes kümmert . Er pflegt sonst sehr rücksichtslos in solchen Dingen zu sein . Meinst Du nicht , Gabriele ? “ „ Ich meine , daß er uns entfernen will um jeden Preis , “ erwiderte Gabriele , ohne sich umzuwenden . „ Nun ja , “ sagte die Baronin unbefangen . „ Er sieht es ein , daß R. jetzt kein angenehmer Aufenthalt ist , zumal für Damen . Ich sprach ihm allerdings nicht ohne Absicht von der Einladung der Gräfin ; ich hoffte , er würde darauf eingehen , aber damals schwieg er hartnäckig , und so wagte ich es nicht , die Sache weiter zu verfolgen . Wie sehne ich mich , die Residenz wieder zu sehen und all die früheren Beziehungen wieder anzuknüpfen ! Hier ist und bleibt man doch nun einmal in der Provinz trotz all des großstädtischen Ansehens , welches die Stadt sich geben möchte . Aber jetzt müssen wir vor allen Dingen Musterung über unsere Toilette halten . Komm ’ , mein Kind ! Wir wollen überlegen . “ „ Verschone mich damit , Mama ! “ bat das junge Mädchen in mattem , gedrücktem Tone . „ Ich habe jetzt keinen Sinn dafür . Bestimme , was Dir gut dünkt ! Ich füge mich in Alles . “ Die Baronin sah ihre Tochter mit unverhehltem Erstaunen an ; diese Gleichgültigkeit überstieg alle Begriffe . „ Keinen Sinn dafür ? “ wiederholte sie . „ Gabriele , was ist eigentlich mit Dir vorgegangen ? Ich habe diese Veränderung schon während unseres Landaufenthaltes bemerkt , aber seit den letzten Tagen erkenne ich Dich gar nicht wieder . Ich fürchte , es ist auf der Rückfahrt irgend etwas zwischen Dir und dem Onkel vorgefallen , was Du mir verschweigst . Er zürnt Dir offenbar ; er hat Dich ja vorhin kaum angeblickt . Wann endlich wirst Du es lernen , die nöthigen Rücksichten gegen ihn zu beobachten ? “ „ Du hörst es ja , er schickt uns fort , “ sagte Gabriele mit aufquellender Bitterkeit . „ Er will allein sein , wenn eine Gefahr ihn bedroht , wenn ein Unglück ihn trifft – ganz allein ! “ „ Ich begreife Dich nicht , “ erklärte die Mutter ärgerlich . „ Was soll denn dem Onkel drohen ? Ich dächte , er hätte die Empörungsversuche energisch genug niederschlagen , und im schlimmsten Falle ist ja das Militär zu seinem Schutze da . “ Gabriele schwieg , sie hatte nicht an die Gefahr gedacht , aber trotz ihrer Unerfahrenheit in solchen Dingen fühlte sie doch , daß ein Angriff wie der Winterfeld ’ s nicht unbemerkt vorübergehen konnte , und ahnte den heranziehenden Sturm . Sie und die Mutter sollten freilich davor geborgen werden . Deutlicher konnte der Freiherr ihr nicht sagen , daß Alles zwischen ihnen zu Ende sei , als indem er sie nach der Residenz sandte , wo Georg jetzt weilte und wo eine Begegnung mit ihm leicht zu ermöglichen war . All die Härte und Heftigkeit , mit der sich Raven dieser Verbindung widersetzte , hatte das junge Mädchen nicht so geschmerzt , als dieses Aufgeben seines Widerstandes dagegen . Er zeigte ihr , daß er jeden Einspruch fallen ließ , daß er ihr volle Freiheit gab , und sie kannte ihn zu gut , um nicht zu wissen , daß die vermeintliche Verrätherin bei ihm nie auf Verzeihung rechnen konnte . Vielleicht hätte Gabriele versucht , ihn zu überzeuge , n wie unrecht er ihr mit diesem Verdachte that ; sein Eisesblick hatte sie zurückgescheucht . Der Blick sagte ihr , daß sie doch keinen Glauben finden werde ,