einige wegen Untreue und Arbeitsscheu aus dem Hüttenwerk entlassene Arbeiter beschränken – « » Ein andermal , ein andermal , lieber Herr von Oliveira ! « unterbrach ihn der Fürst heftig abwehrend ; seine matten Augen streiften scheu und ängstlich das Gesicht des Ministers , auf dem sich jetzt der tiefste Ingrimm unverhohlen spiegelte . » Ich bin hier , um mich zu erholen , und muß Sie dringend bitten , nichts Geschäftliches zu berühren – erzählen Sie uns lieber von Ihrem wundervollen Brasilien . « Der Portugiese trat wieder an die Seite des Fürsten . » Ihr Vorgehen gegen diese im alten Schlendrian versunkenen , unverbesserlichen Geistlichen ist eine Ihrer vortrefflichsten Maßregeln , Exzellenz – sie wird in den Annalen unseres Landes glänzen ! « sagte die Gräfin Schliersen zu dem Minister . Diese Frau mußte doch das letzte Wort haben , und es war lediglich für die Ohren des Portugiesen bestimmt . Der Mann stand mit beiden Füßen in einem aufgescheuchten Wespennest , und der gereizte Schwarm tobte um sein Haupt ; allein dieses Haupt mit dem Ausdruck tödlichster Verachtung in den Zügen saß majestätischer als je auf den Schultern . Mit leise durchklingendem Spott erzählte er dem Landesherrn von den herrlichen Schmetterlingen und den berühmten , kostbaren Holzarten Brasiliens , von den Topasen und Amethysten , die auf seinem eigenen Grund und Boden in bedeutender Menge gefunden wurden ; und damit war man wieder im alten Fahrgeleise der harmlosen Konversation , wie sie die einzig schickliche war auf diesem heiklen Boden , der das Kräutlein » Rühr mich nicht an « so üppig wuchern und gedeihen ließ . 20 Die Damen hatten anfänglich beabsichtigt , auf dem See zu fahren , allein der Fürst schritt , in Oliveiras Schilderungen versenkt , achtlos am Ufer hin und betrat den Weg nach der Waldwiese ; die Damen folgten wie magnetisch angezogen durch die erzählende Stimme . Beim Eintritt in den Wald hatten sie die Hüte abgenommen ; sie flochten sich Glockenblumen , rotblühende Feldnelken und den wilden Hopfen mit seinen halbentwickelten , glöckchenartigen Zapfen in das Haar ... Wie taubenhaft unschuldig sahen sie aus in ihren fleckenlos weißen Gewändern , mit den jungen , frühlingsfrischen Gesichtern und den nickenden Waldblumenglocken . Und doch waren diese scheinbar kindlichen , unbefangenen Herzen bereits vortrefflich geschult und einexerziert nach dem feudalen Reglement , und zwischen ihnen und der übrigen , nicht hoffähigen Menschheit lag eine nie zu überbrückende Kluft voll Eis und tödlicher Kälte . Auf der Waldwiese angekommen , legte die junge hübsche Frau eines Kavaliers eine kleine Girlande um den Strohhut ihres Gemahls ; der Fürst bemerkte es und reichte lächelnd auch seinen Hut hin ; das war das Signal zu einer allgemeinen Bekränzung . Die jüngeren Damen flatterten umher wie die Schmetterlinge und plünderten den Waldboden ; es wurde viel gescherzt und gelacht ; harmloser und naiver konnten sich auch die Dorfkinder nicht im frischen , grünen Wald umhertummeln als diese blumensuchenden Hochgeborenen . Der Portugiese hatte dem Tumult den Rücken gewandt . Er stand mit rückwärts gekreuzten Händen vor der erzenen Büste des Prinzen Heinrich und studierte scheinbar mit großem Interesse die Züge des grün überlaufenen fürstlichen Kopfes . Was keine der Damen dem düsterernsten Manne gegenüber wagte , die Hofdame unternahm es . Sie trat geräuschlos an Oliveiras Seite und hielt ihm mit einem schalkhaft bittenden , wenngleich schüchternen Blick die schmale weiße , mit Blumen gefüllte Hand hin . Das wäre wohl ein Moment gewesen , um auf diesen strenggeschlossenen Mund ein Lächeln , in die dämonisch dunkeln Augen ein freundliches Aufleuchten zu zaubern – vergebens ! – Das Bronzegesicht veränderte sich nicht ; wohl aber nahm er mit einer tadellos ritterlichen Verbeugung den Hut vom Haupte und reichte ihn dem jungen Mädchen hin . Sie eilte zu dem Damenkreis zurück , und der Portugiese folgte ihr langsam . Die ganze Gruppe stand inmitten der Waldwiese . Die kleine Lichtung erschien von diesem Punkt aus wie ein Stern , dessen Strahlen als schmale Wege in den Wald hineinliefen – der Blick konnte nach allen Richtungen hin in die gründämmernden Laubgänge dringen . Oliveiras Hut ging von Hand zu Hand , jede der Damen schmückte ihn mit einer Blume ; zuletzt blieb er in den Händen der Baronin Fleury . Mit einem lächelnden Aufblick nach dem Portugiesen , der unfern von ihr stand , befestigte sie eine prachtvolle azurblaue Kampanula und war eben im Begriff , den Hut zurückzugeben , als sie plötzlich wie versteinert stehen blieb und aufhorchte . Augenblicklich verstummte auch das Geplauder und Summen aller Stimmen – man hörte die dumpfdröhnenden Hufschläge eines herangaloppierenden Pferdes ... War es ein scheugewordenes Tier , das durch den Wald raste ? ... Es blieb kaum Zeit , diesen Gedanken auszudenken , als auch bereits das Pferd auf dem Greinsfelder Wege herbrauste . Von seinem Rücken flatterte , wie eine leichte Sommerwolke , ein weißes Damenkleid , und über den hochaufbäumenden Kopf des Tieres hinweg wehte gelöstes blondes Haar . Auf Roß und Reiterin fielen aus den Wipfeln goldene Lichter nieder , und diese funkelnden , ab und zu huschenden Flecken machten die jäh hervorstürzende Gesamterscheinung fast grauenhaft schön . Die Damen stoben schreiend auseinander . » Mein Gott ! « stieß der Fürst hervor – der alte Herr taumelte förmlich zurück , die Baronin Fleury aber streckte wie sinnenverwirrt abwehrend die Arme aus . » Kehre um , Gisela , ich beschwöre dich ! « rief sie völlig fassungslos . » Ich kann dich nicht sehen ! ... Die Angst tötet mich ! « Allein da stand schon das Pferd , ein schöner Araber , wie festgemauert mitten in der Wiese ; der Schaum floß vom Gebiß , und die Nüstern flogen – ein einziger Ruck seiner Herrin , die auf seinem nur mit einer leichten Decke gesattelten Rücken saß , hatte es zum Stehen gebracht . » Greinsfeld brennt « , rief sie hinab , ohne das halbwahnwitzige Gebaren der Stiefmutter zu beachten – ihr schönes