der Anschaffung eines massiven silbernen Taufbeckens und anderer Dinge . Tante Bendeleben pflichtete ihrem reizenden Kinde eifrig bei , und so wurde denn die Feierlichkeit mit allem möglichen Pomp in Szene gesetzt . Als dies vorbei war , fing die alte Lebensweise wieder an . Sie tanzte , ritt und fuhr , und meine Bitten , meine Vorstellungen , doch nicht die Pflichten der Mutter zu vergessen , wurden übel aufgenommen , und es kam häufig zu kleinen Szenen . Endlich glaubte ich sie dadurch zu zwingen , daß ich meine Begleitung zu den Bällen und Gesellschaften ablehnte , besonders in der Zeit , als das Kind kränkelte . Das erstemal blieb sie schmollend zu Hause und schloß sich in ihr Boudoir ein , später ging sie allein , und ich hatte nichts gewonnen . Ich glaube , daß ich nicht immer das Rechte getroffen habe , um sie auf bessere Wege zu leiten ; aber ich habe mich wenigstens redlich bemüht , dies zu tun , das weiß der Allmächtige . Mit den Damen der Kameraden hatte sie sich meistens sehr schlecht gestellt . Sie hatte ein mokantes Wesen , und das Kapitel der wirtschaftlichen Tätigkeiten , der Kinderstubenereignisse war ihr ein Greuel . Sie machte kein Hehl daraus , daß ihr die Kaffee- und Damengesellschaften im höchsten Grade langweilig seien , und zeigte dies selbst in Gegenwart der Frauen meiner Vorgesetzten so ungeniert , daß sie sich das allgemeine Mißfallen zuzog . Meine Bitten , doch meinetwegen sich gegen diese Damen liebenswürdiger zu zeigen , wurden geringschätzig abgelehnt mit der Bemerkung , sie hoffe nicht , daß in Preußen auch die Frauen der Offiziere unter Subordination ständen . Ich litt sehr unter diesen Verhältnissen , aber sie schien es nicht zu bemerken . Ihre Schönheit , ihr Geist sicherten ihr um so größere Erfolge bei der Herrenwelt , und ich blieb völlig machtlos ihr gegenüber . So standen die Angelegenheiten , da trat Ruth eines Morgens zu ungewöhnlicher Stunde in mein Zimmer . Erregt und hastig teilte sie mir mit , daß sie gezwungen sei , augenblicklich nach Wien zu reisen , weil ihre cidevant Schwiegermutter , die alte Gräfin Satewski , gestorben sei . Sie wollte die Nachricht soeben brieflich erhalten haben . Ich verweigerte meine Einwilligung sofort , weil der Kleine mit fieberglühendem Köpfchen in den Armen der Wärterin lag und unruhig schrie . Ich wünschte , obgleich Ruth sich nicht besonders um das Kind bekümmerte , doch die Nähe der Mutter , in der Hoffnung , daß , wenn es gefährlicher krank werden sollte , die Mutterliebe das flatterhafte , oberflächliche Herz durchdringen , und sie sich der Pflege des Kindes widmen werde . Meine Frau zog sich schmollend zurück . Bald hörte ich , daß die Kammerjungfer das Anspannen bestellte . Ich ging in das Kinderzimmer , der Kleine war ruhiger , und die Wärterin , die ihn singend hin und her trug , meinte , es seien die Zähnchen , die ihn quälten . Da trat Ruth ein , zum Ausfahren gerüstet . » Wo fährst du hin ? « fragte ich , als sie nach einem flüchtigen Blick auf das Kind wieder aus der Tür schreiten wollte . » Nach Bendeleben « , sagte sie nachlässig und mit den Schultern zuckend . » Ich will mir bei meinen Eltern den Rat in dieser Angelegenheit holen , den ich bei meinem Herrn Gemahl nicht finden konnte . « – » Halt ! « rief ich , da ich annahm , daß sie dort von dem Unwohlsein des Kindes nichts erwähnen würde . » Ich begleite dich – einen Augenblick . « Sie schien unangenehm überrascht , konnte jedoch nichts einwenden , und so fuhren wir ab . Als ich in Bendeleben angekommen in den kleinen Salon trat , sah ich Dich , Gretchen , zum ersten Male wieder – so blaß das kleine Gesicht und in tiefer Trauer , schutzlos , ohne Vater und Mutter ! Ich mußte mich unendlich zusammennehmen , um meine Bewegung zu verbergen . Da kam meine Frau schonungslos hervor mit ihrer Anklage , und Dir mußte mit einem Schlage klarwerden , in welch unglücklicher Ehe wir lebten , und wie elend ich geworden war ! – Auf welche Weise sie ihren Willen durchsetzte , hast Du mit angehört . Oh , Gretchen , ich bin schon manchmal recht unglücklich gewesen , aber an jenem Abend , als ich Dich , Deine traurigen Augen sah , und auf der andern Seite die Frau , an die mich törichte Leidenschaft gekettet hatte , da schlug es mit wilden Wellen über mir zusammen – ich war froh , daß sie nicht wieder zur Stadt fuhr , froh , daß sie nach Wien reiste . Wie lange sie blieb und wie wenig sie nach mir und dem Kinde fragte , hast Du wohl gehört . Dann kam sie mit dem festen Entschluß zurück , sich von mir zu trennen . Einmal schrieb sie mir von Wien aus , ich sollte ihr einen Schmuck schicken , den sie dort bei einem berühmten Juwelier modern fassen lassen wollte . Sie gab an , wie ihre Kassette zu öffnen sei , und bemerkte dabei , daß sie ihren Wunsch sehr bald erfüllt zu sehen hoffe . Ich ging in ihr Boudoir , öffnete die große , silberbeschlagene Kassette , die auf dem Tisch neben ihrem Diwan stand – denn Ruth liebte es , in müßigen Stunden mit ihren blitzenden Diamanten zu spielen , wie ein Kind mit seiner Puppe . Ich fand den Schmuck und nahm ihn von seiner dunklen Samtunterlage . Ein Glied des Kolliers war ausgebrochen , und Ruth hatte mir geschrieben , es liege eingewickelt oder in einer kleinen Schachtel in dem zweiten Einsatz des Kastens . Ich hob den ersten Einsatz heraus und suchte zwischen einem Gewirr von Ketten , Perlschnüren und Armbändern , erblickte auch richtig ein weißes Papier , wickelte es auf und fand – Gretchen , was meinst