, grün übersponnenen Toren vorüber , während da und dort der Blick sich öffnete , ein Bauernhaus mit gewölbter Loggia , eine Villa mit eckigem Turm erschien . Wie schmiegten sich daheim Dörfer und Gehöfte demütig zu Füßen der Hügel , der Felsen , der Bäume , noch überdies unter spitzgiebelige Dächer versteckt , - hier stand das Haus des Ärmsten aus starken Mauern von gewachsenem Stein stolz auf der Höhe , ein Herr , ein Herrscher . Widersprach nicht die Lehre dieses Wegs unter freiem Himmel der Lehre aus der dämmernden Halle von Santa Croce - vom heiligen Kreuz ? Den steilsten Weg aufwärts , wo zuletzt zwischen den dunklen Stämmen einer Allee von Zypressen das weite Tal lächelnd hindurchschaut , erreichte Konrad die Höhe von Fiesole , und sah die Stadt wieder vor sich , für die jeder Hügel ringsum , als Ausblick zu ihr geschaffen schien . Sie schwamm in einem Meere blendenden Lichts . Die Sonne umschlang sie ganz und versteckte ihre heiße Umarmung unter Silberschleiern . Es war spät am Nachmittag , als Konrad die enge Via Calzaioli durchschreitend heimwärts ging . Da tönte ihm aus der Nebenstraße von der Piazza Vittorio Emanuele aus Lärm und Geschrei entgegen . » A basso il tedeschi ! « gröhlte eine sich überschlagende Knabenstimme , von Jubel umtost . Überrascht trat er näher . » Studenten , « sagte auf seinen fragenden Blick einer der Umstehenden , den die improvisierte Straßenversammlung belustigte wie irgendein anderer Spektakel . Auf einer kleinen Holztribüne tobte ein sehr blasses tiefbrünettes Kerlchen mit lebhaften Gebärden seine stürmische Leidenschaft aus . Er sprach pathetisch von den » geknechteten Brüdern « im Alpenland ; von den » unerlösten Kindern der heiligen Mutter Italien , - Trient und Triest . « Konrad lachte unwillkürlich hell auf : so wenig wußten diese Studenten von der historischen Vergangenheit ! Böse Blicke trafen ihn ; ein feindseliges Gemurmel entstand ; ein leerer Raum bildete sich um ihn her . Betroffen von dem Unerwarteten , verletzt durch ein Geschehen , das das Große , das er eben innerlich erlebte , zu verwischen drohte , wandte er sich langsam zum Gehen . Als Konrad sich dem Palazzo Savelli wieder näherte , hielt ein Auto vor der Türe . So waren die amerikanischen Gäste , die ganz Italien darin » abmachten « , schon da . Ungerufen erschien Giovanni , sobald er in sein Zimmer trat . » Die Frau Marchesa hat heute geweint , « sagte er in vorwurfsvollem Ton . » Bin ich daran schuld ? « frug Konrad , sich zu einem gleichgültigen Lächeln zwingend , während er fühlte , wie nahe Norinas Leid ihm ging . » Ja , « entgegnete Giovanni mit einem fast feindseligen Blick auf ihn . » Der Herr Graf tobte , weil die Frau Marchesa den Herrn Baron abgewiesen hat . « Und nun fiel es wie ein Schleier über des Alten Züge , während er kopfschüttelnd vor sich hinmurmelte : » Was konnte mein Bambino von Monna Lavinia haben wollen ? ! « Konrad stieg das Blut siedend heiß ins Gesicht : war das der Grund ihrer schroffen Abwehr gestern abend , daß man sie zwingen wollte - entgegenkommend zu sein ? ! Zu Giovanni sagte er erregt : » Du hast gehorcht , - ich verbiete es dir ! « Der Alte zuckte zusammen . Dann schob er mit der Linken den Ärmel von seinem rechten fleischlosen Arm weit zurück : viele breite Narben zogen sich über die braune Haut . » Aus diesen Wunden blutete ich für Monna Lavinia , « flüsterte er , » und Blut - Blut bindet ewig ! « » Monna Lavinia starb , Giovanni , « suchte Konrad den Verwirrten mit liebevoller Stimme aus dem Traum zu erwecken . Der aber warf kopfschüttelnd einen verständnislosen Blick auf ihn . » Bambino mio , « sagte er dann , die Hände flehend zu ihm erhoben , » hilf du , daß sie nicht mehr weint ! Ich - ich habe - « und er zog mit verlegenem Lächeln ein abgegriffenes Büchlein aus der Tasche , das er zärtlich streichelte - » für mein Begräbnis , mit vielen Priestern , und Chorknaben und Gesang , allerlei zusammengespart in den langen Jahren - Ihr seid auf Hochseß immer sehr gut , sehr gnädig gewesen zu dem alten Giovanni ! - Die Frau Marchesa - « gequält von der eigenen Verwirrung sah er auf - » ist zu stolz - sie nähme es nicht von mir ! Nur daß sie dem Schurken , dem Battisto die - die goldene Schlange mit den roten Augen wieder fortnimmt ! « Der Alte schlug die Hände vor das Gesicht und schluchzte . » Das Armband ? ! Was ist ' s damit ? ! « forschte Konrad . » Er zeigt ' s in der Osteria drüben - der Hund - er prahlt damit - « Entsetzt umklammerte Konrad des Alten Arm . » Sprich weiter - sprich ! « rief er , während ein gräßlicher Verdacht ihn zittern machte . Die kleinen Augen des Alten leuchteten triumphierend auf . » Mit dieser Faust hab ' ich ihm das Maul gestopft , « sagte er , und fügte , den gebrechlichen Körper aufrichtend und das Gesicht in wildem Haß verzogen , fast kreischend hinzu : » Kalt gemacht hätt ' ich ihn , wenn er noch ein einziges Wort gesagt hätte . « Konrad verstummte . Er wollte nichts mehr hören - nichts . Mit seinen eigenen Augen mußte er sich überzeugen . Als er dem roten Saale näher kam , tönte ihm das laute Geschwätz der Amerikaner schon entgegen . Miß Maud hob die goldene Lorgnette an ihre hellen blauen Augen , als er eintrat . Er verbeugte sich steif . Norina saß sehr gerade auf einem der kleinen dünnbeinigen Stühlchen , die so gar nicht für ihre stolze Größe paßten . Man fühlte förmlich die Distanz , die sie zwischen