Augen . Das war Prinz Ludwig , den sie den Buckligen und Ludwig Höckerlein nannten , des Herzogs Erbe , der eheliche Sohn seiner ersten Gemahlin Anna von Bourbon . Das Volk erzählte : Als Herzog Ludwig um der Sünden seiner Schwester willen vor einer Meuterei des französischen Adels flüchten mußte , hätte man das Knäblein Ludwig in einem kleinen , engen Maultierkorbe von Paris bis Ingolstadt gesäumt ; bei diesem wochenlangen , gekrümmten Liegen in dem drückenden Kretzen hätte sich das Körperchen des Knaben so häßlich entstellt . Aber die Ärzte des Herzogs wußten es anders . Sie wußten auch , daß der schöne Sohn der Jungfrau Canetta zwei Jahre vor Ludwig Höckerleins Geburt zur Welt gekommen war , ab Herzog Ludwig - damals noch Prinz - die heimatlichen Lande bereiste und an seinem Hals die häßliche französische Narbe noch nicht hatte . Nach dem Wort des Buckligen - » Du hattest gerade Glieder ! « - war langes Schweigen in der Stube . Ludwig Höckerlein blieb unbeweglich neben der Türe stehen , in den Augen die Pein seines entstellten Leibes , seinen funkelnden Haß und seine brennende Eifersucht . Der Herzog stand bei dem kleinen Fenster und sah in Mißmut zu , wie die goldschöne Abendsonne aus den verziehenden Wetterwolken blinzelte . In weiter Ferne - von Süden her , wo die Berge lagen - klang zuweilen noch ein Murren des Donners . Herr Ludwig fragte heftig : » Was willst du jetzt ? Bleiben ? Oder gehen ? « Der Prinz lächelte steinern . » Bleiben . Meister Nachtigall hat wieder eine süße Weise gefunden - nach jenem lärmenden Zwischenspiel . « Er ging mit langen , langsamen Spinnenschritten auf den Tisch zu . » Es war nicht lärmend genug . « Sein Gesicht verzerrte sich , während seine Stimme glatt und freundlich blieb . » Ich konnte bemerken , daß heute bei dir ein Schenktag ist . Willst du deinen einzigen Sohn nicht auch bedenken ? « Herr Ludwig fuhr auf : » Deinen ewigen Geldhunger vergnüg ich mit keinem Pfennig . « » Schade ! Einer liebt zu sagen : Geld ist Macht . « Jetzt brannte der Zorn im Herzog . » Mahne mich nicht an diesen Filz ! « » Die Leute sagen , er hätte viel Macht in seinem Schatzturm . « » Meinst du ? « Herr Ludwig wurde ruhig . » Aber frag nicht , wie er zu solcher Macht gekommen . Einer hat Gold aus einem Federbett gestohlen . Als er flüchten mußte , warf er den Raub ins Wasser . Die Goldstücke sanken unter , die Flaumen schwammen . So kommen die Wertlosen obenauf . Ein Witz dies Lebens . « » Ich danke dir . « » Weshalb ? « » In deinem Gleichnis ist eine Hoffnung für die Stiefkinder des Glücks . « Der Bucklige fand ein spielendes Lächeln , das sein Gesicht beinahe männlich machte . » Du bist Gold . Ich bin ein Fläumchen . Wenn ein helfender Wind bläst , will ich fliegen . « Der Herzog sah den Lächelnden forschend an . » Höckerlein ! Du weißt , ich mag dich auch um deiner übelsten Bosheit willen nicht strafen . Ich spreche keinen Verbrecher zum Tode . Soll ich nicht geduldig sein gegen meinen Sohn ? Aber eine Wespe , die stechen will , verscheucht man . « » Oder man beschäftigt sie und legt ihr eine süße Birne hin - süß , auch wenn sie schon ein bißchen faul ist . « Mit einem wunderlichen Schupf des mißförmigen Körpers setzte sich Prinz Ludwig auf die Lehne eines Stuhles , der vor dem Tische stand . » Vater ? « » Was ? « » Gefällt dir die Wickerspacherin noch immer ? « » Welche meinst du ? « Herr Ludwig lachte kurz . » Die Mutter oder die Tochter ? Schön sind beide . « » Welche du willst . « Die Stimme dies Prinzen zitterte von einer dürstenden Gier seines Blutes . » Laß mir die andre ! « Der Herzog wurde heiter . » Höckerlein , du redest Unsinn . Such dir was Eignes ! « » Ich finde nichts . Die Häßlichen mag ich nicht . Die Schönen nimmst du ! « Der Blick des Prinzen glänzte von Bosheit . » Nun bist du schon bald ein Greis . Dich sollte der Liebe genügen . Leidenschaft in deinen Jahren ist noch drolliger als mein Höcker . Laß die Jungen werben ! « Da stieg dem Herzog der Ärger in die Kehle . » Wirb ! Ich selber möchte das erleben , daß dich eine nimmt . Dann wollte Ich versuchen , dich mit ihren Augen au sehen , damit du mir besser gefällst . Du bist mein Sohn . Gott und mein Herz sagen : Ich muß dich lieben . Aber du hinderst mich . « Von diesen heftigen Worten des Vaters schien Prinz Ludwig nur das erste gehört zu haben . » Werben ? Ich bin ungeschickt . Es wäre deine Pflicht , mich in die Schule zu nehmen . Du bist sehr erfahren in diesen Dingen . « Der Bucklige drehte das entstellte Gesicht zur Türe hin , durch die der junge Wieland verschwunden war . Dann lächelte er wieder , mit einem Lauern in den Augen . » Ist das wahr , Vater , was die Mägde von dir erzählen ? « » Was erzählen sie ? « » Daß du das Unmögliche wahr machen kannst . Unter den zahllosen Mädchen , die du verführtest , soll auch eine Cisterciensernonne gewesen sein ? « Im Blick des Buckligen war Freude , als er sah , wie tief er den Vater verwundet hatte . Herr Ludwig hob die Faust , als möchte er sie niederschmettern auf die Stirn seines Sohnes . Der Bucklige saß unbeweglich und sah den Vater neugierig an . Mühsam sagte der Herzog : » Ich glaube stark zu sein wider eine Welt