Wirkung , daß von einer Verzögerung nicht weiter gesprochen wurde , um neun Uhr war der Wagen zur Stelle , es war großer Zulauf in den Gassen , die Leute , vermutlich insgeheim aufgehetzt , gebärdeten sich einigermaßen revoltant , wurden aber durch meine Drohung , daß ich die Wache aufziehen lassen würde , schnell eingeschüchtert . Dem Kutscher gebot ich Eile , und nach einer Viertelstunde hatten wir das Weichbild der Stadt verlassen . Während der ganzen drei Stunden bis zum Dorfe Großhaslach ließ mein Kurand nicht eine Silbe verlauten , sondern starrte ununterbrochen in die Dunkelheit hinaus ; gewiß mag es ihm gar trübselig zumute gewesen sein , da er nun doch erkennen mußte , daß es mit seinen großen Hirngespinsten Matthäi am letzten war . Ich hatte den Sergeanten nach Großhaslach bestellt , und derweil die Pferde gefüttert und getränkt wurden , verfügten wir uns in die Poststube . Hauser legte sich daselbst alsogleich auf die Ofenbank und entschlief . Ich konnte aber des Verdachts nicht ledig werden , daß er sich nur schlafend stellte , um mich und den Sergeanten sicher zu machen und unser Gespräch zu belauschen . In diesem Argwohn bekräftigte mich auch das jedesmalige Blinzeln seiner Lider , wenn ich in nicht gerade schmeichelhaften Ausdrücken seiner Person erwähnte . Um der Sache auf den Grund zu gehen und zugleich herauszubringen , was es mit dem allerwärts verbreiteten Märchen von seinem steinernen Schlummer für eine Bewandtnis habe , nahm ich meine Zuflucht zu einer kleinen List . Nach einer Weile gab ich nämlich dem Sergeanten einen Wink , und wir erhoben uns leise , als ob wir gehen wollten , und siehe da , kaum hatte ich die Türklinke gefaßt , so schnellte mein Hauser wie von der Tarantel gestochen empor , tat ein wenig wirr und verstört und folgte uns , die wir uns kaum das Lachen verbeißen konnten . Im Wagen fragte mich Hauser plötzlich , ob der Herr Graf noch in Ansbach weile ; ich bejahte , fügte aber hinzu , daß Seine Lordschaft dieser Tage gen Frankreich fahren werde , worauf Hauser einen tiefen Seufzer ausstieß ; er lehnte sich in die Ecke zurück , schloß die Augen und schlief nun wirklich ein , wie ich aus seinen tiefen Atemzügen entnehmen konnte . Die Weiterfahrt verlief ohne bemerkenswerte Vorfälle , es war ein Viertel nach drei , als wir bei Schneetreiben vor dem Sterngasthof anlangten ; ich hatte diesmal harte Mühe , den Hauser aus dem Schlaf zu bringen , und erst als ich ihn energisch anschrie , entschloß er sich , aus der Kutsche zu steigen . Da nur der Torwart zugegen war und ich den Herrn Grafen nicht wecken lassen wollte , brachten wir den jungen Menschen in eine Kammer unterm Dach ; ich befahl ihm , sich zu Bette zu begeben , sperrte der größeren Sicherheit halber die Tür von außen zu und hieß meinen Sergeanten , bis zum Anbruch des Tages auf Wache zu bleiben . Soll ich nun zum Schlusse über die Person und das Betragen des Kuranden ein Urteil abgeben , so muß ich bekennen , daß mir der junge Mann wenig Sympathie oder Mitgefühl abnötigte . Sein verschlossenes , trotziges und hinterhältiges Wesen läßt auf einen , wenn auch nicht verdorbenen , so doch angefaulten und widrigen Charakter schließen . Von wunderbaren Eigenschaften hab ich an ihm nichts beobachtet , als eine in der Tat wunderbare Begabung zur Schauspielerei , was noch milde ausgedrückt ist . Ich fürchte , man wird hiesigenorts manche Enttäuschung an ihm erleben . Binder an Feuerbach : Um des ferneren allem überflüssigen Gerede und Vermuten vorzubeugen , das in derselben Sache schon an Eure Exzellenz gelangt sein mag , diene die Nachricht , daß ich bereits genügenden Aufschluß habe über den rätselhaften , vier bis fünf Stunden andauernden Verbleib Caspar Hausers am letzten Nachmittag seines Aufenthalts in hiesiger Stadt . Freilich , dieser Aufschluß ist im Grunde keiner , denn so wenig der Jüngling sich selbst hatte erklären wollen , so wenig erklären die mir bekannt gewordenen Einzelheiten seine ganze Handlungsweise . Ich will mich kurz fassen . Am Morgen nach Caspars Abreise kam der Gefängniswärter Hill zu mir und berichtete , der Hauser sei gestern mittag nach eins bei ihm auf dem Turm erschienen und habe gebeten , ihm die Kammer zu zeigen , worin er einst gefangen gewesen . Zufällig war an jenem Tag kein Häftling auf dem Luginsland , und er , Hill , habe nach einigem verwunderten Fragen und Forschen Caspar eintreten lassen . Nachdem er eine Weile grübelnd dagestanden , begab er sich in dieselbe Ecke , wo ehedem sein Strohlager gewesen , hockte auf den Boden und brütete stumm vor sich hin . Dem Hill war das befremdlich , und da alle Versuche , den Jüngling seiner Lethargie zu entreißen , nichts fruchteten , kehrte er in seine Wohnung zurück und machte seiner Ehefrau von dem Vorfall Mitteilung . Sie überlegten gerade , was zu tun sei da kam Caspar von selbst die Stufen herunter und trat in das Zimmerchen , das ihm ebenfalls von früher wohlbekannt war , das er jedoch mit bohrend nachdenklichen Blicken durchmusterte , genau wie er oben in der Zelle getan . Hill und sein Weib dachten nicht anders als der arme Mensch habe den Verstand eingebüßt . Die Frau näherte sich ihm , stellte einige Fragen , erhielt aber keine Antwort . Da fiel sein schweifendes Auge auf die beiden Kinder des Wärters , die auf einem Tritt beim Fenster mitsammen spielten , und plötzlich lächelte er gar wunderlich , schlich sich heran und setzte sich am Rand des über den Boden erhöhten Tritts nieder . Hill tat das Vernünftigste , was er tun konnte , er ließ ihn gewähren und wartete ab , was daraus werden würde . Nachdem sich Caspar also niedergelassen , begann er die zwei Kinder auf eine Weise anzustarren , als ob er nie im Leben Kinder gesehen hätte ; er