hatte er geballt . Er wurde wegen des Bannbruches zu einigen Wochen Gefängnis verurteilt , und während dieser Zeit hoffte er immer , daß ihn seine Frau noch einmal mit dem Kinde aufsuchen werde , aber die schämte sich und so nahm der Mann von Deutschland Abschied mit Bitterkeit im Herzen . Aber als er vom Schiff aus New York erblickte , wo sich über dem breiten Lager der gewöhnlichen Häuser wie gewaltige Türme des Mittelalters die Riesenbauten erhoben , die mit ihrer obersten Galerie die Wolken streifen und deren Wände doch blitzen von spiegelnden Fensterscheiben , denn nur aus Eisen und Glas sind sie erhoben , da war es , als ob in ihm Begeisterung , Kraft und neue Freude erwachten . Und wie er durch die breiten Straßen ging , wo die Menschen sich rücksichtslos drängten mit willensstark geradeaus gerichteten Blicken und jeder ein Ziel verfolgte und Mut und Hoffnung hatte , da richtete sich auch seine Haltung , nicht in der militärischen Art wie zu Hause , sondern nach amerikanischem Wesen , und ein Einheimischer sah wohl verwundert den Einwanderer mit dem kleinen Bündel an , der gar nicht aussah wie ein gewöhnliches Grünhorn . Und es glückte ihm , daß er gleich Arbeit bekam in seinem Geschäft , und schon nach einem halben Jahre , wie er sich an das Neue gewöhnt hatte , rückte er zu einem Meisterposten auf , dann wurde sein Ehrgeiz immer lebendiger , und nicht lange währte es , da mußte ihn sein Herr , der einst gleich ihm als armer Schustergeselle eingewandert war , mit am Unternehmen beteiligen , und nun hatte er den Weg frei vor sich , der ihn einst zum Reichtum führen mußte . Ganz sonderbar schnell hatte er sich seiner Sprache entwöhnt und waren alle seine Manieren amerikanisch geworden , und weit , weit in den Hintergrund traten ihm seine jugendlichen Bestrebungen und die Erinnerung an Weib und Kind , denn nur zuweilen im Traum kam es ihm , daß er die alten Zeiten sah . Später heiratete er eine amerikanische Frau , die ein schlankes und stolzes Wesen war mit offenem Gesicht , die ihm erschien wie eine Königin , trotzdem sie nur Buchhalterin gewesen war in seinem eignen Unternehmen , und so bereitete er mit die neue Gesellschaft vor , die freilich ganz andrer Art ist wie die einst von ihm geträumte , und die einmal unbarmherzigen Krieg führen wird gegen uns Altväterliche . In Hans begann jetzt allmählich ein Gefühl der Einsamkeit , denn die Jahre waren vorüber , wo man die Vorstellung hat von vielen unbekannten Freunden , die man nur anreden müßte , auch verliert am Ende der Jünglingsjahre das Bewußtsein gemeinsamer Überzeugungen seine Bedeutung , das leicht Menschen zur Freundschaft zusammenbringt , denn in Wahrheit fängt jetzt das Alter an , wo die Ehe eintreten muß und die erfolgreiche Berufsarbeit , in welcher die Fähigkeiten und Kenntnisse verwendet werden , die suchende Jünglingsjahre erworben haben . Aber weder konnte Hans an eine Ehe denken , auch wenn er eine Liebesneigung gefaßt hätte , denn er vermochte nur eben sich selbst zu ernähren , noch erschien ihm seine Tätigkeit als eine Berufsarbeit für das Leben , denn sein Lehrer hatte es ihm wohl nach seinem Versprechen verschafft , daß er bei einem großen wissenschaftlichen Unternehmen mitbeschäftigt wurde , aber die Arbeit war ihm nur ein gemeiner Broterwerb . Aber welche Tätigkeit er sich aussuchen sollte , das konnte Hans auch nicht sagen , und so machte er sich jetzt oft Vorwürfe , daß er sich früher durch zu vielerlei Interessen zersplittert habe . Derart sah er nun auch andre Dinge in einem grauen und unerfreulichen Schein , die ihn früher glücklich gemacht hatten , die unreife Begeisterung der Jugend war erloschen , und Erfahrung und Verständigkeit hatten noch nicht ein neues Bild der Welt geschaffen ; so wunderte es ihn , wie er in einer Volksversammlung ein ganz neues Bild bekam , wo er eine Rede von Heller hörte , in welcher der gehässig über die höheren Stände sprach und den Arbeitern schmeichelte , und die Versammelten jubelten ihm Beifall ; aber der Hochmut und die kindische Art der Leute tat ihm weh , und weil er selbst ein Mensch mit Ehrfurcht war , so kamen sie ihm vor wie freche Knechte . Da erschien ihm plötzlich der Drang nach Gerechtigkeit und der Wunsch auf Gleichheit als ganz unreif , und er kam sich vor wie das Kind , das den Ozean mit der Nußschale ausschöpfen wollte , weil er einst geglaubt hatte , er könne durch ein Urteil über Recht und Unrecht in diesen gesellschaftlichen Vorgängen eine Einsicht haben , die doch durch den geheimen Lebenstrieb der gesamten Gesellschaft bestimmt werden ; und in Wahrheit hatte er vielleicht die Auflösung und den Tod der Gesellschaft erstrebt durch seinen Drang und seinen Glauben . Ganz neu und unbestimmt kam ihm nun zuerst der Gedanke , daß dieser Maurer oder Zimmermann neben ihm nicht behaglich leben dürfe , wenn er selbst oder ein andrer sollte höher kommen können , nicht zu Behagen , sondern zu höherer Wesenheit , und indem fühlte er plötzlich , daß er diese Menge von dumpfen und selbstzufriedenen Menschen haßte . Aber so einsam war er , daß er von dieser Unruhe und Verzweiflung niemand mitteilen konnte , und er hätte auch ein weibliches Wesen haben müssen , dem er seine Gedanken erzählte . So fühlte er sich nun näher hingezogen zu Luise ; die hatte ihr medizinisches Studium beendet und war nach Hause zurückgekehrt , und ihre Absicht war gewesen , nun sich als Ärztin niederzulassen . Aber wie sie das gewollte Ziel erreicht hatte , war plötzlich eine seltsame Müdigkeit und gleichgültiger Sinn über sie gekommen , und sie lebte wochenlang und dann durch Monate untätig , und wie es Menschen in dieser Verfassung geschieht , häuften sich allerhand Schwierigkeiten um sie , als seien sie durch ihre Stimmung herbeigezogen . Hans verspürte nichts von dieser