er nicht den begonnenen Satz und fragte etwas anderes : » Woher kommen Sie ? « Diese Wendung war ihr eine Erleichterung . - » Ich komme von der Wohnung meiner Mutter - sie ist aber heute nach Grumitz gefahren , ich habe sie nicht getroffen . Wie sind die weiteren Aufführungen Ihres Stückes ausgefallen ? « » Ich habe ihnen nicht beigewohnt . Es ist merkwürdig , wie gleichgültig mir das Stück geworden ist - vielleicht , weil ich jetzt mein eigenes Drama erlebe ... « Sie ging schweigend weiter und er blieb an ihrer Seite . Nach einer Weile sprach er wieder : » Ich habe heute morgen den Grafen Delnitzky fahren gesehen - mit einem Koffer auf dem Bock ; ist er abgereist ? « » Ja , auf ein oder zwei Tage ! « » So sind Sie allein ? « Sie verstand den Sinn dieser Frage und antwortete : » Ich empfange niemand . « Sie kamen an einen Fiakerstand vorbei . » Fahr m ' r , Eu ' r Gnaden ? « fragte einer von den Kutschern . Hugo blieb stehen und blickte Sylvia ins Gesicht : » Wie wär ' s , wenn wir einen Wagen nähmen , und - « » Wohin ? « » Einerlei ... nach Schönbrunn , auf den Kahlenberg - es wäre ja doch nach Eden . « Sie schüttelte den Kopf und ging weiter . Eden war ja auch ihr Ziel . Aber in Italien sollte es sein - und wenn sie sich ganz frei gemacht . Seine Worte hatten eine Vision in ihr erweckt , die in Freudenglanz getaucht war . Und überhaupt : glücklich - einfach glücklich machte sie seine Nähe . Nach ein paar Schritten brach Hugo das Schweigen : » Es hat mir jemand geschrieben : Ich will Dein sein . « Sie machte eine heftige Bewegung mit der Hand , die er als Bitte auffaßte , er möge nicht hier , auf offener Straße an diesem heiligen Geheimnis rühren - und er begann von anderen Dingen zu reden : von einer hämischen Kritik , die eine Wochenschrift über sein Stück gebracht ; von Rudolf , dessen Vortrag er leider nicht gehört - doch in seiner Stimme lag so innige Wärme , als hätte er stets nur wiederholt : ich liebe Dich - ich liebe Dich in Zeit und Ewigkeit . In ihr steigerte sich das Verlangen , dieses Wort von seinen Lippen zu hören und es ihm selber zu sagen , und so waren die einsilbigen , bedeutungslosen Antworten , die sie ihm gab , gleichfalls von verhaltener Zärtlichkeit durchzittert . Manchmal verstummten sie auch ganz und gingen nur so nebeneinander her : nicht Arm in Arm , doch so nah , daß ihre Arme sich streiften ... Sylvia kam sich vor , wie in eine nie gekannte Lage versetzt . Alles , was sie umgab , war ihr fremd und eigentümlich , als hätte sie ähnliches niemals erlebt - das Geklingel der Trambahn , die Spiegelscheiben der Auslagen , die geschäftigen und die flanierenden Leute - alles war so unwirklich , es gehörte nicht zu ihr und sie gehörte nicht hinein . Überhaupt , was sie jetzt durchbebte , war nur Präludium , Prolog ... das eigentliche Stück sollte erst folgen . Auch ihr ganzes früheres Leben war wie ausgelöscht , die Gegenwart galt nicht , aber das Kommende ... Sie wagte nicht , gerade hineinzuschauen in diese Verheißung , gerade so , wie man nicht in die Sonne schaut - - So waren sie vor dem Dotzkyschen Hause angelangt . Sie wollte ihm nun die Hand reichen und Adieu sagen - aber sie war wie gelähmt und tat es nicht . Sie konnte nicht einmal stehen bleiben , sondern bewegte sich mechanisch weiter und trat unters Tor . Er desgleichen . Da fing ihr Herz wild zu pochen an . Sie wollte gar nicht mehr , daß er sie verlasse . Auf der Treppe bot er ihr den Arm und an der Flurtür zog er die Klingel . Jetzt konnte sie ihn noch immer wegschicken - sie tat es nicht . Der Diener öffnete . Sylvia trat über die Vorzimmerschwelle ; Hugo hinterdrein . Der Diener nahm seiner Herrin die Jacke und dem Besucher den Überrock ab und öffnete dann eine Tür . Sylvia ging voran ; ohne sich umzusehen durchschritt sie die ganze Flucht der Zimmer , bis sie in ihrem kleinen Salon anlangte . Sie warf ihren Hut auf ein Möbel und wandte sich um . Hugo , der ihr in dieses Heiligtum gefolgt war , stand mit dem Rücken an die geschlossene Tür gelehnt und öffnete die Arme . Mit einem halberstickten Schrei sank sie hinein . » O mein Geliebter , Geliebter , Geliebter ... « Ihr gesenkter Kopf war an seiner Brust geborgen . Geborgen : das war das rechte Wort für das , was sie empfand : das Vollgefühl der Erfüllung . Er hob ihren Kopf empor und bog ihn zurück , um ihr tief in die Augen zu schauen : » Mein , mein ... « dann drückte er seinen Mund auf ihre wie küssedurstend geöffneten Lippen . So blieben sie zwei selige Minuten umschlungen . Dann riß Sylvia sich los und entfernte sich ein paar Schritte . Sie ließ sich in eine Sofaecke fallen mit einem tiefen zitternden Seufzer . Er näherte sich . » Dort , « sagte sie und wies nach einem seitlich stehenden , etwas entfernten Fauteuil . Er gehorchte . In dieses Zimmer , das wußte er von früher her , konnte jeden Augenblick jemand hereinkommen . Nur vorhin , als er an den Türflügel gelehnt gestanden , war man vor Überraschung sicher gewesen . » Ich habe nicht geglaubt , « sagte Sylvia , » daß ich so lieben kann . « » Wie ich Dich liebe , weiß ich längst ... Schon damals - erinnerst Du Dich - in Brunnhof , bei dem plötzlichen Gewitter