vor die Füße zu werfen . Zittwitz hatte sich auf seinem Stuhle umgedreht und war in irgendwelche Schriftlichkeiten vertieft . Gustav sah nur seinen breiten Rücken . Wenn der Mann ihm nur wenigstens offen als Feind entgegengetreten wäre ! Aber dieser kalten Geringschätzung , diesem überlegenen Hohn gegenüber fühlte er sich gänzlich ohnmächtig . Der junge Mann würgte und schluckte an seinem Ärger . Dann bat er um Gehör . » Ach Gott , Sie sind noch hier ! « sagte der andere und wandte sich um mit gut geheucheltem Staunen . » Also , was wollen Sie noch ? Aber bitte , schnell ! ich habe nicht viel Zeit , wie Sie sehen . « Gustav begann mit einer von Ärger und innerer Erregung rauhen Stimme in abgehackten Sätzen auseinanderzusetzen , er habe nichts davon gewußt , daß er den Kontrakt bezahlen müsse ; man habe ihm die ganze Sache gegen seinen Willen aufgenötigt , und er wolle von dem Geschäfte absehen . Der Agent unterbrach ihn . » Das dürfte Ihnen wohl übel bekommen , mein Lieber ! « sagte er in trockenstem Tone . » Hier steht Ihre Unterschrift . An die halte ich mich . Wer etwas unterschreibt , was er nicht kennt , ist ein Narr ! Außerdem haben Sie eine ganze Anzahl Leute zum Unterschreiben veranlaßt ; an die sind Sie ebenfalls gebunden . Man wird sich an Sie halten von beiden Seiten . Es gibt in unserem Gesetz ein Wörtchen , das heißt Kontraktbruch ; das wird bekanntlich streng geahndet . « Gustav war nicht imstande , diese Behauptung zu widerlegen . Er fühlte , ohne es beweisen zu können , daß er im Recht und jener im Unrecht sei . Aber bei dem , was in letzter Zeit seinem eigenen Vater widerfahren , lag das Recht so deutlich auf Seite des Unterliegenden und das Unrecht auf Seite des Siegers - und trotzdem nahmen Samuel Harrassowitz und Ernst Kaschel das Gesetz für sich in Anspruch , während es den Bauern im Stiche zu lassen schien - daß sich bei dem jungen Manne alle Begriffe von Gesetzlichkeit und Gerechtigkeit zu verwirren drohten . Das Recht war wohl nur denen etwas nütze , die es zu verdrehen verstanden ! Der Agent hatte sich wieder seiner Arbeit zugewandt . Er ließ Gustav in den bittersten Gedanken stehen und warten . Sollte er ' s darauf ankommen lassen , ob jener es wirklich so weit treiben wurde , ihn wegen ! Kontraktbruchs zu belangen ? Die Sorge , sich vor dem Gesetze schuldig zu machen , war es weniger , die ihn bedrückte , als das Gefühl der Verpflichtung denen gegenüber , die sich ihm verdungen hatten . Wie sollte er vor diesen bestehen ? Was wäre das für eine Schande gewesen vor dem ganzen Dorfe , wenn er jetzt die Flinte ins Korn warf . Und zu alledem , war er denn dann nicht wieder brotlos , ohne Stellung und Beschäftigung . Traurig genug ! Aber , es war so ! es blieb ihm keine Wahl ; er mußte sich den Bedingungen fügen , die ihm der Agent vorschrieb . » Wie steht ' s , Büttner ? « fragte Zittwitz , gelegentlich von seiner Korrespondenz aufblickend , nicht ohne Spott im Ton . » Sind Sie noch nicht im reinen mit sich ? Die Sache wird durchs Überlegen nicht anders . « Gustav drehte seine Mütze in der Hand und blickte vor sich zu Boden . » Fünf Mark pro Kopf ! Die Hälfte zu Johanni , die andere zu Martini . Billiger kann ich ' s nicht machen . Also , wie steht ' s ? Soll ich den Kontrakt mitsamt den Unterschriften an einen anderen verkaufen ? - he ! Das kann ich nämlich auch , wenn mir ' s Spaß macht . Oder , wollen Sie Vernunft annehmen ? « Gustav nagte die Lippen gesenkten Blickes und druckste noch ein wenig . Dann sagte er mit einer verlorenen Handbewegung , ohne aufzublicken : » Wenn ' s sein muß ! Aber recht is es nich ! « VI. Der Sonntag war herangekommen , an welchem Gustavs und Paulinens Hochzeit begangen werden sollte . Es war eine kleine und einfache Hochzeitsgesellschaft , die sich in der Kirche zu Halbenau um den Altar versammelt hatte . Die Eltern des Bräutigams fehlten . Es war ein schwerer Tag für die Büttnersche Familie . Tonis Stündlein war da . Die Wehen hatten bereits eingesetzt . Die Bäuerin wollte ihr Kind in schwerer Stunde nicht allein lassen . Der alte Bauer war , ohne ein Wort zu sagen , in früher Stunde aus dem Hof gegangen , dem Walde zu . Sein Feststaat , den ihm die Frauen für die Trauung zurechtgelegt hatten , war unberührt liegen geblieben . Aber Karl , Therese und Ernestine waren zur Stelle . Unter den Freunden des Bräutigams fiel Häschkekarl auf . Er war wie ein feiner Herr angezogen , in schwarzen Sachen , mit weißem Vorhemdchen und Manschetten . Sogar einen schwarzen Hut , wenn auch nicht den neuesten , hielt er in der Hand . Woher der Vagabund sich diese Pracht verschafft hatte , wußte nur er allein . Die Braut war in weißen Mull gekleidet . Das Kleid hatte sie sich mit Hilfe einer Freundin , die in der Stadt das Zuschneiden erlernt hatte , selbst angefertigt . Städtische Blasiertheit würde vielleicht die Nase gerümpft haben über den Staat dieser ländlichen Braut . Von Zierlichkeit und Anmut war da keine Rede . Das helle Kleid verstärkte noch die Derbheit ihrer entwickelten Gestalt . Und doch war es eine Freude , dieses Paar zu sehen . Gesund waren sie und schlicht ; echte Bauernkinder ! Pauline trug keinen Brautkranz im Haar . Der alte Pfarrer hielt streng darauf , daß kein Mädchen , der es nicht zukam , mit dieser Auszeichnung vor den Altar trete . Die kranzlosen Bräute waren nicht selten in Halbenau , denn der Leichtsinn der