um fünf Uhr in Höhe von Möen war oder doch zu sein vermeinte , da war der Seenebel so dicht geworden , daß man das Feuer unter dem Dampfkessel ausgehen und die Anker fallen lassen mußte . Die Stille , wie gewöhnlich , weckte die Schläfer , und als man eine Viertelstunde später auf Deck kam und nach der Küste von Seeland hinüberschauen wollte , hörte man von dem Mann am Steuer , daß das Schiff festliege . » Wie lange ? « » Nun , Mittag wird wohl herankommen . « Und Mittag war auch wirklich vorüber , als der Nebel endlich wich und die Fahrt wieder aufgenommen werden konnte . Verlorener Tag und von einem Vorsprechen im Palais der Prinzessin keine Rede mehr . Die Laternen brannten schon überall am Hafen , als man bald nach fünf an der Dampfschiffsbrücke anlegte . In seiner Wohnung wurde Holk , statt wie gewöhnlich von Brigitte , diesmal von der alten Frau Hansen empfangen ; sie ging ihm voran die Treppe hinauf und zündete die Lampen an , ohne nach etwas anderem als nach dem Wetter zu fragen , und ob er eine gute Fahrt gehabt habe . Davon , ob die Frau Gräfin bei guter Gesundheit gewesen und ob das Christfest froh und glücklich verlaufen sei , davon war mit keinem Worte die Rede , und als Holk seinerseits erst nach dem Befinden der beiden Hansenschen Frauen und dann nach dem der Prinzessin frug , antwortete die alte Hansen in jenem eigentümlichen Unschuldston , worin sie der Tochter womöglich noch überlegen war : » Das Fräulein ist wieder außer Bett . « Es kam so heraus , daß es selbst Holk auffiel , er war aber in diesem Augenblick von viel zuviel andern Dingen in Anspruch genommen , um seinerseits einen Gegenzug zu tun , und so ließ er ' s denn gehen und bat nur um die Zeitungen und einen guten Tee . » Denn ihn fröstle von dem langen Stehen auf Deck . « Die Hansen brachte beides . Der Zeitungen waren der Festtage halber nur wenige ; Holk flog sie durch und ging dann früh zu Bett . Er schlief auch gleich ein , denn die letzten Tage hatten seine Nerven erschöpft . Bei guter Zeit war er wieder auf . Frau Hansen ( Brigitte ließ sich auch heute nicht sehen ) brachte das Frühstück , und weil sie fühlen mochte , den Abend vorher zu weit gegangen zu sein , befleißigte sie sich der größten Unbefangenheit und trug ihren Stadtklatsch harmlos und mit so viel glücklicher Laune vor , daß sich Holk nicht bloß seinem Mißmut über die voraufgegangene Perfidie der Alten , sondern zu seiner eigenen Überraschung auch seiner trüben Stimmung zu gutem Teil entrissen sah . Alles , auch das Heikelste , gewann in der Erzählung der guten Hansen etwas durchaus Heitres und durchaus Selbstverständliches , und als sie wieder fort war , war es ihm , als ob er eine freilich nicht sehr moralische , dafür aber desto lebensweisere Predigt über das , was Leben sei , vernommen habe . Wenn er das eben Gehörte zusammenfaßte , so hieß es etwa : ja , Graf Holk , so war es immer und so wird es immer sein . Es läßt sich alles schwernehmen , aber es läßt sich auch alles leichtnehmen . Und wer die Kunst des Leichtnehmens versteht , der lebt , und wer alles schwernimmt , der lebt nicht und ängstigt sich vor Gespenstern , die gar nicht da sind . » Ja , die gute Frau Hansen hat recht « , so schloß Holk seine Betrachtungen über das , was er eben vernommen hatte . » Leichtnehmen , alles leichtnehmen , dabei fährt man am besten , das haben auch die Menschen am liebsten , und ein lachendes Gesicht ist der erste Schritt zum Siege . « Zwölf hatte noch nicht ausgeschlagen , als er aus seiner Wohnung in die Dronningens-Tvergade hinaustrat und auf das Palais zuschritt . Es war dritter Feiertag , das Wetter hatte sich geklärt , und die Wintersonne lag auf Platz und Straße . » Das Fräulein ist wieder außer Bett « - so waren gestern abend die Worte der Frau Hansen gewesen , und an der Richtigkeit dieser Mitteilung ließ sich nicht wohl zweifeln ; daß aber das Fräulein nach einem so heftigen Fieberanfall auch schon wieder im Dienst sein sollte , das war freilich sehr unwahrscheinlich , und so stieg er denn , ohne vorgängiges Anfragen in den Gemächern der Prinzessin , in das von Ebba bewohnte zweite Stockwerk hinauf . Karin öffnete . » Das Fräulein zu sprechen ? « - » Ja . « - Und Karin ging vorauf , während Holk folgte . Das Fräulein saß in einem Lehnstuhl am Fenster und sah auf den Platz , auf dem keine Spur von Leben war , nicht einmal die Herbstblätter tanzten mehr darüber hin . Als Holk eingetreten , erhob sich Ebba von ihrem Lehnstuhl und schritt auf ihn zu , freundlich , aber matt und nüchtern . Sie gab ihm die Hand , nahm dann , abseits vom Fenster , auf einem weiter zurück stehenden Sofa Platz und wies auf einen Stuhl , ihn auffordernd , damit in ihre Nähe zu rücken . » Ich erwarte den Arzt « , begann sie leise , mit mehr erkünstelter als wirklicher Anstrengung . » Aber der gute Doktor , er kommt immer noch früh genug , und so freu ich mich denn aufrichtig , Sie zu sehen . Es läßt sich doch mal von etwas andrem sprechen . Immer über sein Befinden rapportieren zu müssen - es ist so langweilig , für den Doktor gewiß , aber auch für den Kranken ... Sie haben das Fest drüben zugebracht . Ich hoffe , daß Sie die Gräfin bei wünschenswerter Gesundheit fanden und daß Sie gute Festtage hatten . « » Ich hatte sie nicht « , sagte Holk . » Dann kann ich nur