mir nicht so weh thun . Aber ich kann nichts dafür : es geht mir nahe und ich kann es nicht loswerden ... Puxl - unser armes , lebensfrohes , gutes Pintschel - ach , hätte ich ihn doch zu Hause gelassen , bei seinem kleinen Herrn , Rudolf ! Er lief uns nach , wie gewöhnlich . Plötzlich stößt er ein jammervolles Geschrei aus ... ein Granatsplitter hat ihm die Vorderbeinchen abgerissen ... Er kann nicht nach - verlassen bleibt er zurück und » lebt noch « ; vierundzwanzig und achtundvierzig Stunden vergehen und er lebt noch . - Mein Herrl - mein gutes Herrl , ruft er mir klagend nach , laß den armen Puxl nicht da ! und sein kleines Herz bricht ... Was besonders an mir nagt , ist der Gedanke , daß das sterbende treue Geschöpf mich verkennen muß . Er hat es gesehen , daß ich mich umgewendet - daß ich seinen Hilferuf vernommen haben mußte , und doch so kalt und hart ihn liegen ließ . Er weiß es ja nicht , der arme Puxl , daß einem zur Attacke vorstürmenden Regiment , aus dessen Reihen die Kameraden fallen und am Wege bleiben , nicht eines gefallenen Hündchens wegen » Halt « kommandiert werden kann . Von einer höheren Pflicht , der ich gehorchte , hat er keinen Begriff , und das arme , so treue Hundeherz klagt mich der Unbarmherzigkeit an ... Daß man inmitten der » großen Ereignisse « und der Riesenunglücksfälle , welche die Gegenwart erfüllen , über solche Kleinigkeiten sich betrüben kann ! würden Viele - nicht Du , Martha - achselzuckend sagen . Nicht Du - ich weiß , Dir tritt jetzt auch eine Thräne ins Auge um unseren armen Puxl « - - - - - - - - - - - - - - - » Was geschieht da ? Das Exekutions-Peloton wird aufgestellt Ward ein Spion gefangen ? Einer ? ... Diesmal siebzehn . Dort kommen sie schon . In vier Reihen , je zu vier Mann , von einem Carré Soldaten umgeben , schreiten die Verurteilten , gesenkten Kopfes , daher . Dahinter ein Wagen , worin eine Leiche liegt und darauf sitzend , an die Leiche gebunden , der Sohn des Toten , ein zwölfjähriger Knabe - auch verurteilt ... Ich mag die Hinrichtung nicht sehen und entferne mich . Aber die Schüsse habe ich vernommen ... Hinter der Mauer steigt eine Rauchwolke auf - alle hin , auch der Knabe . « - - - - - - - - - - - - - - - - - - » Endlich ein bequemes Nachtquartier in einem kleinen Städtchen ! Das arme Nest ! ... Vorräte , die den Leuten auf Monate hinaus genügen würden , haben wir ihnen durch eine Requisition fortgenommen . Requisition ... es ist nur gut , wenn man für ein Ding einen hübschen , sanktionierten Namen hat . Ich war aber doch froh , das gute Nachtlager und das gute Nachtessen gefunden zu haben . Und - laß Dir erzählen : Schon wollte ich mich zu Bett legen , als mir meine Ordonnanz meldet : ein Mann von unserem Regiment sei da und verlange dringend , eingelassen zu werden , er bringe mir etwas . So soll er kommen . Der Mann trat ein . - Und als er wieder ging , da hatte ich ihn reich beschenkt und ihm beide Hände geschüttelt und ihm versprochen , für sein Weib und Kind zu sorgen , falls ihm etwas geschähe . Denn was er mir gebracht hat , der Brave - das hat mir eine große Freude gemacht und mich von einer Pein befreit , unter der ich seit sechsunddreißig Stunden litt - was er mir gebracht hat : das war mein Puxl . Verwundet zwar - ehrenvoll blessiert - aber noch lebend und so selig , wieder bei seinem Herrn zu sein , an dessen Benehmen er wohl erkannt haben mußte , daß er ihm mit dem Vorwurf der Lieblosigkeit unrecht gethan ... Ja , war das eine Wiedersehensscene ! Vor Allem ein Trunk Wasser . Wie das schmeckte ... das heißt , zehnmal unterbrach er das gierige Trinken , um mir seine Freude vorzubellen . Hierauf habe ich ihm seine Beinstummel verbunden , ihm ein schmackhaftes Souper von Fleisch und Käse vorgesetzt und ihn auf mein Lager gebettet . Wir haben Beide gut geschlafen . Des Morgens , als ich erwachte , leckte er mir nochmals dankend die Hand - dann streckte er seine Gliederchen , schnaufte tief auf und - hatte aufgehört zu sein . Armer Puxl - es ist besser so ! « - - - - - - - - - - - - - - - » Was habe ich heute Alles gesehen ? Wenn ich die Augen schließe , tritt mir das Geschaute mit furchtbarer Klarheit vor das Gedächtnis . Nichts als Schmerz und Schreckbilder ! wirst Du sagen . Warum bringen denn Andere vom Kriege so frische , fröhliche Eindrücke mit ? Je nun , diese Anderen verschließen sich gegen den Schmerz und den Schreck - verschweigen sie . Wenn sie schreiben , wenn sie erzählen , so geben sie sich überhaupt keine Mühe , die Erlebnisse nach der Natur zu schildern , sondern sie befleißigen sich , einst gelesene Schilderungen schablonenhaft nachzubilden und diejenigen Empfindungen hervorzukehren , welche als heldenhaft gelten . Wenn sie mitunter auch von Vernichtungsscenen berichten , welche den ärgsten Schmerz und den ärgsten Schreck in sich bergen , in ihrem Tone darf von Beiden nichts enthalten sein . Im Gegenteil : je schauerlicher , desto gleichgültiger - je abscheulicher , desto unbefangener . Mißbilligung , Entrüstung , Empörung ? Davon schon gar nichts - da noch eher ein leiser Anhauch sentimentalen Mitleids , ein paar gerührte Seufzer . - Aber schnell wieder den Kopf in die Höhe , das Herz zu Gott und die Faust auf den Feind . Hurrah und Trara ! « »