erste Sich-Gegenüberstehen - die ersten Worte - - Adam wurde ungeduldig . Er wußte ganz genau , was in Hedwig vorging . Aber Alles drängte in ihm danach , endlich einmal frei aufzuathmen . Immer und ewig Schleim und Leim und Angst , Kopfhängerei , Unsicherheit - zum Kuckuck - er hatte genug ! So wurde er mitleidslos , fast brutal . » Also adieu , mein Lieb ! Und nun sei recht sanft zu Papa ! Ich komme , wie gesagt , heute Abend ... spätestens morgen früh . Wir wollen uns jetzt recht oft sehen - nicht wahr - ? « » Ja ! . « Hedwig seufzte tief auf . Die beiden trennten sich endlich . - Als Adam die Straße hinunterschritt , warf er , unbekümmert um die verwunderten Gesichter der vorüberwandelnden Mittagsmenschen , seine Arme von sich und prüfte seine Muskeln . Er reckte und dehnte sich nach allen Seiten , knirschte sich gleichsam mit starkem körperlichem Wohlbehagen um seine eigene Axe herum . Hei ! das war eine Lust ! Und dieses Freiherausschnaufendürfen aus voller , tiefer Brust ! Hei ! das that wohl ! Noch einmal so nachdrücklich setzte Adam seine Füße auf das Pflaster . Unwillkürlich horchte er an sich hernieder . Nein ! Nein ! Es klirrten da unten noch keine Ketten um seine Knöchel . Noch war er frei . Und er wollte frei bleiben . - Er stand über Allen , die da an ihm vorübergingen . Er war nicht verpflichtet , ein Opfer ihrer lächerlichen Subalternmoral zu werden ... Nein ! Bei Gott nicht ! Er stand über Allen . Und darum , glaubte er , hätte er ein Recht zu seiner Freiheit . - XVI. Den Nachmittag über hielt sich Adam zu Hause . Es war ihm zu Sinn , als müßte er einmal wieder recht tüchtig bei sich einkehren , auf sich zurückgehen , in sich hineingehen , Vieles lichten und sichten , was in der Hochfluth der letzten Tage sich verdunkelt , verschoben und verwirrt hatte . Er klopfte nach Diesem und Jenem bei sich an . Schmerzlich ergriff es ihn und erfüllte ihn zugleich mit einem stillen Zorn , der sich gleichsam lautlos nach innen verblutete , als er so oft keine Antwort erhielt . Da war er wieder , der ästhetisch-metaphysische Schmerz seines Lebens . Und doch geschah ihm eigentlich nur , was er verdiente . Alle einfachen , großen , stillen Trost- und Beruhigungsnadeln waren ihm abhanden gekommen . Es war ihm unverständlich , wie es noch Kräfte geben sollte , welche über die Alltagsmisère mit ihren kleinen , aber raffinirten Stacheln hinwegtrösten konnten . Und er war ihr mit Haut und Haaren , mit Leib und Seele verfallen , dieser dummen , tristen Alltagsmisère . Kleinlich und eng war sein Denken und Thun geworden , von der Stunde bestimmt , für die Stunde gemünzt . Er beschäftigte sich allerdings zuweilen mit Motiven , die ihrem inneren Werthe und Wesen nach hinausgingen über die einfältigen Grenzen des Augenblicks . Aber er that das eigentlich nur noch ganz mechanisch und ohne sich der weiteren Geisteszonen bewußt zu werden , in welchen er dann ja athmete . Er zog eben die Karre fort , die ihm einmal die Kombination der Verhältnisse und die Tendenzen seiner Natur anvertraut oder aufgehalst hatten . Es war so viel rauchig graue Abenddämmerung , so viel wasserfarbene Verstummheit in ihm . Sein Erlebniß mit Hedwig Irmer dünkte ihn ein abgeschmackter , insipider Traum . Es zerrann ihm Alles so unter den Fingern . Das konnte ja nicht sein , das war ja pure Einbildung . Und doch war er sich zugleich klar darüber , daß die Komödie noch nicht ihr Ende erreicht hatte . Und er erwartete dieses Ende mit einem gewissen kaltblütigen Trotz , während er jetzt mit einem merkwürdigen Epikureismus in der Zwischenaktspause schwelgte . Das war auch so ein Zug seiner Natur , der sich mit der Zeit herausgebildet . Unangenehme Lebenspillen verschluckte Adam gern in Unterbrechungen . Schon die Thatsache einer solchen Unterbrechung , schon die Möglichkeit , sie zu constatiren , hatte für ihn einen gewissen Reiz . Er kramte Dies und Das aus sich heraus . Aber das lag Alles so todt vor ihm . Da gab es nur noch mit dickem , gelbem Rost bedeckte , unfahrbar gewordene Geleise zwischen den einzelnen Resultaten des inneren Lebens . In seiner Beziehung zur Außenwelt kam sich Adam ganz sonderbar verrenkt und verbogen vor . Unmögliche Formenspiele , auffallende Farbenmischungen , bizarre Phantasie ' n glühten langsam in seinem Gehirne auf . Dabei fühlte er zugleich eine träge , zähe innere Leere und eine tiefverstimmende Unfruchtbarkeit Eine leise , prickelnde Unruhe zittere durch seine Brust , eine nervöse Ungeduld , eine Unzufriedenheit , die zugleich aufgehoben und vermehrt , genährt , gepflegt sein wollte . An Hedwig dachte Adam mit immer wachsendem Widerwillen . Er stellte sich die Enge eines kleinen Haushalts vor . Er schauderte zurück . Schließlich , wenn es nicht anders ging , wollte er doch lieber an ihrer Vergangenheit Anstoß nehmen . Es blieb ihm wohl kein anderes Mittel übrig , sich dieser verhaßten Kette zu entledigen . Schmachvoll war ' s , aber er mußte sich eben der Waffen bedienen , die er in Händen hatte . Seine Beziehung zu Lydia war ihm eine exakte Thatsache , die er nüchtern und kalt , höchstens mit einem kleinen Aufwand von Selbstironie , kritisirte . Ganz gewiß ! Er würde es unter Umständen fertig kriegen , Lydia frischweg zu heirathen . Das würde überhaupt wohl das Ende ... und das gewiß sehr vernünftige und wünschenswerthe Ende von dem ganzen Liede sein . Dabei brauchte er ja Emmy nicht zu verlieren . Hm ! Auf längere , intimere Gedanken an Emmy ertappte sich Adam öfter . Da mußte doch eine tiefe , nachhaltige Sympathie vorhanden sein , eine geheimnißvolle Strömung elektrischen Seelenfluidums . Ihre Anhänglichkeit rührte ihn und schmeichelte ihm . Er hätte