nur ein » ganz Kleins « , und die Sepherl sollte ihm das Werkzeug samt dem » Holzblöckl « , es war ein bestimmtes , an das er dabei dachte , herbeischaffen ; selbstverständlich griff sie vorerst öfter nach dem unrechten und schleppte es herzu , ehe ihr das rechte in die Hände fiel , und so jagte er sie denn wohl ein dutzendmal Stube aus und Stube ein , und sie schoß mit hochgerötetem Gesicht durch das Haus . » Jesses , rein verzagt könnt eins werdn ! Kleebinderin , weißt du ' s nit , wo mag das krumm Messer liegn , was er will ? Und hast kein Ahndung , wo ' s verflixt Blöcki wohl auch stecken könnt ? « Helene lächelte . » Du schaltst ja wie ' s Weib da im Haus . No , Tschapperl , werd nit verlegen « - sie tätschelte ihr die Wange - » und werd auch nit bös , ich mein dir ' s ja auch nit so und sag ' s nur im Spaß . Komm , suchn wir allzwei , werdn wir ' s wohl finden . « Mit zwei Griffen fand sie das Gewünschte heraus und händigte es der Sepherl ein , und nachdem diese hinter der Türe der Krankenstube verschwunden war , sagte die alte Zinshofer , die bisher kopfschüttelnd dem Treiben zugesehen hatte : » Daraus machst du ein Gspaß ? Du wirst ja da bald der Niemand im Haus sein . « » Unsinn ! « zürnte Helene . » Wann d ' meinst , so dummerweis ließ ich mich aufhetzen , gegn ein Kranks noch dazu , da gehst fehl . In dem Ganzen steckt doch kein Ernst drein , und ' s kann auch zu keinm mehr führn ; das is wie ' s Mon- und Weibspieln unter Kindern , und frei hraus , dö bedauern mich allzwei , was soll ich ihnen das bissel Freud noch verderbn ? « Gar langsam ging diesmal dem Holzschnitzer die Arbeit vonstatten , während der Plauderstunden mit Sepherl ruhte sie ganz und lag sorgfältig versteckt unter der Bettdecke . Von der Kinderzeit und besonders von jener , wo sie sich vor und nach der Schule miteinander herumgetrieben , sprachen die beiden am häufigsten und eingehendsten , und wie das gekommen , daß sie sich nachher fast ganz aus den Augen verloren . Ei wohl , auch Dorfkinder , wovon jedes an einem anderen Ende wohnt , kommen sich leicht aus dem Gesicht ; nur Nachbarskinder hätten ' s gut , die sähen sich alle Tage und könnten immer beisammenstecken . Vorzeit wünschte die Sepherl gar oft und vielmal , daß sie Haus an Haus wohnen möchten , entweder Muckerl mit seiner Mutter auch im obern Ort oder sie mit der ihren im untern . Wer weiß ... aber es hat nicht sein sollen . Eines Abends nahm Sepherl ihren gewohnten Sitz am Krankenlager ein . Sie hatte keine Zeit zu fragen , warum hart am Bettrande die Decke so merkwürdig aufgebauscht sei , Muckerl schlug die Umhüllung zurück und zeigte das Schnitzwerk , mit dem er endlich zustande gekommen . Es war eine spannehohe , schmerzhafte Muttergottes mit dem Leichnam Jesu quer über dem Schoße ; wohl ein » recht zusammengerackert Frauenbild « und eine » zaunmarterdürre « Mannesgestalt , der Holzschnitzer hatte seine eigenen abgezehrten Glieder zum Modell genommen . Sepherl betrachtete es lange nachdenklich , dann sagte sie : » Das is a rechts , heiligs Bild . « Muckerl reichte es ihr mit vor Kraftlosigkeit zitternden Händen hin . » Da nimm , es is für dich . Es is mein Brautgschenk . « » Vergelt dir ' s Gott , Muckerl , aber als ein solchs dürft ich ' s wohl nit annehmen , weil ich keins bedarf , ich heirat mein Lebtag nie . « » So mein ich ja , ich schenk dir ' s als Bräutigam . « » Geh , du hast ' s not , daß d ' noch Eulenspiegelein treibst ! Doch is mer recht lieb , daß d ' so gut aufglegt bist . « » Gar nit , Sepherl , gar nit , mir is heut schlecht wie niemal ; aber mir geht durch ' n Sinn , wann du dich rechtschaffen und ehrbar durch döselbe Welt brächtst , wer weiß , ob mer sich nit anderswo wieder zsammfinden könnten ? « Ein langes Schweigen lag dann über der Stube , bis der Holzschnitzer der Dirne seine Hand reichte und sagte : » Geh lieber heim , Sepherl , heut bin ich für nix . « Das Mädchen erhob sich zögernd ; vor Bangheit und Verwirrung keines Wortes mächtig , verabschiedete es sich mit wiederholten Händedrücken . » He , du Sepherl « , rief Helene , als die Dirne mit traurigem Kopfnicken an ihr vorüber wollte , » was tragst mir da ausm Haus ? « Sie wies nach der bauschigen Schürze . Sepherl stand erschreckt , sie schlug das Vortuch zurück und zeigte das Bildnis . » Er hat mir ' s gschenkt « , flüsterte sie . Die Kleebinderin besah es eine Weile . » Das schaut so unschön her . « » ' s soll auch nit anders , besser , er wär gleich vom Anfang dadrauf verfalln , eh ' s Schön ihm selber kein gut getan hat . « Des Herrgottlmachers Weib sah der Dirne scharf in die Augen , dann wandte es den Blick . » Kannst vielleicht recht habn . « » Bhüt euch Gott ! « » Gute Nacht ! « Als Sepherl an der Brücke vorüberschritt , glaubte sie , fern , hinter sich , in einem lauten Schrei ihren Namen rufen zu hören . Sie blieb stehen , lauschte , es ließ sich nichts vernehmen ; so setzte sie denn ihren Weg fort . Sie war bange , und da macht man sich eben leicht Einbildungen . Sie hatte es