, mit der ich sprach , nichts davon verstanden hatten , außer dem Oheim , welcher vergnüglich lachte . Man ahnte freilich nicht , daß ich die Rede im stillen förmlich ausgedacht und daß ich keineswegs mit dieser Geläufigkeit fortzufahren imstande wäre . Anna war die einzige Person , welche alles verstanden , und sie sagte kein Wort hierauf und schien innerlich beleidigt zu sein ; denn sie ward rot und sah verlegen vor sich nieder . Sie verstand nämlich keinen Spaß in bezug auf die waadtländischen Geistlichen , weil sie nebst dem Französischen einen Anflug orthodox kirchlichen Wesens davongetragen hatte . Da ich bemerkte , daß die verkehrte Art , meine innere Mutlosigkeit zu äußern , fast einen üblen Eindruck gemacht , so flüchtete ich mich , sobald möglich , vom Tische hinweg . Es läutete nun das letzte Zeichen zur Kirche , und die ganze Familie rüstete sich zum Kirchgange . Anna zog helle glänzende Lederhandschuhe an , und die drei Mädchen des Hauses , welche bisher , obgleich städtisch gekleidet , wie die Landmädchen ohne Handschuhe zur Kirche gegangen , brachten nun ebenfalls deren gestrickte aus Seide oder Baumwolle zum Vorschein und putzten sich damit aus . Anna zeigte , als man zum Gehen bereit war , ein gesammeltes und andächtiges Wesen , sprach nicht mehr viel und sah vor sich nieder ; und die übrigen Bäschen , welche von jeher lachend und fröhlich zur Kirche gegangen , gaben sich nun auch ein feierliches Ansehen , daß ich ganz aus der Verfassung kam und nicht wußte , wie ich mich gebärden sollte . Ich stand aus Verlegenheit am Ofen , obschon die junge Sommersonne auf dem Garten sich lagerte ; man fragte mich , ob ich denn nicht mitginge ? worauf ich , um endlich mir wieder etwas Geltung zu verschaffen , mit Wichtigkeit sprach : nein , ich hätte nicht Zeit , ich müßte schreiben ! Heute ging das ganze Haus zur Kirche , wohl Anna zu Ehren , und nur ich allein blieb zurück . Durch das Fenster sah ich dem Zuge nach , welcher sich durch die Wiesen unter den Bäumen hinbewegte und dann auf der Höhe des Kirchhofes zum Vorschein kam , um endlich in der Kirchentür zu verschwinden . Diese wurde bald darauf geschlossen , das Geläute schwieg , der Gesang begann und hallte deutlich und schön herüber . Auch dieser schwieg , und nun verbreitete sich ein Meer von Stille über das Dorf , nur hie und da , wie von Möwenschrei , durch einen kräftigern Ruf des Predigers unterbrochen . Das Laub und die Millionen Gräser waren mäuschenstill , trieben aber nichtsdestominder mit Hin- und Herwackeln allerlei lautlosen Unfug , wie mutwillige Kinder während einer feierlichen Verhandlung . Die abgebrochenen Töne der Predigt , welche durch einen offenen Fensterflügel sich in die Gegend verloren , klangen seltsam und manchmal wie hollaho ! manchmal wie juchhe ! oder hopsa ! bald in hohen Fisteltönen , bald tief grollend , jetzt wie ein nächtlicher Feuerruf und dann wieder wie das Gelächter einer Lachtaube . Während der Pfarrer predigte und ich Anna in Gedanken aufmerksam und still dasitzen sah , nahm ich Papier und Feder und schrieb meine Gefühle für sie in feurigen Worten nieder . Ich erinnerte sie an die zärtliche Begebenheit auf dem Grabe der Großmutter , nannte sie mit ihrem Namen und brachte so häufig als möglich das Du an , welches ehedem zwischen uns gebräuchlich gewesen . Ich ward ganz beglückt über diesem Schreiben , hielt manchmal inne und fuhr dann in um so schöneren Worten wieder fort . Das Beste , was in meiner zufälligen und zerstreuten Bildung angesammelt lag , befreite sich hier und vermischte sich mit der Empfindung meiner augenblicklichen Lage . Überdies wob sich eine schwermütige Stimmung durch das Ganze , und als das Blatt vollgeschrieben war , durchlas ich es mehrere Male , als ob ich damit jedes Wort der Anna ins Herz rufen könnte . Dann reizte es mich , das Blatt offen auf dem Tische liegenzulassen und in den Garten zu gehen , damit es der Himmel oder sonst wer durch das offene Fenster lesen könne ; aber nur die völlige Sicherheit , daß jetzt doch keine menschliche Seele in der Nähe sei , gab mir diese Verwegenheit , mit welcher ich zwischen den Beeten auf und nieder spazierte , nach dem Fenster hinaufschauend , hinter welchem meine schöne Liebeserklärung lag . Ich glaubte etwas Rechtes getan zu haben und fühlte mich zufrieden und befreit , verfügte mich aber bald wieder in die Stabe , da ich dem Frieden doch nicht recht traute , und kam gerade dort an , als das Blatt , durch den Luftzug getragen , zum Fenster hinaussäuselte . Es setzte sich auf einem Apfelbaume nieder ; ich lief wieder in den Garten ; dort sah ich es sich erheben und mit einem gewaltigen Schusse auf das Bienenhaus zufliegen , wo es hinter einem vollen summenden Bienenkorbe sich festklemmte und verschwand . Ich näherte mich dem Korbe ; allein die Bienen waren , in Betracht der kurzen Sommerzeit , polizeilich von der Sonntagsfeier dispensiert und ihre Arbeit als Notwerk erklärt ; es summte und kreuzte sich vor dem Hause , daß an kein Durchkommen zu denken war . Unschlüssig und ängstlich blieb ich stehen ; doch ein empfindlicher Stich auf die Wange bedeutete mir , daß meine Liebeserklärung für einmal der bewaffneten Obhut dieses Bienenstaates anheimgegeben sei . Für einige Monate lag sie allerdings sicher hinter dem Korbe ; wenn aber der Honig ausgenommen wurde , so kam sicher auch mein Blatt zutage , und was dann ? Indessen betrachtete ich diesen Vorfall als eine höhere Fügung und war halb und halb froh , meine Erklärung aus dem Bereiche meines Willens einer allfälligen Entdeckung ausgesetzt zu wissen . Meine gestochene Wange reibend , verließ ich endlich die Bienen , nicht ohne genau nachzusehen , ob nirgends ein Zipfelchen des weißen Blattes hervorgucke . Der Gesang in der Kirche