liegen auf dem Krankenbette . Der Pfarrer ist Tag und Nacht nicht daheim , sitzt in den entlegensten Hütten bei den Kranken , sorgt für Seelentrost und auch für leiblich Wohl , hat ihm gleichwohl der Freiherr geraten , sich nicht mit weltlichen Dingen zu befassen . Letztlich , da er doch einmal daheim in seinem warmen Bett schläft , klopft es jählings ans Fenster . » ' s ist eine rechte Grobheit , Herr Pfarrer ! « ruft es draußen in der pechfinsteren Nacht . » Ein Versehgang ist in die Lautergräben hinüber . Wir wissen uns nicht zu helfen . Steht uns bei ; mein Bruder will versterben ! « » Wer ist denn draußen ? « fragt der Pfarrer . » Die Anna Maria Holzer bin ich . Der Bartelmei will uns verlassen . « » Ich komme , « sagt der Pfarrer , » wecket nur auch den Schulmeister , daß er die Laterne und das Heiligste bereite . Das Läuten soll er lassen , es schläft ja alles . « Das Weib hat mich aber doch gebeten , daß ich die Zügenglocke läute , auf daß auch andere Leute für den Sterbenden beten möchten . Und als der Pfarrer danach zwischen den Häusern hingeht und das Weib mit der Laterne und dem Glöcklein vorauswandelt , da knien an den Haustüren schlaftrunkene Menschen und beten . Es ist eine stürmische Winternacht ; der Wind saust über die Lehnen und pfeift durch das kahle , gefrorne Geäste der Bäume . Schneestaub wirbelt heran und verlegt den Weg und stiebt in alle Falten der Kleider . Das Weib eilt mit Hast voran und die roten Scheintafeln der Laternen zucken auf dem Schneegrunde hin und her und das Glöcklein schrillt unablässig , aber die Töne verklingen im Sturmwind und die Menschen des Dörfleins sind wieder zur Ruhe gegangen , und auch ich bin , nachdem ich den Zweien eine Weile nachgeblickt , in meine Stube zurückgekehrt . Ich will es aber niederschreiben , was dem Pfarrer in derselbigen Nacht begegnet ist . Es ist durch kein Beichtsiegel verschlossen . Als unser Vater Paul an dem Bette des Kranken steht , sagt dieser : » Gedenkt es der Herr Pfarrer noch , wie er in die Karwässer gekommen ist ? Gedenkt er ' s ? ' s ist lang vorbei ; wir beid ' haben seither wohl was erfahren , sind eisgrau geworden , bei meiner Treu ! « Der Pfarrer ermahnt den alten Kohlenbrenner , sich durch angestrengtes Reden aufzuregen . » Und kann er sich erinnern , was ich damalen hab ' gesagt : ich hätt ' auch mein Anliegen und kunnt ' leicht einmal von einem geistlichen Herrn eine große Gefälligkeit brauchen . Dieselb ' Zeit ist jetzt da . Ich lieg ' auf dem Todbett . Den Ehrenwald-Franz hab ' ich schon angeredet , daß er mir die Truhen zimmert . Und mit meinem Leib tät ' s nachher in Richtigkeit sein ; - aber mit meiner Seel ' ! Pfarrer , verzeih ' mir ' s Gott , die ist dir schwarz wie der Teufel . « Der Pfarrer sucht zu sänftigen und zu trösten . » Warum denn ? « frägt der Bartelmei , » bin ja gar nicht verzagt . Weiß gleichwohl , daß alles recht muß werden . - Was macht denn der Herr Pfarrer für Geschichten mit seiner weißen Pfaid ? Nein , das brauch ' ich nicht ; wir tun die Sach ' kurzweg ab . Wenn einer so auf dem letzten Stroh liegt , ist man zu nichts mehr aufgelegt . Tu ' sich der Herr nur setzen . - Das sag ' ich aber gleich , mit dem Glauben steht ' s bei mir schlecht ; glauben tu ' ich , wenn ich ' s recht will sagen , an gar nichts mehr . Der Herrgott ist selber schuld , daß ich so bin herabgekommen . Er hat auf mich schön sauber vergessen . Er hat mir ' s versagt , und er hätt ' s in seiner Allmächtigkeit wahrhaftig bei meiner Seel ' leicht tun mögen ! - Ich mag davon ja wohl reden . Selbunter , wie die Sepp-Marian ist gestorben , die ein wenig mein ist gewesen , hab ' ich an ihrem Todbett gesagt , Marian , hab ' ich gesagt , wenn du jetzund mußt verlöschen , du junges Blut , und ich allein sollt verbleiben meiner Tage lang , so ist das die größte Grausamkeit von Gott im Himmel oben . Aber wissen möcht ' ich ' s , Marian , und vor meinem Tode möcht ' ich ' s wissen , was es mit der Ewigkeit ist , von der sie sagen allerweg , daß sie kein End ' hätt ' , und daß die Menschenseel ' in ihr tät ' fortleben . Es ist nichts Rechtes zu erfahren , und da sollt ' einer fremder Leut ' Reden glauben und etwan wissen die auch nichts . Und jetzt , Marian , hab ' ich gesagt , wenn du doch wohl fort mußt , und du bist in der Ewigkeit weiter , gleichwohl wir dich begraben haben , so tu ' mir die Freundschaft und komm ' , wenn du kannst , mir noch einmal zurück , und wenn ' s auch nur ein Viertelstündlein ist , und richt ' mir ' s aus , damit ich weiß , wie ich dran bin . - Die Marian hat ' s versprochen , und wenn sie kann , so wird sie ' s halten , davon bin ich überzeugt gewesen . - Darauf , wie sie verstorben , hab ' ich viele Nächte nicht schlafen mögen , hab ' immer gemeint , jetzt und jetzt wird die Tür aufgehen , wird die Marian hereinsteigen und sagen : Ja , Bartelmei , magst es wohl glauben , ' s ist richtig , ' s ist eine Ewigkeit drüben und du hast eine unsterbliche