gewiß hier unten bei seiner Seba sein werde . Sie lächelte dabei sehr freundlich , und auch Seba lachte , denn der Knabe hatte wirklich wieder bei ihr unter den Wallnußbäumen im Garten gespielt , unter deren jungem Laube es am Mittage sehr schattig war . Die Kriegsräthin ging über den Hof in den Garten hinaus , den Knaben zu holen , Seba begleitete sie und der Graf folgte ihnen nach . Madame Flies saß draußen und pflückte Rosenblätter und Lavendelblüthen zum Aufbewahren in einen Topf . Paul half ihr dabei , und obschon die Kriegsräthin ihm sagte , daß er hinaufkommen solle und daß sie gehen müsse , weil es bald Mittag sei , ließ sie sich doch auf der Bank unter den Bäumen nieder und schickte Paul ins Gartenhaus , für den Herrn Grafen einen Stuhl zu holen . Der Graf fand den Garten äußerst angenehm . Er rühmte den Rasen und den Schatten und die Blumen , er sagte , daß es in seines Vaters Park nicht frischer sei , und er fragte die Kriegsräthin , weßhalb sie ihre Gäste bei diesem schönen Wetter nicht lieber in dem Gartenhause als oben in ihren Zimmern bewirthe ? Wir haben die Benutzung des Gartens nicht , Herr Graf , bedeutete die Kriegsräthin . Er steht ja immer zu Ihrer Verfügung , verehrte Frau Kriegsräthin ! versicherte dienstbeflissen und zuvorkommend die Hausfrau . Die Eine dankte , die Andere meinte , es bedürfe des Dankes nicht , und dabei überhörten sie beide , was der Graf zu Seba sagte . Es mußte aber etwas Angenehmes und nichts Gewöhnliches sein , denn Seba ward roth , obschon sie lächelte , und blickte den Grafen an , nachdem sie sich hatte abwenden wollen . Es lohnte auch der Mühe ihn anzusehen , denn er war schön , der schlanke junge Mann mit seiner zuversichtlichen Miene und den stolz geschwellten Lippen . Die Kriegsräthin und der Graf blieben nicht lange im Garten , und doch war es Seba , da Jene sich entfernten , als hätte sie viel erlebt , als sei etwas ganz Besonderes geschehen . Sie überlegte , was der Graf zu ihr gesprochen , was sie ihm geantwortet habe . Sie hätte wissen mögen , wie sie ihm erschienen sei und ob ihre Redeweise , ihr Betragen , ihre Haltung die richtigen gewesen wären . Sie war so unsicher über sich selbst , sie genügte sich plötzlich nicht . Das war ihr sonst niemals geschehen . Am Nachmittage kam Paul herunter . Seba , sagte er , sieh ' mich doch einmal an ! Wozu das ? fragte sie . Ich will nur sehen , ob Du schön bist ! Wie kommst Du darauf ? entgegnete sie . Der Graf hat es gesagt ! versetzte Paul , weit entfernt , zu ahnen , was er seiner Freundin damit that . Sie hätte sich den Anschein geben mögen , als achte sie nicht auf des Knaben Worte , aber sie konnte das Wohlgefühl , das sie durchströmte , nicht verbergen . Sie umfaßte Paul , sie drückte ihn an ihr Herz , sie küßte ihn wieder und wieder . So lieb wie heute hatte sie ihn nie gehabt . Sie sang und lachte , wo sie ging und stand . Nie zuvor war sie an einem Tage so oftmals an den Spiegel getreten , nie zuvor hatte ihre Schönheit sie so erfreut . Noch spät am Abend , ehe sie sich zur Ruhe legte , schlang sie bald dieses , bald jenes Band durch ihre Locken , hing sie bald dieses , bald jenes Geschmeide um Hals und Arme . Sie wollte erproben , was ihr am besten stände , um es morgen anzulegen , und sie dachte mit einer Wonne an den nächsten Morgen , an den nächsten Tag , daß sie den Schlaf darüber lange gar nicht finden konnte . Morgen , sagte sie sich , als die Nebelgebilde des Traumes ihren Sinn zu umfangen begannen , morgen ! Was wird morgen sein ? - Und der Traum bemächtigte sich der heimlichen Gedanken und Hoffnungen , die sich in ihr regten , und spann sie aus und stellte sie ihr dar , und machte ihr deutlich , was sie fühlte ; denn der Traum ist der verführerische Gefährte der aufdämmernden Liebe , der schneller und kühner als sie , ihr stets voraus ist und sie verlockt , ihm in Gebiete zu folgen , in die ihr Ahnen und Wünschen sich noch nicht gewagt hat , und von denen sie nicht mehr zurückkehrt , wenn sie sich erst darin verloren hat . Und Seba hatte sich am folgenden Tage nicht vergebens geschmückt , und die Mutter hatte nicht vergebens der Kriegsräthin den Garten zur Verfügung gestellt , denn sie begann ihn fleißig mit ihren Gästen zu benutzen . Morgens spazierte sie mit dem Hauptmanne in den Alleen umher , Mittags suchte man unter seinen Bäumen den Schatten auf , Abends kam man noch hinunter , die Kühlung zu genießen , und der Graf war immer dabei . Das ging Tag für Tag so fort . Die Kriegsräthin und Madame Flies wurden immer bessere Freundinnen , da sie sich näher kennen lernten , und Jene betheuerte , daß sie es sich gar nicht vergeben könne , so manche Jahre mit Madame Flies und mit der guten Seba unter einem Dache gelebt zu haben , ohne zu begreifen , welche Hausgenossen sie an ihnen besitze . Sie mochte sich von Seba kaum noch trennen . Sie versicherte , daß sie dieselbe wie eine jüngere Schwester , wie eine Tochter liebe ; sie erzählte im Vertrauen , wie der Hauptmann und vor Allen der Graf die schöne Seba bewunderten , und es war im Grunde gar nicht nöthig , daß sie ihr das sagte , denn der Graf hatte es Seba oft genug ausgesprochen und wiederholt , und Seba dachte schon lange an nichts mehr , als an ihn . Dem Vater kam