daß sie ihr Gemahl daran erinnern mußte , die Gesellschaft sei im Begriff aufzubrechen . Der Fürst hatte sich erhoben ; die Andern waren seinem Beispiel gefolgt . Madame , sagte der Prinz , j ' ai l ' honneur - das Wort erstarb ihm auf den Lippen , denn ihm gegenüber in einem hohen Wandspiegel erschien plötzlich die Gestalt eines wunderschönen Mädchens , das eben , ohne vom Bedienten angemeldet zu werden , in den Salon getreten war . Er wandte sich fast erschrocken und nun trat mit einer tiefen Verbeugung bei Seite , der jungen Dame Platz zu geben , damit sie zur Baronin gelangen könnte . Die Allen , mit Ausnahme des Barons und der Baronin unerwartete Erscheinung Helenens überraschte und interessirte Jeden in seiner Weise . Nur der Fürst , der sie heut zum ersten Male sah , wußte nichts von dem Zwist , in der Familie ; für die Andern war die Grenwitzer Katastrophe schon seit Wochen ein mit Eifer , Gründlichkeit und Scharfsinn nach allen Seiten hin ventilirtes Thema der Unterhaltung gewesen ; und in Folge dessen diese erste Begegnung der Tochter und der Eltern das fesselndste Schauspiel . Indessen , wenn man etwas Außerordentliches erwartet hatte , so sah man sich getäuscht . Der Baron , der Helene entgegen gegangen war und sie auf die Stirn geküßt hatte , verrieth allerdings einige Erregung ; aber Mutter und Tochter begrüßten sich mit einer höflichen Kälte , die der Neugier und Skandalsucht der versammelten Geberdenspäher und Geschichtenträger sehr wenig Stoff bot . Ah , guten Tag , liebes Kind , sagte die Baronin auf französisch , Helenen ebenfalls , aber sehr flüchtig auf die Stirn küssend , Du kommst ja zu recht gelegener Zeit . Erlauben Sie , mein Fürst , daß ich Ihnen meine Tochter Helene präsentire . - Seine Durchlaucht , der Fürst von Waldernberg , liebe Tochter . Helene erwiderte ruhig die tiefe Verbeugung des Fürsten , und wandte sich dann zu Emilie von Cloten , von der sie mit großer Herzlichkeit bewillkommnet wurde . Emiliens schnellem Blick war der Eindruck nicht entgangen , welche die hinreißende Schönheit Helenens auf den Fürsten gemacht hatte . Mochte doch der Fürst bewundern , wen er wollte , wenn nur Hortense um ihren Triumph kam . O , wie reizend , rief sie , Helene umarmend , daß Du Dich einmal sehen läßt . Ich wollte schon alle Tage zu Dir kommen ; wir haben uns ja eine Welt zu erzählen ! Und sie faßte die Freundin bei beiden Händen und zog sie ein paar Schritte fort , um mit leiserer Stimme zu sagen : Du , der Fürst ist weg , totalement weg ! er verwendet keins seiner schwarzen Augen von Dir . Wenn Du ihn haben willst , ich will ihn Dir lassen . Er tanzt sehr schön , aber er ist nicht mein Genre . Muntre ihn ein wenig auf ; die Barnewitz ärgert sich so darüber ! Denke Dir , die alte Kokette will noch immer die erste Rolle spielen , trotzdem sie sich jetzt selbst die Adern blau schminkt und gestern bei Griebens zweimal sitzen geblieben ist . Wie geht es Dir bei der Bärin ? und à propos : hast Du nichts von Oswald Stein gehört ? Gott , ich werde den Abend bei Euch nicht vergessen ! Wir kamen mit unserer Warnung zu spät , aber er hat sich gut herausgerissen . Selbst Arthur sagt , er habe sich ganz wie ein Cavalier gehalten . Dreh ' Dich nicht um , der Fürst kommt hierher . Er wird Dich auf morgen zum ersten Walzer engagiren wollen . Er tanzt trotz seiner Hünengestalt wundervoll . Die schlaue Emilie hatte ganz recht gehabt . Der Fürst hatte in der That , während er sich noch immer mit der Baronin unterhielt , fortwährend nach Helene hinübergeblickt und so zerstreut geantwortet , wie Jemand , dessen Gedanken ganz wo anders sind , zu antworten pflegt . Plötzlich unterbrach er eine glänzende Phrase Anna-Maria ' s mit der Frage , ob morgen getanzt würde ? und ob er in diesem Falle die Erlaubniß habe , Fräulein von Grenwitz um einen Tanz zu bitten ? Als beide Fragen mit einem huldvollen oui , monseigneur ! beantwortet wurden , trat er mit einer Verbeugung zu den jungen Damen heran . Ich bitte um Verzeihung , sagte er auf Deutsch , wenn ich die Damen in Ihrer Unterhaltung störe . Aber ich kann nicht fortgehen , ohne wenigstens den Versuch gemacht zu haben , mich für morgen eines Tanzes zu versichern . Darf ich hoffen , gnädige Frau ? werde ich die Ehre haben , mein gnädiges Fräulein ? Emilie und Helene verneigten sich , und der Fürst verabschiedete sich darauf mit einer Eile , die deutlich bewies , daß ihn nur die Erledigung dieses wichtigen Punktes noch gehalten hatte . Der Ausbruch Seiner Durchlaucht war für die übrige Gesellschaft , welche nur darauf gewartet hatte , das Signal , sich ebenfalls zu verabschieden , zu großer Zufriedenheit der Kutscher und Bedienten unten auf der Straße , die , ebenso wie ihre Pferde , anfingen , nachgerade ungeduldig zu werden . Die Equipagen waren davongerollt . Das Empfangszimmer im Hotel war wieder leer bis auf den Baron und die Baronin ; Helenen hatten Clotens in ihrem Wagen mitgenommen . Der unterbrochene Dialog konnte wieder aufgenommen werden . Aber es geschah nicht . Der alte Mann fühlte sich zu angegriffen , und bei Anna-Maria war die Frage : ob Helene in der Pension bleiben solle , oder nicht ? in ein ganz neues Stadium getreten , seitdem - und das war seit zehn Minuten ungefähr - ihrem ehrgeizigen Kopfe der Gedanke gekommen war , ob es nicht doch , Alles in Allem , besser sei , sich wieder mit ihrer Tochter zu versöhnen , die mindestens ebensoviel und vielleicht mehr Aussicht habe , als eine andere junge Dame , Fürstin von Waldernberg-Malikowsky , Gräfin von Letbus zu