geht um unser aller Leben ! Halten Sie sie doch , Stibbe ! Mäuseler , packen Sie zu ! - Wir griffen unwillkürlich alle zu , und Fräulein Pogge fiel fürs erste in Ohnmacht . Silentium ! wiederholte Julius Schminkert und hielt darauf ungefähr folgende Rede : Verehrungswürdige Anwesende beiderlei Geschlechts , süßeste Geliebte meiner Seele ; Sie , Stibbe , teurer Mann , den ich bald Schwiegerpapa zu nennen hoffe ; Sie , Mäuseler , edler Besitzer dieses Grund und Bodens ; Sie , Herr Polizei - - erlauben Sie mir , daß ich bereits zu Anfang dessen , was ich zu sagen habe , einige Tränen der Rührung vergieße . O Angelika , möge diese feierliche Stunde unser Geschick entscheiden - Fiebiger , lassen Sie doch die Alte , sie tut nur so und hört alles ! Angelika , ich liebe dich - hört es alle ! Monsieur Alphonse Stibbe , ich habe , siehe Akt fünf , von einer Tante achthundert Taler geerbt und halte hiermit feierlich um die Hand Ihrer Tochter an ! - Der kleine Schneider im fliegenden hellgrünen Schlafrock wollte wie ein erboster Grashüpfer gegen den Redner anspringen ; aber dieser wies ihn mit einer ebenfalls aus irgendeinem fünften Akt stammenden Handbewegung zurück und fuhr fort , während Aurora Pogge in meinen Armen anscheinend langsam das Bewußtsein wiedererlangte : Meine Herren und Damen , wer kennt die süßen Triebe nicht , durch welche die Welt besteht ? Wessen Herz ist so ausgebrannt , daß kein Flämmchen mehr daraus hervorzuckt , Herr Mäuseler , sei es auch nur dem letzten Aufflammen des Rums an einem Plumpudding vergleichbar ? ! Meine Herren , ich liebe mit der vollen Dampfkraft der Jugend diese hier gegenwärtige Jungfrau Angelika Stibbe ; sie ist und wird die Meinige mit dem Willen des Geschicks , gegen den Willen desselben ! Der Schauspieler warf einen Blick über die Versammlung der Hausgenossen , hob das blaue Buch , blätterte darin und fuhr fort : Wie aus diesem Manuskript - Fräulein Pogge wand sich wie ein Aal , dem lebend die Haut abgezogen wird - , wie aus diesem Manuskript hervorgeht , hat hier gegenwärtige , etwas reife Jungfrau , Fräulein Aurora Pogge , ihr Auge und ihr Herz auf hier ebenfalls gegenwärtigen Jüngling , Herrn Rentier Mäuseler , geworfen und will ihn heiraten mit seinem Willen , gegen seinen Willen . Der Redner machte lächelnd eine Pause , der Rentier sah sehr erschrocken und eselhaft aus ; Aurora in meinen Armen fiel scheinbar abermals in Ohnmacht . In dem himmelblauen Buche blätternd , sprach Julius Schminkert mit erhöhter Stimme : Pagina hundertundsechs beweist , daß Herr Alphonse Stibbe , Witwer von Karoline Stibbe geborener Triller , ebenfalls bereit ist , das sanfte Joch der Ehe sich wieder aufzuladen . Gegenüber - Der Schneider hing plötzlich am Halse des Deklamators und drückte ihm hastig die Kehle zu . Die schöne Angelika schlug die Hände mit lautem Geschrei zusammen : Steht das da , Julius ? O Himmel , steht das da ? Na , Papa ? ! - Ich erwürge dich , wenn du den Mund nicht hältst , flüsterte der Schneider dem zukünftigen Schwiegersohn ins Ohr , und dieser nickte lachend : Ruhig , Papa ; es steht hier noch manches andere über Sie geschrieben . - Und Julius Schminkert fing jetzt an , wirklich Bruchstücke der Memoiren des Fräuleins Aurora Pogge uns vorzutragen . Da aber brach ein allgemeines Wut- und Rachegeschrei unter den Hausgenossen los ; selbst mir sträubten sich die Haare in die Höhe . Ulex , dieses Weib ist bewunderungswürdig - eine geistige Gesche Gottfried , eine moralische Giftmischerin vom reinsten Wasser , reinster Aqua Toffana . Über uns alle ging es her , wir konnten keinen Atem mehr schöpfen unter den Ergüssen einer schönsten Seele , die sich jetzt über uns ergossen . Der Schneider fiel dem Schauspieler weinend um den Hals : Und du , mein Junge , hast dieses Scheusal enthüllt ? Ja , dafür sollst du mein Kind haben - wie du auch bist , mein Sohn ! O dieser Satan ! Diese Teufelin ! - Aber jetzt war ' s wirklich Zeit , daß ich eingriff ; man hätte die Schriftstellerin sonst in Stücke zerrissen ; laut schreiend floh sie die Treppe hinauf , und ich und Robert deckten unten an der Treppe ihren Rückzug . Ihr nach wollte der Zorn der Empörten , der Gekränkten , Verlästerten . Laßt uns durch ! schrie der Schauspieler . Durch ! durch ! ihr nach ! schrien die andern in allen Tonarten ; aber wir hielten gut und trieben den wohlberechtigten Ansturm zurück . Bahn frei , unnatürlicher Sohn der Polizei , rief Schminkert unsern Robert an und setzte hinzu : Sie sollten doch auch Partei für uns nehmen , Wolf . Vivat Helene Wienand , Pagina zweihundertdreizehn . - Was soll Helene Wienand ? frage ich erstaunt , und der Schauspieler antwortet lachend : Fragt nur diesen Jüngling aus dem provinzialen Urwalde selber , Fiebiger . Hurra , Sturm , Sturm ! Vorwärts , Schwiegerpapa ! Schlagt ihr die Tür ein , hinaus mit ihr aus dem Hause ! En avant , Mäuseler ! Marsch , marsch , trarara ! Hinaus mit ihr auf die Straße ! - Ich faßte jetzt denn doch den Tollkopf an den Schultern , nahm ihn , sehr ruhig geworden , beiseite und fragte ihn ernstlich , was er mit seinen Worten über das Fräulein Wienand gemeint habe ; selbstverständlich war es aber unmöglich , in diesem Augenblick von ihm Ausführlicheres über die Sache zu erfahren . « » Und Robert ? « fragte der Sternseher . » Ja Robert . Na , du hättest den Jungen sehen sollen ! Erstarrt stand er , wurde abwechselnd rot und bleich , zuletzt so totenbleich , daß ich fast Furcht bekam . Glücklicherweise fing ich seine Faust , die eben den Schauspieler niederschlagen wollte , auf . Ich ließ natürlich auf dieses