um einen Labetrunk , aber er giebt den leeren Krug ohne Dank zurück ; denn es schwamm eine Fliege in dem Wasser , oder das Gefäß , und wäre es von Asbest , war nicht reinlich , und so oder so - Erquickung hatte er sich nicht getrunken . Erquickung ! Wo ist das Auge , in das wir einmal geschaut haben , um nie wieder in ein anderes , glänzenderes , feurigeres schauen zu wollen ; wo ist der Busen , an dem wir einmal ruhten , um nie wieder das Pochen eines anderen , wärmeren , liebedurchglühteren Herzen hören zu wollen ? wo ? ich frage Sie , wo ? Der Baron schwieg ; Oswald fühlte sich auf die seltsamste Weise bewegt . Was der sonderbare Mann an seiner Seite in einem fast elegischen Tone , der auffallend mit seiner sonstigen herben , rauhen Weise contrastirte , wie träumend , wie mit sich selbst redend , sprach , das waren so ganz seine eigenen Gedanken , die er oft und oft , als Knabe schon , und immer wieder im Leben gehabt , daß ihm fast ein Grauen ankam vor dieser geistigen Doppelgängerei . Er fand keine Antwort auf eine Frage , die er selbst aufgeworfen zu haben schien . Es hat mir immer viel zu denken gegeben , hub der Baron wieder an , daß der Mensch sich selbst , seine Existenz erst mehr oder weniger vergessen muß , bevor er in den Zustand kommt , den wir in Ermangelung eines andern Wortes mit glücklich bezeichnen , und daß wir ihn um so glücklicher nennen müssen , je tiefer diese Vergessenheit ist . The best of life is but intoxication , sagt Lord Byron ; ja wohl ! die Liebe , die Romeo- und Julieliebe , für die man in den Tod geht , wie zu einem heitern Fest , ist auch nur ein Rausch ! Schlafen ist besser als wachen , sagt die Weisheit der Inder ; das Beste von Allem aber ist der Tod . Und doch tödten sich im Verhältniß so wenig Menschen - warf Oswald ein . Ja , das ist merkwürdig genug , sagte der Baron , besonders heut ' zu Tage , wo die Meisten sich selbst vor den Hamlet-Träumen , die uns in jenem ewigen Schlafe kommen möchten , nicht mehr fürchten . Sollte dies nicht ein Beweis dafür sein , daß es mit dem vielgeklagten Unglück dieser Leute so sehr arg nicht sein kann ? Vielleicht ; vielleicht beweist es aber auch nur , wie schwer es dem Menschen wird , die letzte Hoffnung schwinden zu lassen . Warum schleppt sich der verirrte Wanderer mechanisch weiter durch den tiefen Schnee ? warum späht der arme Schiffbrüchige auf Salas y Gomez ein halbes Jahrhundert über die öde Wasserwüste nach dem rettenden Segel ? warum zerschellt sich der auf Lebenszeit Eingekerkerte nicht den Kopf an der Wand seines Kerkers ? warum erhängt sich der arme Schelm , der morgen früh hingerichtet werden soll , nicht heute Nacht schon in seinen Ketten ? - weil ihr Unglück so groß nicht ist ? Pah , glauben Sie doch das nicht - einzig und allein , weil noch immer ein schwacher Schimmer von Hoffnung , von Rettung durch die Hölle ihrer Leiden dämmert , wie dort der blasse Streifen im Osten . Wenn auch dieser matte Schimmer einmal verlöschte , dann , ja dann muß die alte Mutter Nacht ihr armes , verirrtes Kind wiedernehmen , die milde , gute , liebevolle Todesnacht . Nach einer kurzen Pause , während welcher der Baron mächtige Dampfwolken aus seiner Cigarre geblasen hatte , fuhr er in etwas ruhigerem Tone fort : Ich bin ein paar Jahre älter als Sie , und das Geschick verstattete mir , in kürzerer Zeit ein größeres Stück vom Leben zu sehen , als es sonst wohl dem Menschen gegeben ist . Ich habe das , wovon der graue Freund dem jungen Wolfgang in Leipzig eine möglichst große Portion wünschte : Erfahrung . Ich könnte , müßte wenigstens mittlerweile erfahren haben , daß für mich und meinesgleichen keine Hoffnung mehr im Leben ist , und dennoch , trotzdem daß ich sage : ich habe keine Hoffnung mehr , hoffe ich im Stillen doch immer auf ein mögliches Glück , wie der Schwindsüchtige auf Genesung . Nehmen Sie zum Beispiel eine Gesellschaft , wie die , aus der wir eben kommen . Ich weiß , wie hohl die Freuden dieser Menschen sind ; ich weiß , wie kummervolle Gesichter , welch ' erbärmliche Armensündermienen sich hinter den lachenden Gesellschaftsmasken verstecken - ich weiß , daß dieses hübsche Mädchen in zehn Jahren eine unglückliche Frau oder eine Idiotin ist , daß dieser prächtige Junge , der den Kopf so hoch trägt und aussieht , als ob er sämmtliche zwölf Arbeiten des Herkules an einem Tage verrichten könne , ein plumper Landjunker sein wird , der gegen die Bauern das jus primae noctis geltend macht und nebenbei seine Frau womöglich prügelt - das weiß ich , und weiß noch mehr , und habe es tausend- und aber tausendmal im Leben gesehen , und doch bin ich noch so wenig blasirt , daß diese trügerische Fata Morgana eine zauberische Wirkung auf mich hat , bin so wenig ernüchtert , daß jede hübsche Mädchenblume die Hoffnung in mir erweckt , ich könnte wirklich einmal im Leben lieben oder geliebt werden , daß jede jugendlich schöne männliche Erscheinung mich wieder an Freundschaft glauben macht . Hätten Sie mir solchen Unsinn zugetraut ? Ich hätte nicht geglaubt , daß Sie so denken , so fühlen könnten . Und darin hatten Sie vollkommen Recht , sagte der Baron ; ich denke und fühle so auch nur , wenn ich , wie jetzt , complet betrunken bin . - Was war das ? Ein greller Schrei tönte aus geringer Entfernung durch den stillen Morgen zu ihnen herüber , - und noch einmal , schriller , verzweifelnder , wie wenn ein Weib