unser Kranker mich vermißt .... « - » Der alte Pfaff ! « rief der badische Freischärler . » Woher wissen Sie , daß mein Onkel der Kranke ist ? « fragte Regina lebhaft . » Wir werden wiederkommen ! « rief der Wortführer hastig . » In den nächsten Tagen kommen wir und zählen darauf , daß die Verteidiger der deutschen Einheit und Freiheit die notwendige Unterstützung finden werden . « » Behüt ' Sie Gott ! « sagte Regina . Statt ihren Gruß zu erwidern , stimmte er mit rauher Kehle an : » Schleswig-Holstein meerumschlungen « und seine Gefährten fielen ein . Schade , daß Ernest nicht da war ! er hätte ein recht malerisches » lebendes Bild « zu sehen bekommen , einen Gherardo della notte mit seinen Lichteffekten in der Finsternis . Die Halle und einzelne Fenster des Schlosses waren , wie gewöhnlich , beleuchtet und warfen ihren Schein in einzelnen Lichtstreifen auf den Hof und auf die Männergruppe , deren Figuren , je nachdem die Beleuchtung sie traf , bald aus dem Dunkel auftauchten , bald darin verschwanden , und im Ganzen eine finstere , gestaltlose , unheimliche Masse bildeten . Ihnen gegenüber und durch die Höhe des Perrons , zu dem sechs breite Stufen hinanführten , über sie erhoben und von ihnen getrennt , stand Regina . Die Windlichter , ihr zur Seite von den Dienern gehalten , ließen sie ganz hell erscheinen und ihr weißes Kleid , ihre hellblaue Taftmantille umflossen sie mit sanftem Glanz . Wie Psyche in der Unterwelt stand sie da , ein himmlischer seliger Fremdling , zwischen den dunkeln , verzerrten , traurigen Gebilden des Orkus . » Schleswig-Holstein stammverwandt ! « brüllte die Bande , machte kehrt und zog ab . Regina blieb auf dem Perron , bis sie vom Hof herunter waren , das Gittertor im Rücken hatten und durch die Lindenallee der Chaussee zugingen . Nur einer von ihnen , der ein besonderer Liebhaber des Steinwerfens war , kehrte sich um und schleuderte mit kräftiger Faust einen Stein gegen einen der Löwen , die in Sandstein gehauen auf den beiden Pfeilern des Gittertores lagen , das den Hof schloß . Der ruhende Löwe , schwarz im goldenen Felde , war das Wappen der Windecker . Als die wüsten Stimmen sich mehr und mehr entfernten , trat Regina in die Halle zurück und sagte zu dem einen Bedienten : » Der Portier soll das Gitter nicht früher schliessen als gewöhnlich . « Dann eilte sie zur Kapelle , schloß auf , kniete einen Augenblick vor dem Tabernakel nieder , nickte freundlich der Baronin Isabelle zu , die halbohnmächtig auf einem Betstuhl kniete - und ging schnell die kleine Treppe hinauf durch ihr Zimmer zum Onkel Levin , bei dem sie Ernest und Corona fand . » Lieber Onkel , « sagte sie zärtlich , » wie befindest Du Dich ? Hast Du mich auch nicht vermißt ? - ich mußte ein kleines Geschäft besorgen . « Sie kniete neben seinem Bett nieder und küßte seine Hand . Er sah sie mit unbeschreiblicher Liebe an , legte die Hand auf ihr schönes Haupt und sagte : » Sieh ' , wie die heilige Mutter Gottes Dich lieb hat ! « » Die Herren Volkssouveränler , « nahm Ernest das Wort , » haben nicht Ihren schwebenden Schritt , Gräfin Regina , sondern treten auf mit dem vollen Gewicht selbstbewußter Majestät . Durch die abendliche Stille drang das dumpfe Geräusch auch in dies Zimmer , und da es den hochwürdigen Herrn beunruhigte , so sagte ich ihm einfach , um was es sich handle , damit er Sie durch ein Salve Regina der heiligen Mutter Gottes empfehle ; und das hat denn auch seine Wirkung getan . « » Es war aber schauerlich ! « sagte Corona und schlang den Arm um Reginas Nacken , als wolle sie die geliebte Schwester noch nachträglich festhalten . » Wo warst Du denn ? « fragte Regina . » Ich schloß Dich ja in der Kapelle ein . « » Aber ich lief über die kleine Treppe durch Dein Zimmer zu Brigitte . Da löschten wir das Licht aus und übersahen den ganzen Hof ! « rief sie eifrig . » Ja , « sagte Ernest trocken , » das Komteßchen war neugierig ! sonst hätte es wohl zum würdigen Herrn kommen und mich ablösen können ! und dann wär ' ich zu Gräfin Regina gegangen . « » Ich dachte , Tante Isabelle wolle Sie ablösen , Herr Ernest , « erwiderte Corona kleinlaut . » Ach , die arme Tante ! « rief Regina mitleidig . » Ich muß sie holen , damit sie uns alle beisammen sieht und zur Ruhe kommt . « Sie eilte hinab . Ernest sagte zu Corona : » Komteßchen ! Ihre Schwester ist ein goldenes Herz . « » Und will in ' s Kloster ! « platzte Corona heraus . » Ah ! will sie das ! « rief Ernest freudestrahlend . » Das sieht ihr ähnlich ! da hat sie recht . « » Aber Papa will es nicht und wir alle wünschen es auch nicht , « entgegnete Corona ; » und so wird wohl nichts daraus werden . « » Es wird das geschehen , was Gott will ! « erwiderte Ernest , und Levin setzte hinzu : » Amen . « Die Baronin erschien , ganz erschöpft auf Reginas Arm gelehnt , und ließ sich von ihr Zuckerwasser à la fleur d ' orange bereiten . » Willst Du nicht auch etwas nehmen , Kind ? « fragte sie . » Bist Du nicht ungeheuer alteriert ? « » Gar nicht , liebe Tante ! « entgegnete Regina munter . » Ich habe starke Nerven ! - Aber zum Tee wollen wir gehen . « » O Himmel ! « rief die Baronin , » kommt jetzt erst die Teestunde ? Ich dachte , es sei Mitternacht .