auch , wenn es nöthig sein sollte , jeden Ausbruch seiner früheren Empfindungen verhüten , oder doch vor leidenschaftlichem Unheil sichern zu können . Vielleicht hätte auch sie sonst nicht die Kraft gefunden , sich seinen Armen zu entziehen und die obigen Worte zu ihm zu sprechen . Da sie ihn zurückwies , war er vor ihr auf die Knie gesunken und lauschte ihren Worten wie einem Liede , das nicht minder schön erscheint , wenn es auch auf das schmerzlichste ergreift . » O es ist ein Fluch , der auf allen Poeten ruht ! « rief er ; » wir müssen unglücklich , elend und verlassen sein , damit wir in das Reich der Poesie uns flüchten und unter tausend Schmerzen eine erträumte Welt der wirklichen entgegenstellen - den frischen Kranz des Lebens müssen wir opfern , damit ein dürrer Lorbeerkranz auf unsern Grabhügeln anschelle . Elisabeth ! Ihr seid so kalt und grausam wie die Welt - ich hoffte Euch anders zu finden ! « Sie erhob sich zürnend : » Dann wehe mir und Euch , wenn Ihr das hofftet , wenn Ihr während dieser Trennung den Glauben an mich und an Frauentugend verloret ! « Bestürzt faßte er den Saum ihres Gewandes und rief : Elisabeth ! thut , was Ihr wollt , aber vergebt mir und zürnt nur nicht ! « » So seid ein Mann ! « antwortete sie ; » versündigt Euch nicht an Frauenwerth - versündigt Euch nicht an der Gottesgabe der Poesie , die Euch geworden ! - Ihr wißt nicht , wie es ist : alle diese Schmerzen empfinden und keine Sprache dafür haben - das Entsagen ist schwer : aber das Schwerere ist , ein einmal auferlegtes Joch noch edel zu ertragen ! - Steht auf - mich dünkt , ich höre Jemand - wenn es schon der König wäre ! « Celtes erhob sich und Elisabeth blickte nach der Thür , mit welcher Kunz von der Rosen vor einem Weilchen unwillkürlich geknarret hatte , da ihn diese Scene , deren Zuschauer er geworden , selbst bewegte . Erst hatte er gemeint , hier einen begünstigten Liebhaber bei einer ungetreuen Gattin zu finden , und eine solche Gelegenheit ließ er selten , wie oft und bei welchen hohen Personen sie ihm auch ward , vorübergehen , ohne die Betheiligten durch seinen Spott und seinen oft sehr derben Spaß zu züchtigen . Aber durch Elisabeth ' s würdevolles Betragen wendete sich schnell seine Meinung zu ihren Gunsten - ja er zerdrückte eine Thräne im Auge , weil er gar wohl begriff , daß eine Frau von solchen Herzens- und Geistesgaben , wie Elisabeth , neben einem so hohlen Menschen wie Scheurl nur unglücklich sein könne . Und zugleich nahm er sich vor , seinem königlichen Bruder zu warnen oder zu beaufsichtigen , daß er die Tugend und Treue dieser edlen Frau nicht etwa auch versuche auf die Probe zu stellen . Als er jetzt bemerkte , daß sich das Paar nicht mehr allein fühlte , warf er seine Narrenkappe zur Thür herein , gerade vor Elisabeth ' s Füße und sagte : » Es ist nicht Sitte , edle Frau , daß der Narr seine Kappe abnimmt weder vor König und Kaiser , denn er hat eben nicht nöthig Jemanden Respect zu erweisen - vor Euch aber hab ' ich ihn - und wenn ich hundert Hüte aufhätte , ich zöge sie alle vor Euch und würfe sie Euch demüthig wie die Kappe zu Füßen . « Elisabeth erschrak sowohl vor der plötzlichen Erscheinung wie vor diesen Worten , welche sie ungewiß ließen , ob der Narr etwas von diesem Gespräch gehört oder nicht ; aber immer ihrer selbst Meisterin hob sie die Mütze auf , ob auch Rosen sich mit einem lustigen Katzenpuckel danach beugte , überreichte sie ihm und sagte : » Willkommen in Nürnberg - wenn Ihr Euch auch auf sonderbaren Wegen müßt eingeschlichen haben , daß Niemand von der Dienerschaft Euch zuvorkam . Wo ist Euer königlicher Herr ? « » Bruder ! wolltet Ihr sagen , « fiel er ihr in die Rede . » Was den betrifft , so wird er bald kommen , als ihn die guten Nürnberger , die sich überall herzudrängen , dazu kommen lassen - und was mich betrifft , so wißt Ihr , daß unsereins die Wege sich immer nach Belieben sucht und gelegentlich durch ein Spältlein schlüpft , wenn ' s ihm auf dem breitgetretenen Wege zu eng wird . « » Ich freue mich , « sagte Elisabeth , » daß ich gleich jetzt Gelegenheit habe , Euch Herrn Doctor Konrad Celtes vorzustellen , von dem Ihr sicher so viel Gutes und Großes gehört hab ' t , als er von Euch , Herr Kunz von der Rosen . « Die Männer schüttelten zwar einander die Hand , aber es geschah nicht mit der rechten Herzlichkeit . In Celtes kochte es ingrimmig , wenn er sich dachte , daß Kunz ihn jetzt belauscht , und es sogar durch seine Worte an Elisabeth zu verstehen gab , ohne es zu gestehen - und Kunz hatte ein Vorurtheil gegen den Gelehrten , nach der Scene , welcher er beigewohnt . Er sagte zu sich : den Frauen gegenüber taugen doch diese Herren von der Feder so wenig wie die vom Schwerte - und fügte hinzu : ich möchte eigentlich wissen , welche Zunft da etwas taugte . Indeß war Kunz doch harmlos und Celtes redegewandt genug , eine Unterhaltung zu Stande zu bringen , deren Anknüpfungspunkt natürlich die hohen Ankommenden waren . Elisabeth entfernte sich einen Augenblick , um nachzusehen , daß die Dienerschaft besser auf dem Platze sei , als sie bei Rosen ' s Ankunft gewesen . Wie sie zurückkam , wollte sich Celtes beurlauben , aber Elisabeth selbst duldete es nicht und sagte : » Ihr werdet mich nicht um die Gelegenheit betrügen , Euch selbst seiner Majestät vorzustellen , die ich immer gewünscht ,