fahren , allein da die Zeit so weit vorgerückt war , drang mein Gastfreund in sie , die Nacht in seinem Hause zuzubringen , in welches Begehren sie auch einwilligten . Die Pferde und der Wagen wurden in den Meierhof gebracht , den Reisenden wurden Zimmer angewiesen . Sie gingen aus denselben aber wieder sehr bald hervor , man begab sich auf den Sandplatz vor dem Hause , und die Rosenschau wurde aufs neue vorgenommen . Es waren zum Teile noch die Stühle vorhanden , die man heute herausgetragen hatte , obwohl der Tisch schon weggeräumt war . Die Mutter setzte sich auf einen derselben , und nötigte Mathilden , neben ihr Platz zu nehmen . Die Mädchen gingen neben den Rosen hin , und man redete viel von den Blumen und bewunderte sie . Vor dem Abendessen wurde noch ein Gang durch den Garten und einen Teil der Felder gemacht , dann begab sich alles auf seine Zimmer . Da die Stunde zu dem Abendmahle geschlagen hatte , versammelte man sich wieder in dem Speisesaale . Der Fremde und seine Begleiterinnen hatten sich umgekleidet , der Mann erschien sogar im schwarzen Fracke , die Frauen hatten einen Anzug , wie man ihn in der Stadt bei nicht festlichen , aber freundschaftlichen Besuchen hat . Wir waren in unseren gewöhnlichen Kleidern . Aber gerade durch den Anzug der Fremden , an dem sachgemäß nichts zu tadeln war , was ich recht gut beurteilen konnte , weil ich solche Gewänder an meiner Mutter und Schwester oft sah und auch oft Urteile darüber hörte , wurden unsere Kleider nicht in den Schatten gestellt , sondern sie taten eher denen der Fremden , wenigstens in meinen Augen , Abbruch . Der geputzte Anzug erschien mir auffallend und unnatürlich , während der andere einfach und zweckmäßig war . Es gewann den Anschein , als ob Mathilde , Natalie , mein alter Gastfreund und selbst Gustav bedeutende Menschen wären , indes jene einige aus der großen Menge darstellten , wie sie sich überall befinden . Ich betrachtete während der Zeit des Essens und nachher , da wir uns noch eine Weile in dem Speisezimmer aufhielten , sogar auch die Schönheit der Mädchen . Die ältere von den beiden Töchtern der Fremden - wenigstens mir erschien sie als die ältere - hieß Julie . Sie hatte braune Haare wie Natalie . Dieselben waren reich und waren schön um die Stirne geordnet . Die Augen waren braun , groß und blickten mild . Die Wangen waren fein und ebenmäßig , und der Mund war äußerst sanft und wohlwollend . Ihre Gestalt hatte sich neben den Rosen und auf dem Spaziergange als schlank und edel , und ihre Bewegungen hatten sich als natürliche und würdevolle gezeigt . Es lag ein großer , hinziehender Reiz in ihrem Wesen . Die jüngere , welche Apollonia hieß , hatte gleichfalls braune , aber lichtere Haare als die Schwester . Sie waren eben so reich und wo möglich noch schöner geordnet . Die Stirne trat klar und deutlich von ihnen ab , und unter derselben blickten zwei blaue Augen , nicht so groß wie die braunen der Schwester , aber noch einfacher , gütevoller und treuer hervor . Diese Augen schienen von dem Vater zu kommen , der sie auch blau hatte , während die der Mutter braun waren . Die Wangen und der Mund erschienen noch feiner als bei der Schwester , und die Gestalt fast unmerkbar kleiner . War ihr Benehmen minder anmutig als das der Schwester , so war es treuherziger und lieblicher . Meine Freunde in der Stadt würden gesagt haben , es seien zwei hinreißende Wesen , und sie waren es auch . Natalie - ich weiß nicht , war ihre Schönheit unendlich größer , oder war es ein anderes Wesen in ihr , welches wirkte - ich hatte aber dieses Wesen noch in einem geringen Maße zu ergründen vermocht , da sie sehr wenig zu mir gesprochen hatte , ich hatte ihren Gang und ihre Bewegungen nicht beurteilen können , da ich mir nicht den Mut nahm , sie zu beobachten , wie man eine Zeichnung beobachtet - aber sie war neben diesen zwei Mädchen weit höher , wahr , klar und schön , daß jeder Vergleich aufhörte . Wenn es wahr ist , daß Mädchen bezaubernd wirken können , so konnten die zwei Schwestern bezaubern ; aber um Natalie war etwas wie ein tiefes Glück verbreitet . Mathilde und mein Gastfreund schienen diese Familie sehr zu lieben und zu achten , das zeigte das Benehmen gegen sie . Die Mutter der zwei Mädchen schien ungefähr vierzig Jahre alt zu sein . Sie hatte noch alle Frische und Gesundheit einer schönen Frau , deren Gestalt nur etwas zu voll war , als daß sie zu einem Gegenstande der Zeichnung hätte dienen können , wie man wenigstens in Zeichnungen gerne schöne Frauen vorstellt . Ihr Gespräch und ihr Benehmen zeigte , daß sie in der Welt zu dem sogenannten vorzüglicheren Umgang gehöre . Der Vater schien ein kenntnisvoller Mann zu sein , der mit dem Benehmen der feineren Stände der Stadt die Einfachheit der Erfahrung und die Güte eines Landwirtes verband , auf den die Natur einen sanften Einfluß übte . Ich hörte seiner Rede gerne zu . Mathilde erschien bedeutend älter als die Mutter der zwei Mädchen , sie schien einstens wie Natalie gewesen zu sein , war aber jetzt ein Bild der Ruhe und , ich möchte sagen , der Vergebung . Ich weiß nicht , warum mir in den Tagen dieser Ausdruck schon mehrere Male einfiel . Sie sprach von den Gegenständen , welche von den Besuchenden vorgebracht wurden , brachte aber nie ihre eigenen Gegenstände zum Gespräche . Sie sprach mit Einfachheit , ohne von den Gegenständen beherrscht zu werden , und ohne die Gegenstände ausschließlich beherrschen zu wollen . Mein Gastfreund ging in die Ansichten seines Gutsnachbars ein und redete in der ihm eigentümlichen klaren Weise , wobei er aber auch die