« » Ne , « sagte Herr von Bredow , mit einem ganz besonderen Lächeln den Dechanten anschielend , » dazu geb ' ich nichts . « » Gar nichts , ei , mein theurer - « » Wollen erst warten bis die Jungen und Mädel bei uns im Dorfe Strümpfe haben . Aber wißt Ihr was , Dechant ? - Wollen Eins mit einander trinken auf das Wohlsein der armen Leute , die da dürften , auch auf die , die barfuß laufen . « Aber der Dechant trank diesmal nicht mit dem Ritter , den der Voigt von Hoym in die Halle geführt , wo der Imbiß für ihn angerichtet stand . Herr Götz aß und trank allein , was indeß seinem Appetit gar keinen Abbruch zu thun schien . Zwar war Herr Götz der Meinung , daß gute Gesellschaft zu einer guten Mahlzeit sich schicke , wenn aber eines von beiden fehlen sollte , hielt er dafür , daß man darum die Mahlzeit nicht im Stich lassen muß , weil die Gesellschaft uns im Stich gelassen hat . Er ließ es sich vielmehr wie ein rechtschaffener Mann schmecken , der nicht absieht , warum Einer , der schwer gekränkt ist , drum noch hungern soll . Der Voigt von Hoym aber sah wie Einer aus , dem ein Leidwesen widerfahren und er kann sich noch nicht fassen : » Bitt ' Euch um aller Heiligen Willen , und der Lindenberger ? « Der Dechant zuckte die Achseln . » Solch ein Herr , und hat ' s eingestanden ? « » Er dürft ' es doch nicht auf ' die Beweisprobe ankommen lassen ! Der Krämer war schon bereit dazu mit seinen Zähnen ! « » Mir gehts wie ein Mühlrad im Kopf rum . Der Lindenberg war doch so eigentlich Alles . « » Und ist nun weniger als nichts . « » Ich bitt ' Euch , was soll draus werden ! Wen er befahl , steckte ich ein , wen er loslassen wollte , ich ließ ihn los . Ich wußte , ich that immer recht . Der kurfürstliche Befehl kam hinterdrein . Hatte mich so hineingefunden in seine Art und Launen . Und nun soll ' s wieder anders werden ! Wer meint man denn , daß dran kommt ? « » Man will behaupten , der Kurfürst wolle allein regieren . « Mit einem verwunderten Blicke sah der Voigt ihn an : » Ihr wollt es mir nicht sagen . Lieber Herr Dechant , ich bin ein alter Mann , möchte auch in Ruhe leben ; bitt Euch , gebt mir aus alter Freundschaft ' nen Wink , wenn Ihr ' s erfahrt . Einmal geht ' s noch , einmal find ich mich noch zurecht , aber wenn ' s wieder und wieder wechseln sollte - das wär zu viel . Aber was Ihr sagt , er wollte allein steh ' n , hochwürdiger Herr , dazu bin ich zu alt , um ' s zu glauben . Einer muß doch sein , der ' s für den Fürsten thut , und hinter ihm steht , ob er nun Hinz heißt oder Kunz , ob er ' s grob oder fein , heimlich thut oder vor aller Welt ; Einer thut ' s , Einer ist ' s. An Einen muß man sich halten können , und wenn Jeder es weiß , ist ' s besser , als wenn Jeder es rathen muß . « » Das ist ein braver Mann ! « - » So müßten alle Ritter sein ! « riefen die Bürger Herrn Gottfried noch lange nach , wenn sie ihn mit lautem Zuruf und Mützenschwenken begrüßt hatten . Durch alle Hauptgassen beider Städte ging der Zug , und die sechs Trompeter schmetterten in die Luft , daß es für alle Bredow ' s wie eine Hochzeit war . Nur einmal hieß Herr Gottfried sie inne halten , als ein Wagen vorüber fuhr , in dem ein Gefangener auf Stroh saß . Der Herr Lindenberg ward nach dem Schloß gebracht , der Eine , geschlossen und bewacht , zu Verhör und Gericht , der Andere , mit Freunden und Musikern , zu Ehren und Freiheit . So begegnen sich Menschen wohl öfters im Leben ; der früher den Hut zog und tief sich bückte , geht aufrecht und nickte kaum , und der sonst den Kopf im Nacken trug , schleicht , das Kinn in der Brust , froh , wenn der Andere ihn nicht erkennt . Götze Bredow hatte den Lindenberg nie gemocht , aber ihm schien ' s unrecht , daß Einer sich laut freue , wenn ein Anderer tief trauert . Darum hieß er die Trompeter schweigen und hob sich im Sattel , und hielt den Hut gelüftet , bis der Wagen vorüber war . Der Lindenberger grüßte nicht wieder . Vor ihrem Haus am hohen Steinweg hielt die Sippschaft an . Da ward Herrn Gottfried ein Ehrentrunk aus goldenem Pokal gereicht , und der alte Bodo schüttelte ihm die Hand und sagte , daß er sich herzlich freue . Die jüngern Vettern und die Trompeter gaben ihm aber noch das Geleit zum Spandauer Thor hinaus bis an ' s Weichbild der Stadt . Er hatte gedacht noch heut Abend bis Ziatz zu kommen , aber jeder Vetter verlangte und er mußte es versprechen , daß er bei ihm einspreche . Da dachte er , Frau Brigitte wird wohl warten müssen bis morgen . Wer bei allen Bredows im Havellande einsprechen will , der kommt auch morgen und übermorgen nicht nach Haus . Der alte Schlieben hatte es nicht gut geheißen , daß der Kurfürst den Ritter Lindenberg noch einmal sehe , er wollte ihn denn nicht richten lassen . Des Fürsten Angesicht und Zuspruch sei für den Verbrecher Gnade . Er hatte eifrig widersprochen , wie es eines guten Dieners Pflicht ist ; Joachim hatte ihn ruhig angehört : » Hast Du nun ausgesprochen