und ging , das Haupt mit dem zierlich gekräuselten Haar bald senkend , bald es stolz zurückwerfend und triumphirend in die Luft starrend , im Zimmer auf und nieder . » Also doch , « sprach er für sich , » doch das schöne Trotzköpfchen aufgesetzt trotz Ohnmacht , Stock und Schande ! - Das ist so Mädchenart , wenn sie wissen , daß sie einen Anbeter , den sie nicht lieben mögen , damit ärgern können . - Aber Du verrechnest Dich , schönes Mühmchen ! Magnus gehört nicht zu jenen schmachtenden Liebhabern , die wochenlang zu den Füßen ihrer grausamen Prinzessinnen liegen können , ohne die Geduld zu verlieren und etwas von Stolz in sich lebendig werden zu fühlen . Der sittenlose , leichtsinnige Magnus hat seit einigen Tagen mit allem Aerger abgeschlossen , sein treuer Gefährte und tapferer Bundesgenosse ist jetzt die Rache ! - Du hast ihn selbst dazu aufgefordert und darfst Dich jetzt nicht beklagen , wenn er sein Mannesund Grafenwort löst . - Es soll originell geschehen , schönes Mühmchen , das verspreche ich Dir , so originell , wie Du mich immer fandest , ohne mich doch Deiner Liebe werth zu achten . - « Magnus ging hastiger durch das Zimmer , dann blieb er stehen und sprach wieder : » Mein Herr Vater hat mich heut zwar auffallend glimpflich behandelt und nur vereinzelte dünne Strahlen seiner Ungunst auf mich fallen lassen , ja im Ganzen kann ich sogar zufrieden sein mit dem Ausgange dieser fatalen Geschichte . Dennoch aber bin ich tief gekränkt an meiner Ehre und davon trägt Herta allein die Schuld . - Für diesen Trotz und Stolz soll sie büßen , soll sie mir Rechenschaft geben ! - Genugthuung hat sie mir zugesagt - die Wahl des Ortes mir freigelassen . - Wie , wenn ich sie nun wirklich beim Worte nehme und sie als Dame mit aller ihr gebührenden Galanterie behandle ? - Darf ich ' s wagen ? « Ein Blick voll Gluth und Flamme schoß aus dem Auge des beleidigten , rachgierigen und in sinnlicher Lust wild entbrannten Mannes . Er ballte die linke Hand gegen das Fenster , die heiße , üppig schwellende Lippe öffnete sich und zeigte den Silberglanz feiner weißen Zähne . Er holte tief und röchelnd Athem , denn das Blut schoß ihm stürmisch zum Herzen und machte seine Adern auf der Stirn und an den Schläfen schwellen , daß sie wie blaues Pflanzengeäst an die weiße glänzende Haut sich anklammerten . Ein Beben ging durch seinen Körper , als rase die Wuth eines hitzigen Fiebers in ihm . » Ja , « keuchte er pfeifend aus röchelnder Brust , » es geht , wenn ich die Zeit klug berechne - es geht und Niemand kann etwas ahnen , Niemand kann mich hindern ! « Wohl über eine Minute stand der kräftige Mann in dieser furchtbaren Aufregung mitten im Zimmer ; dann ließ die Spannung seiner Muskeln und Nerven langsam nach . Die Pulse schlugen wieder ruhiger , der Athem röchelte nicht mehr , die strotzende Fülle der pochenden Adern verlor sich . Er hatte einen festen , furchtbaren Entschluß gefaßt und jeden Einwurf seines Gewissens mit dämonischer Kraft beseitigt . Sanft , mit weicher , schalkhafter Miene setzte er sich an das Pult und begann einen Geschäftsbrief zu schreiben . - Haideröschen war inzwischen von Herta mit schwesterlicher Zärtlichkeit empfangen worden . Gerade die Schmach , die man dem wehrlosen furchtsamen Mädchen angethan und die sie mit der Ergebung einer gottgefaßten Märtyrerin ohne Murren erduldet hatte , machte sie ihr noch werther und ihres besondern Schutzes bedürftiger . Herta zürnte sogar mit dem alten Grafen , daß er auf Kosten einer armen Wendin dem Buchstaben mehr gefolgt war , als seinen bessern Herzensregungen . Nur der ausdrückliche Befehl des Grafen , daß sie nunmehr Haideröschen in ihre Dienste nehmen solle , versöhnte sie wieder einigermaßen mit ihm . Das Bestreben des zartfühlenden Edelfräuleins ging zuvörderst dahin , die Wendin zutraulich zu machen . Obwohl ihre Dienerin , sollte sie doch vollkommen wie eine Gesellschafterin mit ihr leben . Darauf hatte sie nach Herta ' s Art , Welt und Menschen zu beurtheilen , gerechte Ansprüche theils , weil sie ohne Schuld Verfolgung und Strafe erduldet , theils , weil sie schön , aufgeweckten Geistes und reinen Herzens war . Der edele , heilige Wunsch Herta ' s , für die Befreiung armer Darniedergebeugter , vom Schicksal oder menschlicher Härte Gedrückter ihr eigenes Glück zu wagen , konnte sie nicht anders handeln lassen . So auffallend und dem eingefleischten Verfechter adelicher Vorurtheile anstößig daher die trauliche Umarmung dieser beiden trefflichen Geschöpfe erscheinen mochte , so tief berechtigt fühlte sich Herta dazu . Es war nur das unverholene , ehrliche Geständniß der rein menschlichen Weltanschauung , die Herta in dem grünen Frieden ihrer Epheulaube aus den Schriften der neuen deutschen Dichter gesogen hatte , das sie am Busen einer ihrer zarten Schwestern ablegte , jenes Geständniß , daß alle Menschen einander gleich sind , mögen sie in schimmernden Palästen oder im feuchten Moorrauch zerbröckelnder Hütten geboren werden . Für sie gab es keine Stände , keine Kasten . Sie kannte weder Aristokraten noch Demokraten , sondern nur gute und schlechte Menschen , und wo sie jenen begegnete , da blühte ihnen ihre weiche Seele entgegen , wie die sich öffnende Rose dem weltvergoldenden Morgenroth , wo diese ihr in den Weg traten , da schrak sie zurück und ihr Herz verhüllte sich vor jeder Berührung mit ihnen . Ohne zu sprechen hielten sich beide Mädchen lange innig umschlungen und ließen ihre Thränen wie zwei silberne Bächlein in einander fließen ; denn auch bei Haideröschen verschwand die angeborene Schüchternheit , da ihr das feine Fräulein mit solcher Liebe , solcher tiefen und reinen Theilnahme entgegen kam . Leicht vergaß sie ihre grobe , dürftige Kleidung und schmiegte sich an die zarten , weichen Stoffe , die Herta ' s edle Gestalt umflossen und die