Agnes und fügte lachend hinzu : Den Vogel Phönix möchte ich übrigens wohl sehen , den der Präsident sich auserkoren hat . An allen Frauen findet er Mängel , keine ist ihm schön genug . Gewiß , des Präsidenten Braut kennen zu lernen , würde mich sehr erfreuen . Da nahm Eva einen kleinen Spiegel , der auf dem Tische vor ihr lag , umfaßte Agnes und hielt das Glas so , daß diese ihr Bild erblickte . Was soll das ? fragte sie ganz arglos . Ihnen das Mädchen zeigen , das Julian sich auserkoren hat , und das er heirathen will . Agnes lachte hell auf . Sie hielt es für einen Scherz , aber Eva wußte ihr mit solcher Lebhaftigkeit von der Vorliebe des Präsidenten für sie zu sprechen , gab ihr so viel kleine und doch schlagende Beweise dafür , daß das arme Mädchen still und ängstlich wurde und endlich seufzend sagte : Ach ! hätten mich meine Eltern doch lieber nicht hieher geschickt . In welche Verwirrung gerathe ich hinein ! Wenn es wahr wäre , daß der Präsident an mich dächte - Nun ? fragte Eva , was wäre das für ein Unglück ? Da Sie ihm gut sind , werden Sie ihn heirathen und das glücklichste Loos von der Welt haben . Aber liebe Eva , ich bin ja so jung ! Freilich ! ich schätze den Präsidenten sehr , aber ich habe mir doch immer gewünscht , einmal einen Mann zu heirathen , den ich liebe , und lieben kann ich ihn so wenig , als man seinen Vater heirathen kann . Ich verehre ihn , ich bin ihm von Herzen dankbar , aber er ist ja viel , viel zu alt für mich ; lieben und heirathen könnte ich ihn nie ! sagte Agnes sehr bestimmt und fest . Da fiel ihr Eva um den Hals , küßte sie und rief : Du holdes , süßes Kind ! und Du hast es gar nicht geahnt , wie er Dir zugethan ist ? Du hast nie daran gedacht , daß Julian ' s Liebe Dich beglücken könnte ? Wie entzückt mich Deine Kindlichkeit ! Eine solche Schwester wie Du ! das muß ein großes Glück , eine wahre Wonne sein . Möchtest Du mich wohl zur Schwester haben , lieber Engel ? fragte sie , Agnes mit wahrer Zärtlichkeit liebkosend . Gewiß , sagte Agnes , denn wenn Sie es wollen , können Sie unwiderstehlich sein und ich liebe Sie , obgleich Sie mir oft recht wehe gethan haben mit Ihren häßlichen Neckereien in Theophil ' s Gegenwart . Es soll nie wieder geschehen , betheuerte Eva . Vergiß es , Liebchen ! und nenne mich Du . O ! so lieb wie ich Dich habe , so lieb hat Dich Niemand . Wie zeige ich es Dir nur ? Sie eilte zu ihrem Toilettentisch , nahm ein kostbares Armband , auf dem sie als Braut gemalt war und das ihrer Mutter gehört hatte , legte es Agnes an und sagte : Nimm das zum Andenken , und wenn Alles wird , wie wir Beide es wünschen , dann flechte ich Dir bald den Brautkranz in Dein wunderschönes Haar und bin selbst sehr , sehr glücklich . Aber so sprich doch , sage doch , daß Du meine neue Schwester bist , nenne mich Du , liebe Agnes ! Die beiden jungen Frauenzimmer umarmten einander , das trauliche Du ward oft von den blühenden Lippen gesprochen , manch süßes Geheimniß getauscht , und als später Theophil und der Präsident das junge Mädchen abzurufen kamen , erglühten Eva und Agnes in dunklem Erröthen und trennten sich mit der herzlichsten Umarmung . XIII Um die zwölfte Vormittagsstunde des nächsten Tages stieg eine reichgekleidete Dame die drei Treppen hinauf , welche zu der , von Therese am verwichenen Tage gegen Alfred genannten Wohnung führten . Es war Caroline . Sie hatte die letzten Worte gehört , die Alfred mit Therese bei Frau von Barnfeld gesprochen , und nicht gezweifelt , daß es auf eine Zusammenkunft zwischen den Liebenden abgesehen sei . In heftiger Eifersucht hatte sie kaum die Stunde erwarten können , in der sie sich Gewißheit über ihren Argwohn zu verschaffen dachte , und als sie ihren Mann nach eilf Uhr hatte ausgehen sehen , hatte sie sich angekleidet und den Weg nach dem bezeichneten Hause eingeschlagen . Sie sagte der dort Wohnenden , daß man sie ihr als eine geschickte Arbeiterin empfohlen habe und daß sie gekommen sei , ihr einige Aufträge zu geben . Frau Berent nahm diese mit großer Beflissenheit an , bedauerte aber , sie vermuthlich nicht so schnell ausführen zu können , als es verlangt ward , da die Krankheit ihrer ältern Tochter diese und sie selbst von der Arbeit abhalte . Caroline erklärte sich mit dem Aufschub einverstanden und Frau Berent wähnte nun das Geschäft abgethan , als sie mit Verwunderung bemerkte , daß Caroline sich niedersetzte und Boa und Muff von sich legte . Sie wohnen recht behaglich , liebe Frau , fing sie theilnehmend an , waren Sie immer so gut eingerichtet ? Ich habe bessere Tage gekannt , gnädige Frau , antwortete Jene , und habe mich bestrebt , mir durch angestrengte Arbeit den äußern Anstrich einer Wohlhabenheit zu erhalten , die nie wiederkehren wird . Meine Töchter und ich haben die Nächte zu Hilfe genommen , wenn wir Arbeit hatten , um uns nur nicht von den Möbeln zu trennen , die ich aus dem Hause meiner Eltern mitgebracht habe . Und hat der Präsident von Brand sich Ihrer in der letzten Zeit nicht angenommen ? Wie ein Schutzgott hat er für uns gesorgt ! rief Frau Berent aus . Er hat es dahin gebracht , daß mein Mann eine andere Wohnung bezogen , er hat uns durch seine Schwester Arbeit verschafft , die uns seit den letzten Monaten fehlte , und den Arzt zu meiner kranken Tochter geschickt . Mit wahrer Großmuth erspart