beinahe einen Schmuck bildeten . Das Wohnzimmer , das sich an diese geräumige Schlafstube schloß , war ganz morgensonnenhell , die weit zurückgelegten grünen Jalousien ließen das Auge zum Fenster hinaus über den Garten in eine Schweizergegend zu weit entlegenen Bergen hinschweifen ; seitwärts lag eine graue Stadt , es war Basel . Endlich schlug die junge Frau ein Paar wunderschöne , dunkle Augen auf und ein lichtes Freudenroth röthete ihre Wangen ; sie begrüßte mit dem frohen Blick zugleich den Tag , ihr Kind und ihren Mann , pfeilschnell von dem einen zum andern fliegend , so daß sie nicht einmal sogleich seine Reisetracht gewahrte . Vrenely , sagte Otto , indem er sich neben das Bett und die Wiege setzte und seiner Frau herzlich die Hand zum Gutenmorgen bot , während du die Angst der stürmischen Nacht ausschliefst , hat sich mein innerer Horizont stark umwölkt . Ich habe einen Brief von Duguet bekommen und werde in einer Stunde zu Annen reisen . Sie hat Kronberg verlassen . Ich möchte dir das Alles gern unter Gottes freiem Himmel erzählen . Steh ' auf , mein Kind , und komm ' mir nach in den Garten ! Noch einen Augenblick stand er an der Wiege , wie innerlich Abschied nehmend von dem süßen Kinde , und sah , still gerührt , dessen rosiges Gesichtchen sich an ; zu küssen wagte er es nicht , aus Sorge , es zu wecken . Vrenely nickte ihm ihre Beistimmung zu , sie sprach fast weniger noch als sonst , aber nach zehn Minuten schon saß sie neben Gotthard auf der Rasenbank und las , über seine Schulter hingelehnt , den traurigen Brief mit ihm zugleich . » Lieber Herr ! schrieb Duguet , ich muß Ihre Hoffnungen leider alle auf einmal zerstören . Es ist gar nichts besser geworden , seit uns die Familie des Grafen Viatti verlassen . Schlimm , ganz schlimm ist es geworden . Schon im vorigen Jahre , nachdem dieselbe im Februar nach Berlin gereist war , lebte unsre Frau Gräfin sehr still ; sie blieb des Tages über fast immer allein , ging selten in Gesellschaft , sah deren aber zu Haus an den vier Empfangsabenden , weil es der Herr so wollte . Monsieur de St. Luce kam alle Tage zu ihr - ach ! was hat er oft im Stillen gelitten um sie ! - aber sie klagte nie ; man sah ihr nur den heimlichen Kummer an . Im vorigen Herbst hatte der Herr Graf der Mad . Capacelli ein schönes Landhaus gekauft und es sehr kostbar einrichten lassen , da brachte er meistens seine Abende , oft auch die Mittagsstunden zu . Es war etwas wie eine gläserne Wand zwischen unserm Herrn und der gnädigen Gräfin . Seit Herrn Gotthards Abreise von Wien hatte sie keinen Muth mehr ; und nachdem einmal ein Brief des Herrn Louis Müller an den Grafen gekommen , schien dieser innere Zwiespalt noch um Vieles zugenommen zu haben . Der Herr Graf machten der gnädigen Gräfin eine furchtbare Scene , in welcher sie , wie es mir vorkam , mit großer Festigkeit antwortete , sie wisse um diese Sache nicht . Von da an ging es immer schlimmer ; so lange aber der kleine Joseph im Hause blieb , sorgte sie für das Kind , das leider sehr kränklich ist , das zog sie von sich ab . Als jedoch Joseph in Pension zu seinem Bruder kam , lebte sie eigentlich nur an Sonn- und Festtagen , wo sie die beiden Knaben sah . Unser Egon ist so wunderbar entwickelt , daß er mit zwölf Jahren einem Jüngling von sechszehn gleicht ; er hat in allen Classen die ersten Preise davongetragen , ist fest und entschlossen wie ein Mann . Vor etwa acht Tagen hieß es plötzlich , nun sollten Beide nach Preußen , Joseph in ein Cadettenhaus nach Berlin , Graf Egon nach Brandenburg in die Ritterakademie , um zu einem vollkommenen Cavalier erzogen zu werden . Nun , das muß man unserm gnädigen Herrn lassen , er ist selbst tapfer und ritterlich und voll feiner Sitte , wie ein Marquis aus der alten guten Zeit . Unglücklicherweise soll jedoch unser Egon schon so viel gelernt haben und ein so großes Genie sein , daß er über ganz Brandenburg und die Ritterschule weg ist ; ich glaube auch selbst , daß er mit zwanzig Jahren Minister werden könnte . Es sei rathsam , ihn in Berlin zu lassen , meinte die Familie . Das gab viel Streit , es wurden sehr viele Briefe geschrieben und ich weiß nicht , wovon eigentlich die Rede war ; der Herr Graf wurden aber mit einem Mal sehr heftig , was sie sonst selten in so hohem Grade sind , und befahlen , der Knabe solle gleich am folgenden Tage mit Mad . Capacelli , die zum Gastrolliren nach Berlin ging , dahin abreisen . Ich glaube immer noch , daß dem Herrn das Gastrolliren fatal war , denn er hat gewünscht , die Spanierin möge die Bühne ganz verlassen ; sie aber soll geäußert haben : nur eine Heirath könne ihr diese Pflicht auferlegen . Stellen Sie sich vor , bester Herr Professor ! daß nun plötzlich unser Egon erklärte , er wolle lieber zu Fuß nach Berlin gehen , als mit Mad . Capacelli fahren , unter dem Schutze einer fremden Comödiantin reise ein Graf Kronberg nicht ! Unser Herr schäumte vor Wuth - die Capacelli mußte es wol verlangt haben , um ihr Ansehen an den Tag zu legen ! - nun sollte die Gräfin Schuld sein an des Knaben Weigerung . - O lieber Herr ! was für ein Auftritt ! Als endlich die Saalklingel fünf bis sechs Mal heftig angezogen ward , stürzten wir , der Jäger , meine Frau und ich , Alle hinein - da lag unsere liebe , schöne Gräfin , todtenbleich und ohnmächtig auf der Erde in ihres Sohnes Armen . Er