sich entbietet . Vielleicht kann ich ihn vom Bann lösen ; vielleicht gilt es sein Leben . « Sowie der Name Marcello nur genannt wurde , schrie Donna Julia laut auf , heftig erschreckend . - » Also der Unglückliche , Verlorne , wagt es doch wieder , die verbotene Stadt zu betreten ? Er bringt sein Haupt zum Block . « » So dumm ist er nicht « , antwortete Peretti ; » ei was ! er ist wohl schon öfter hier gewesen , und hat fünf Tage hier in meinem Hause gewohnt , wovon ihr freilich nichts habt wissen dürfen . « » O Gott ! Gott ! Jesus Maria ! so steht es ? « schrie Donna Julia , ganz und gar aus der Fassung . Ein kalter Todesschweiß rann ihr in großen Tropfen von der Stirn über das leichenblasse Angesicht , das Haupthaar , weiß und braun gemischt , floß aus der leicht geschürzten Kopfbinde nieder , sie stürzte jetzt , die Hände in Verzweiflung ringend , auf die Knie und faßte krampfhaft den Mantel des fortstrebenden Francesco , um ihn festzuhalten . » Ihr müßt bleiben ! « rief ihre bebende Stimme , » bei allen Heiligen beschwöre ich Euch , denn Ihr rennt , ich seh es , in Euer Verderben . - Tochter ! Vittoria ! kniee mit mir , und flehe mit mir , mit Tränen und Schluchzen flehe den Hartnäckigen , den Wahnsinnigen an , daß er bei uns bleibt . « Sie stellte sich hoch aufrecht und erhob sich noch auf den Zehen , und drückte mit beiden Händen , diese auf die Schultern pressend , die Tochter mit gewaltiger Kraft auf den Boden nieder . Vittoria folgte dem Zwange nur mit halbem Willen . » Du bleibst ! « rief Virginia nun . » Sünder ! du bleibst ! Mein Fluch folgt dir , Unsinniger , wenn du die Schwelle überschreitest ! Sind nicht Ketten da , um den Rasenden , den Bösewicht an die Mauern zu schließen ? « Erblaßt standen die Diener umher , und schauten mit Entsetzen und zitternden Lippen dieser furchtbaren Szene zu . Die alte Amme bekreuzte sich und betete halblaut . Peretti aber stieß mit dem Fuß nach Vittoria , riß den Mantel so gewaltig aus den Händen der Mutter , daß diese zurücktaumelte , und mit den Ellenbogen auf den marmornen Fußboden schlug . So sprang er über die Türschwelle und Vittoria sendete einen tötenden Blick dem Wütenden nach . Auf der Straße angekommen , schüttelte sich Peretti schaudernd und murmelte : » Die Weiber sind voll süßen Weines , und meine Übermütige spricht mir , als wenn sie alles wüßte . Nun , morgen bin ich ihrer los . « Ein feiner Regen fiel , die Fackel leuchtete qualmend und rot in der Dunkelheit . So kamen beide unten bei Monte Cavallo an . Da fielen zugleich drei Schüsse und Peretti stürzte nieder . Der Diener entsprang . Dunkle Gestalten näherten sich dem auf dem Boden Liegenden , welcher nur matt winselte . Sieben Schwerter fuhren durch seinen Busen , er zuckte nicht mehr . Die Mörder überzeugten sich von seinem Tode und entfernten sich stillschweigend in verschiedenen Richtungen . Der Diener war , nachdem er die Fackel ausgelöscht hatte , mit Entsetzen nach dem Hause zurückgerannt . Hier waren alle noch in heftigster Bewegung und Aufreizung . » O welcher Schutz « , rief Donna Julia aus , » war uns dieser schwächliche Jüngling ? « Vittoria , noch so unangekleidet , wie sie gewesen , saß in einer Ecke und lehnte das Haupt in die Hand , den Arm auf den Tisch gestützt . Nun brachte man die Leiche , die der Diener mit den übrigen Leuten auf einer Bahre von der Straße geholt hatte . Caporale , der schon das Gerücht vernommen hatte , kam wieder ; alle waren stumm , oder nur einzelne Silben wurden im Saale vernommen . Jetzt ward Montalto gemeldet . Der kranke gebückte Greis setzte sich , ohne die andern zu begrüßen , auf den Boden zum Leichnam nieder . Er faßte dessen Hand und benetzte sie mit Tränen . Man hatte ihn nie vor andern Menschen weinen sehn . - Dann erhob er sich und tröstete Gattin und Mutter . Mit scheinbarer Ruhe sprach er von den Schickungen , denen sich alle Menschen unterwerfen , und die Hand des Vaters küssen müssen , auch wenn sie nach unserer Meinung etwas zu strenge züchtige . Als er in seine Wohnung zurückgekehrt war , begaben sich die Trauernden , Trostlosen auch wieder auf ihr Lager . Von der Reise nach Tivoli war nicht mehr die Rede . Sechstes Kapitel Ganz Rom war dieses Mordes wegen in Bewegung . Da man die Täter in finsterer Nacht nicht hatte ergreifen können , da niemand sie gesehn hatte , so erschöpfte sich jedermann um so mehr in Vermutungen . Leidenschaft und feindselige Gesinnung , Parteihaß und Vorliebe machten sich bei diesem tragischen Vorfall geltend , und hundert verschiedene Namen wurden genannt , sowie viele Vornehme angeklagt und von andern verteidigt . Der alte Kardinal saß noch angekleidet am frühsten Morgen auf seinem Zimmer , Schreck und Kummer hatten es ihm nicht erlauben wollen , sich auf sein Lager zu werfen und den Schlaf zu suchen . Seine Diener hatten ihm vieles , und mancherlei durcheinander erzählt , widersprechende Gerüchte und Fabeln , aber auch Tatsachen , die mit der Wahrheit übereinkamen . - » Also dieser Mensch « , sagte er zu sich selber , » dieser verruchte Marcello - er ist der Mörder , oder der Eingeweihte des Komplotts ! Er , dem ich mich als Wohltäter erwies , den ich damals vom Tode rettete , um den ich mein Gefühl des Rechtes unterdrückte , mir bittere Vorwürfe im Gewissen seinethalb machte - nun ja , nun hat er es mir vergolten , und ich muß mir in meinem stillen Innern sagen : daß mir recht