, und wollten und verlangten nichts weiter für ihre liebende Treue , als daß er sie sich gefallen lasse . In seine übrigen Verhältnisse eindringen , mehr , als er unaufgefordert ihnen mittheilte , erfahren zu wollen , war ein Gedanke , der den bescheidenen Seelen nie in den Sinn kam . In seinen Dienstverhältnissen fand Richard eben so wenig Stoff zur Klage , als in dem Betragen seiner Kameraden gegen ihn . Was war es denn , was bei jedem plötzlichen Geräusche in der Straße , bei jedem mit rauher oder fremder Stimme gesprochenen Worte ihn aufschreckte ? warum bei ringsum heitrem Himmel athmete er so gewitterschwer ? Ach , dem kundigen Schiffer gleich , ahnete er in tiefer Windstille den nahenden Sturm ; Lunins unheimliche Erscheinung , Torsons durch diesen ihm zugekommene Warnung , die abgebrochenen Worte , die er auf jenem Balle zu vernehmen gemeint , hatten ihn aufgeschreckt ; er fürchtete , er wußte selbst nicht was , und fand nirgends Rath , nirgends Erleichterung für sein sorgenvoll bedrücktes Gemüth . Der Fürstin Eudoxia seine Besorgnisse anzuvertrauen , konnte ihm nicht einfallen , eben so wenig der Geliebten . Er hatte ja oft genug erfahren , wie Helena alles gewandt von sich abzuweisen wußte , was anzuhören ihr entweder nicht angenehm war , oder nicht erlaubt schien . Überdem schien ihm beide , Mutter und Tochter , mit unbestimmten Besorgnissen aus ihrem genußreichen Leben aufschrecken zu wollen , beinahe ein Verbrechen , gewiß eine Thorheit zu sein . Denn durfte er Lunin , durfte er Torson , durfte er überhaupt jenen Maskenball gegen sie erwähnen , dem auch sie , in den Umgebungen des kaiserlichen Hofes , ein paar Stunden unter ganz andern Verhältnissen beigewohnt hatten ? Und immer weiter ins Unbestimmte wurde des Fürsten Andreas Rückkehr hinaus geschoben , sogar der Ort seines Aufenthaltes , den er , nach seinen kurzen Briefen zu schließen , sehr oft wechselte , war nicht mit Gewißheit zu bestimmen ; von Eugen war man seit längerer Zeit ohne alle Nachricht geblieben , und doch zeigten Mutter und Schwester seinetwegen sich völlig unbesorgt . Endlich , nach mehreren in beängstigender Ungewißheit hingebrachten Wochen , erfuhr Richard , daß Graf Stephan wieder angelangt sei . Zwar verletzte es ihn ein wenig , daß dieses nur zufällig geschah , doch ließ er sich dadurch nicht abhalten , sogleich zu ihm zu eilen . Rath , Trost , Aufklärung des Dunkels , das ihn beängstete , hoffte er von dem Grafen zu erhalten , aber sein Muth sank gewaltig , indem er der Wohnung desselben sich näherte ; sie sah nicht minder unbewohnt aus , als sie seit Jahr und Tag ausgesehen . Nichts im Äußern derselben verrieth die Gegenwart des Pracht und Geselligkeit liebenden Besitzers ; die Fensterblenden rings umher waren geschlossen , die bei Anwesenheit der Herrschaft sonst immer offen stehende Thorfahrt knarrte in rostigen , lange nicht gebrauchten Angeln , indem der graue Thorwärter sie für Richard öffnete , der einzige von der bunten Dienerschaar , der sich diesmal blicken ließ , die sonst in geschäftigem Müßiggange hier überall herum zu schwärmen pflegte . In der Überzeugung , daß ein bloßes Gerücht ihn getäuscht habe , war Richard schon im Begriffe wieder umzukehren , als er zu seinem großen Schrecken bemerkte , daß der Hof fußhoch mit Stroh bedeckt sei . Wem galt dies unverkennbare Anzeichen schwerer Krankheit , vielleicht gar des Todes ? Vergebens sah Richard sich nach Jemand um , der ihm darüber Auskunft geben könne ; der alte Thorwärter , welcher eben beschäftigt war , die Thorflügel wieder sorgsam zu schließen , blieb die einzige lebende Seele , die sich zeigte . Rede und Antwort von ihm zu erhalten war aber schwer , tiefe Verbeugungen bis an den Boden , und stumme , zum Eintritt in die Halle einladende Bewegungen der Hand , waren alles , was Richard auf die dringenden Fragen erhielt , mit denen er ihn bestürmte . Bin ich zurück in die Zeit der Feenmährchen versetzt , befinde ich mich in einem bezauberten Schlosse ? würde in fröhlicherer Stimmung Richard gewiß sich selbst gefragt haben , während er die verödeten Wohnzimmer seines Freundes durchstreifte , und überall , bei dicht verhängten Fenstern , die nämliche Stille ihn umfing . Endlich ließen doch Schritte eines Nahenden sich vernehmen ; eine , in den abgelegensten Theil des Hauses führende Thür , wurde so geräuschlos als möglich geöffnet , und hinein sah ein blasses , abgehärmtes Gesicht , welches Richard sogleich als das ihm wohl bekannte des treuesten und vertrautesten Dieners des Grafen Stephan begrüßte . Doch auch dieser , so willkommen ihm Richard auch war , bezeigte sich wenig geneigt , ihm die Auskunft zu geben , nach welcher er so sehnlichst verlangte . Walter war von Geburt ein Deutscher , und , wie das in großen russischen Häusern oft der Fall ist , von Jugend auf seinem jetzigen Gebieter erst als demüthiger Spielgeselle , dann als Kammerdiener zugegeben worden . Soviel dieses mit seiner Stellung im Leben sich vereinigen ließ , hatte er mit seinem Gebieter gleiche Erziehung genossen , und hing jetzt mit aller Kraft seines redlichen Gemüthes an ihm und seinem Hause . Oft hatte Richard die Wendung , die das Geschick mit ihm selbst genommen , mit der , des in der ersten Anlage ihm so ähnlichen Schicksals dieses vorzüglich treuen , verständigen Mannes verglichen , und es gab manche Stunde in seinem Leben , in der er ihn glücklicher achtete als sich selbst . Thränenschwer , aus tiefster Brust aufseufzend , aber schweigend führte Walter den Freund seines Herrn durch eine lange Reihe dunkler Zimmer , welche Richard nie zuvor betreten , in ein kleines , der Tageshelle fast hermetisch verschlossenes Gemach . Schwarze Teppiche bekleideten die Wände , auf hohen , in schwarzen Krepp gehüllten Kandelabern , brannten in den Ecken große Kerzen von gelbem Wachs , und verbreiteten ein trübes flackerndes Licht , wie in einer Todtengruft . Richard