und der Sommernacht , die sich anständig , ja selbst möglich nur in dieser Bühneneinrichtung gestalteten . Als er mit seiner Zeichnung schon ziemlich weit gediehen war , kam Emmrich hinzu , und beide arbeiteten nun gemeinschaftlich . Der Professor sagte : » Es gefällt mir an Ihnen , werter Herr Leonhard , daß Sie so leicht die fast angebornen Vorurteile anderer Architekten haben ablegen können ; denn diesen schweben in der Regel , wenn von einem Theater die Rede ist , gleich alle die Kindereien und hergebrachten Torheiten vor , die ich für unnütz oder schädlich halte . « » Wenn wir etwas Neues lernen « , sagte Leonhard , » müssen wir uns diesem gleich ganz hingeben können , damit nicht eine widernatürliche Vermischung zweier entgegengesetzten Dinge entstehe , die schlimmer als alles ist . « » Sehr wahr « , sagte Emmrich , » und doch glauben oft kluge Menschen , durch eine solche Vermittelung , wie sie es nennen , allen Forderungen zu genügen . « » Weil so wenige Menschen bedenken « , sagte Leonhard , » daß das Rechte und Tüchtige in sich vollständig sein und aus einem Stücke bestehen muß . Mäkeln denn nicht so viele , auch geistreiche an Meisterwerken ? Ist es denn nicht in der Regel das Einzelne , Unzusammenhängende , was die Menschen entzückt ? Die meisten sind viel zu kraftlos , um den Glauben und die Demut zu finden , die unerlaßlich sind , um ein echtes Kunstwerk zu verstehen . « » Das gefällt mir « , erwiderte Emmrich , » daß Sie behaupten , aus Kraft gehe die echte Demut hervor . Nichts ist so unbändig als die Schwäche und Geistesohnmacht . Sie widerstrebt allem Großen und Vollendeten , besonders in der Kunst , sie will keine Autoritäten anerkennen , um sich sklavisch vor dem ersten besten Scharlatan zu erniedrigen , der die geringe Kunst des Taschenspielers besitzt , diesen hochfahrenden Mittelmäßigen zu imponieren . « » Auch jene trockene Altklugheit « , fuhr Leonhard fort , » ist Schwäche . Diese echten Philister meinen , in ihrem Innern das höchste Ideal zu besitzen , und nun gehen sie sich gar nicht einmal mehr die Mühe , in ein Kunstwerk einzudringen , sondern sie bleiben recht mit Vorsatz außerhalb vor demselben stehen und schauen nun mit blödem Auge an der Poesie und dem Gemälde umher , um nur schnell die Mängel zu finden , die nach ihrer Aussage zum Ideal noch fehlen . « » Wie Sie schon früher bemerkten « , sagte Emmrich , » so ist eben jedes echte Werk , das der wahren Kunst angehört , in sich selbst begrenzt und vollendet . Aber von jenem ganz verwerflichen Eklektizismus eines Mengs , der die Vorzüge eines Raffael , Tizian und Correggio vereinigen wollte , können sich selbst in unsern Tagen manche hochbegabte Geister nicht losmachen , die für Stimmführer der bessern Zeit und Einsicht gelten wollen . « Hier wurden sie unterbrochen , indem Elsheim hereintrat , welchem der Schulmeister folgte . » Ich bringe hier einen Supplikanten « , sagte Elsheim lachend , » der sich durchaus nicht will abweisen lassen . « » Ja wohl « , sagte der Schulmeister ; » ich habe nämlich gehört , daß wieder eine Komödie im Werk ist , und nun sagt mir der Herr Baron , daß Sie , Herr Professor , das Ding diesmal unumschränkt dirigieren , daß er nichts dabei zu befehlen habe , daß ich aber keine Rolle darin bekommen soll , da ich mich doch bei der vorigen Aufführung gewiß zu meinem Vorteil ausgezeichnet habe . « » Lieber Mann « , sagte Emmrich , » Sie haben gewiß recht wacker agiert , aber unser Herr Baron wünschte doch deswegen hauptsächlich Ihren Beistand , weil Selbitz mit einem Stelzfuß auftreten muß ; dieser qualifizierte Sie gleichsam von Natur zu jener Rolle ; in dem Lustspiel aber , welches wir jetzt geben wollen , erscheint kein Mann mit dieser Verstümmelung . « » Lassen Sie sich dienen « , erwiderte der Schulmeister mit der größten Lebhaftigkeit . » Unser junger Herr Baron hat das Stück vom Götz recht sehr hübsch eingerichtet , abgekürzt und umgearbeitet , damit wir es auf dem Theater spielen konnten . Das muß so höre ich und habe es auch gelesen , immerdar mit so widerhaarigen Dingen geschehen , die in unsern Zeiten , da wir viel feiner sind , erst eine anständige Frisur erhalten müssen . Mit dem britannischen wunderlichen Poeten ist das aber am allernötigsten und geschieht auch immer von einsichtigen Leuten . Ich habe mir nun das Buch geben lassen und das schnurrige Ding gelesen . Es ist freilich nicht viel dran , es ist sehr leichte und lose Ware ; indessen da Sie , geehrter Herr Professor , einmal eine Vorliebe für die schnakische Komödie haben , so bin ich gekommen , Ihnen einen recht akzeptablen Vorschlag zu tun , der Ihnen auch Ehre bringen wird . Als der Häscher oder Gerichtsfron nämlich den alten Antonio , den Seecapitain , seinem jungen Herzoge als Gefangenen vorstellt , sagt er unter andern Worten auch ungefähr so : Das ist der Antonio , der den Phönix enterte , wo Euer junger Neff ein Bein verlor . - Die Rede ist mir gleich aufgefallen . Setzen wir statt dessen : wo Euer alter Ohm ein Bein verlor , und bringen Sie so , verehrter Herr Professor , mir und der Komödie zuliebe einen alten , tüchtigen , tapferen und welterfahrenen Mann in das Stück , der wieder , wie Selbitz , einen Stelzfuß haben kann und muß . Begreifen Sie nur , Herr Professor , daß es überhaupt in dem Stück an einem verständigen Manne fehlt , denn die meisten sind wirkliche Narren . Dieser Oheim kann also klüger sein , als alle , er kann gewissermaßen die Politik des Herzogs lenken ; er ist auch gegen das Heiratsprojekt mit der abenteuerlichen Olivia , er möchte