der stärksten Mittel und nach Oeffnung einer Ader , erwachte die Herzogin aus ihrer Starrsucht , die jedoch eine fast ebenso gefährliche Erschöpfung und Reizbarkeit des ganzen Körpers zurück ließ . Es war bei der Hülfe , die man in Anspruch nehmen mußte , unmöglich gewesen , den Zustand der Herzogin den übrigen Bewohnern des Schlosses zu verbergen , und so fanden sich bald ihre Kinder , so wie Graf Archimbald , der nie eine angemessene Theilnahme verabsäumte , im vordern Raum des Schlafzimmers ein , mit besorgtem Herzen dem Ausspruch Stanloffs horchend , der noch immer in schweigender Thätigkeit mit den Kammerfrauen um die Kranke beschäftigt blieb . Der junge Herzog stand bleich mit unterschlagenen Armen und krampfhaft geschlossenen Lippen dieser bangen Scene zunächst , und die Qual seines Herzens zeigte sich in jedem Zuge , wie er auch männlich ringen mochte , sie zu bekämpfen . Er schien für Alles um sich her verloren und weggewendet von der rührenden Gruppe seiner Schwestern , die in den Armen der weinenden Gräfin Melville ihren Schmerz ergossen , für diese keinen Blick zu haben . Graf Archimbald saß neben seiner erschütterten Mutter , liebevoll eine ihrer kalten Hände in den seinigen haltend , und halb gerührt und halb verlegen über eine Lage , in der er sich so wenig Geschick zutraute , schaute er zuweilen nach dem ernsten , gesenkten Auge der alten Lady empor , die , in trüben Gedanken verloren , mit Ergebung , aber tiefem Kummer der Entscheidung harrte . Der Abend war indeß herabgesunken , nur undeutlich hoben sich noch die einzelnen Figuren aus dem dunkeln Raume , und vermehrte das Bange und Beklommene des Augenblicks . Eben hatte Gräfin Melville ihre jungen Freundinnen , auf Stanloffs Bitte , aus dem Zimmer geleitet , da schoben sich behutsam die Vorhänge von dem Eingange zurück . Eine männliche Gestalt trat hastig hindurch , und , ohne von den Anwesenden abgehalten oder nur bemerkt zu werden , hatte der Eintretende in leichten , raschen Schritten das Bett der Herzogin erreicht . Man sah ihn Stanloffs Arm ergreifen , man ahnte den Inhalt der Zeichen , in denen Antwort und Frage sich begegneten , und sah im nächsten Augenblick den jungen Herzog an seine Brust sich stürzen . Richmond ist angekommen , sagte in diesem Augenblick Graf Archimbald mit einer plötzlich von Freude bewegten Stimme zu seiner Mutter , die nun zur Bewegung wiederkehrend die Augen erhob , um beide Brüder in einer Umarmung zu sehen , die der Schmerz um die geliebte Mutter fast unauflöslich zu machen schien . Ich habe sie getödtet , Richmond , seufzte der Herzog , ich habe über dies noch so tief bekümmerte Herz neue Leiden gebracht , von mir werdet Ihr die Mutter fordern ! Unverständlich , wie diese Worte für Richmond sein mußten , sah er in ihnen blos die Exaltation des Schreckens und der Besorgniß , und erwiederte schnell und leise : Fasse Dich , Robert ; Stanloff verbürgt ihr Leben , ja , ihr Zustand scheint ihm kaum gefährlich . Doch laß uns eilen , die hier Versammelten zu entfernen , Stanloff verlangt bei ihrem nahen Erwachen die höchste Ruhe , und keiner der Anwesenden würde in der Stimmung sein , sie ihr zu gewähren . - Doch auch die Worte wurden sogleich unterbrochen , denn von dem Bette her drangen plötzlich die weichsten Töne der Liebe herüber , welche den Namen Richmond zwar leise , aber deutlich aussprachen . Fast im selben Moment kniete der so rührend Gerufene an dem Bette der mit diesem Namen aus ihrem Todesschlaf erwachten Herzogin , und das von Erschöpfung fast blinde Auge suchte den Liebling und fühlte von seinen Küssen ihre Hände belebt , von seinen zärtlich kindlichen Worten das kranke Herz erquickt , und der feine Zug eines Lächelns , womit sie ihm lohnen wollte , bannte wenigstens die starren Züge des Krampfes von ihrem Gesicht , wenn auch der Versuch , zu sprechen , sich aufs Neue nur auf seinen geliebten Namen beschränkte . Stanloff , der die Ergießung des Gefühls nicht ungern sah , drang doch jetzt darauf , sie abzukürzen . Die Herzogin ließ sich dies auch sogleich gefallen , und Richmond , zu tief erschüttert , um sich jetzt seiner Familie mitzutheilen , enteilte durch eine ihm wohlbekannte Thür in die Zimmer der Mistreß Morton . Graf Archimbald und Stanloff hatten indeß genug zu thun , um den jungen Herzog zu entfernen , der , von unbestimmter Angst getrieben , an ihrem Bette bleiben , und jede Pflege mit Stanloff und den Frauen theilen wollte . Er gab endlich nach , von den ersten Worten seiner Großmutter ergriffen , die , zu einer ihr sonst fremden Strenge sich erhebend , ihn fragte , ob es noch Liebe sei , wenn man durch hartnäckige Behauptung seines Willens Gefahr laufe , mehr zu schaden , als zu helfen ? Aber als die Familie sich nun in den untern Sälen beisammen fand , fühlte Jeder die traurige Stimmung des Andern zu sehr , als daß eine leidliche Haltung hätte eintreten können , und man sah sehnsüchtig der Rückkehr Richmonds entgegen , dem alle Herzen entgegen schlugen ; durch sein Ausbleiben ward namentlich die Ungeduld der Schwestern , die sich auch von dem Troste der Lady Maria verlassen sahen , aufs Höchste gesteigert . Doch war eine ungestörte Ergießung ihrer Liebe ihnen heute nicht vergönnt , denn Ottwey erschien mit seinem ceremoniösen Wesen , der alten Herzogin , in Abwesenheit seiner Herrin , die Meldung eines Reisezuges zu machen , der zwei Pagen zur Ankündigung seiner unverzüglichen Ankunft vorangesendet habe . Die alte Herzogin erlaubte , mit Zuziehung des Herzogs , die Einführung der Pagen , Graf Archimbald schlich sich leise davon , in der Hoffnung , auf Richmond zu stoßen , nach dem er fast ein ungeduldiges Verlangen trug . Er sehnte sich überdies mächtig aus dieser schwülen Luft , in der er nur auf leidenschaftliche Gefühlsaufregungen stieß , zurück in