anstrenge und weit mehr als meine Kameraden leiste ? Wenn Du ein recht großer berühmter Gelehrter wirst , antwortete ihm Dübois , so daß andere Gelehrte einmal Deine Lebensgeschichte schreiben , wenn sie dann berichten , wie Du verloren gewesen wärest und die Welt niemals Deine Kenntnisse zu ihrem Segen hätte benutzen können , wenn nicht der Graf Hohenthal als Dein Beschützer aufgetreten und Dich vom Verderben errettet hätte , so daß die Welt seiner Großmuth die Erhaltung eines ausgezeichneten Geistes verdankt , glaubst Du nicht , daß dann der Graf mit Stolz auf Dich blicken wird , daß Du ihm Ehre machen kannst ? Und dann muß auch gesagt werden , rief der Knabe mit glühenden Wangen , indem er sich in die Arme des Alten warf , wie Herr Dübois für mich gesorgt hat , wie er mich aus der Gemeinschaft mit den Bedienten errettet hat , und alles , alles , was Sie für mich gethan haben , muß erwähnt werden . Mache nur , daß ich es recht bald erlebe , sagte der gute alte Mann , daß mein Name so ehrenvoll genannt wird , dann werde auch ich Dich mit Stolz betrachten ; aber bedenke , daß Du erst noch sehr Viel lernen mußt , ehe wir alle diese Freude haben können . Daran soll es gewiß nicht fehlen , rief der Knabe mit Begeisterung , das werden Sie schon sehen , so lange ich hier bin , wie ich Tag und Nacht studiren will . Er ging auch sogleich , aus der Bibliothek die nöthigen Bücher zu holen , um diesen löblichen Vorsatz auszuführen . Die Gesellschaft des Schlosses Hohenthal legte den Weg zum Baron Löbau in großer Heiterkeit zurück , denn obgleich der Himmel bedeckt war , so war der Tag doch mild , warm , und der Weg führte durch anmuthige Thäler , die von klaren Bächen durchrieselt waren . Der Blick auf die nahen Gebirge gewährte Mannichfaltigkeit , und das Geläute der weidenden Heerden erregte das Gefühl des Friedens ländlicher Einsamkeit . Wenn ich mich auch ein wenig davor fürchte , sagte die Gräfin , einen großen Theil der Nacht für die Freuden der Geselligkeit aufopfern zu müssen , so ist es doch , als Spazierfahrt betrachtet , ein großer Genuß , den Weg durch diese Thäler zu machen . Man gelangte endlich auf Heimburg an , und der Baron Löbau empfing seine Gäste mit sichtbarer Freude . Er hatte befürchtet , da sie später als die übrige Gesellschaft kamen , daß irgend ein Unfall sie überhaupt verhindern würde , ihr Versprechen zu halten , und dieß würde ihm aus vielen Gründen höchst kränkend gewesen sein ; denn erstens hielt er den Grafen für den vornehmsten und reichsten von allen seinen Nachbarn , dann hatte er die Absicht , dessen Fest durch das seinige merklich zu überbieten , und endlich beabsichtigte er noch einen Plan auszuführen , von dem er hoffte , daß er ganz besonders zum Glanze seines Festes beitragen sollte . Die Wolken von übler Laune also , die sich schon auf seiner Stirn gelagert hatten , zerstreuten sich , so wie der Graf mit seiner Gesellschaft den Saal betrat , und er wurde sehr heiter , als die Gräfin und Emilie aufrichtig die schönen Pflanzen und Blumen bewunderten , womit die Säle geschmückt waren ; verdrüßlich wurde er zwar wieder etwas , als einige Tropfen Regen fielen , und trat mit sichtbarer Unruhe auf den Balkon hinaus ; bald aber kehrte er beruhigt zurück , denn der Regen ließ sogleich wieder nach . Seine näheren Bekannten schlugen nun der Gesellschaft einen Spaziergang in den Park vor . Die Damen betrachteten ihre Kleider und wären gern zurück geblieben ; da aber die ganze Gesellschaft aufbrach , mußte man sich fügen . Der Baron führte mit unendlicher Selbstzufriedenheit den Zug an , leitete die Gesellschaft in der That durch anmuthige Anlagen , die wohl befriedigt haben würden , wenn man sie einfach , ohne immer zum Bewundern gezwungen zu werden , hätte besuchen dürfen ; da er selbst aber sich bei einer jeden schönen Aussicht überrascht und entzückt zeigte , und behauptete , daß er sie jetzt zum ersten Male bemerkte , obgleich seine näheren Bekannten diese Ueberraschung schon oft mit ihm getheilt hatten , so wurde das Vergnügen der Gesellschaft sehr vermindert . Auf dem Bache , der den Park durchschlängelte , zeigten sich von Zeit zu Zeit Kähne mit Menschen , die beschäftigt waren zu fischen . Der Baron schalt auf die Freiheit , die sie sich genommen hatten , machte aber gegen seine Gäste die Bemerkung , daß die Unverschämtheit dieser Menschen doch dazu beitrüge , in die Landschaft Leben zu bringen , und daß er sich gern seine Fische stehlen ließe , da dieser Umstand seinen Gästen zufällig den angenehmen Anblick des regen Lebens in den grünen Buchten verschaffte . Die Gäste lobten die Wirkung , die die Fischerkähne machten , und bewunderten die Großmuth des Barons , der sich den Diebstahl um der malerischen Wirkung Willen gefallen lasse . Die Fischer ließen sich mit Ruhe schmälen und brachten , nachdem sie ihr Geschäft vollendet hatten , die Fische in die Küche des Barons , wie es ihnen schon am vergangenen Tage war befohlen worden . Bei der weiteren Fortsetzung des Spaziergangs gerieth der Baron auf einmal außer sich , denn eine Heerde auserlesen schönen Rindviehes weidete an dem Abhange eines Hügels ; er beklagte sich heftig über die Frechheit des Hüters , daß er sich erlaube , die Heerde dorthin zu treiben und seine junge Anpflanzung dadurch zu zerstören . Diejenigen unter den Gästen , die den Baron weniger kannten , hielten seinen Zorn in der That für ernstlich und fürchteten für den Hüter der Heerden ; seine vertrauteren Bekannten aber machten ihn darauf aufmerksam , welche schöne Wirkung die weidende Heerde zwischen den grünen Bäumen mache , und diese Bemerkung beruhigte ihn sichtlich ; er machte nun selbst auf die Schönheit des Viehes aufmerksam