, wie öde und mangelhaft es in mir ist : daß die Zeit kommen werde , wo ich Dir mehr sagen und Dich mehr fragen kann . Einmal wird mir doch einleuchten , was ich zu wissen fordere . Das deucht mir der einzige Umgang mit Gott , nämlich die Frage um das Überirdische ; und das scheint mir die einzige Größe des Menschen , diese Antwort zu empfinden , zu genießen . Gewiß ist die Liebe auch eine Frage an Gott , und der Genuß in ihr ist eine Antwort von dem liebenden Gott selbst . 4. Februar Hier im Schloß , welches man die Residenz heißt und siebzehn Höfe hat , ist in einem der Nebengebäude ein kleiner einsamer Hof , in der Mitte desselben steht ein Springbrunnen : Perseus , der die Medusa enthauptet , in Erz von einem Rasenplatz umgeben ; ein Gang von Granitsäulen führt dahin ; Meerweibchen , von Ton und Muscheln gemacht , halten große Becken , in die sie ehemals Wasser spien , Mohrenköpfe schauen aus der Mauer , die Decke und Seiten sind mit Gemälden geziert , die freilich schon zum Teil heruntergefallen sind , unter andern Apoll , der auf seinem Sonnenwagen sich über die Wolken bäumt und seine Schwester Luna im Herunterfahren begrüßt ; der Ort ist sehr einsamlich , selten daß ein Hofbedienter quer durchläuft , die Spatzen hört man schreien , und den kleinen Eidechsen und Wassermäuschen seh ich da oft zu , die im verfallnen Springbrunnen kampieren , es ist dicht hinter der Hofkapelle ; manchmal höre ich am Sonntag da auch das hohe Amt oder die Vesper mit großem Orchester ; Du mußt doch auch wissen , wo Dein Kind ist , wenn ' s recht treu und fleißig an Dich denkt . Adieu , leb recht wohl , ich glaub gewiß , daß ich dieses Jahr zu Dir komme und vielleicht bald , denk an mich , wenn Du Zeit hast , so schreib mir , nur daß ich Dich so fort lieben darf , mehrere von meinen Briefen müssen verlorengegangen sein , denn ich hab vom Rhein aus noch mehrmals an Dich geschrieben . Die Frau bitte ich herzlich zu grüßen , ich weiß nicht , ob eine kleine Schachtel , die ich ihr unter Deiner Adresse schickte , verlorengegangen ist . München , 5. Februar Bettine Meine Adresse ist Landshut bei Savigny . Verehrte Freundin ! Empfangen Sie meinen Dank für die schönen Geschenke , welche ich von Ihnen erhalten habe , es hat mich außerordentlich gefreut , weil ich daraus ersah , daß Sie mir Ihr Wohlwollen fortdauernd erhalten , um das ich noch nicht Gelegenheit hatte , mich verdient zu machen . Ich war nun acht Wochen in Frankfurt , die Ihrigen alle haben mir viel Gutes erzeugt , ich weiß wohl , daß ich dies alles der großen Liebe und Achtung , die man hier für die verstorbene Mutter hegte , zu danken habe ; doch hab ich Ihre Gegenwart sehr vermißt , Sie haben die Mutter sehr geliebt , und ich hatte auch verschiedene Aufträge vom Geheimen Rat an Sie , von denen er glaubte , daß Sie dieselben gerne übernehmen würden ; ich habe nun alles so gut wie möglich selbst besorgt in diesen traurigen Tagen . Alles , was ich von Ihrer Hand unter den Papieren der Mutter fand , hab ich gewissenhaft an die Ihrigen abgegeben ; ich fand es sehr wohlgeordnet mit gelben Band zugebunden und von der Mutter an Sie überschrieben . Sie machen uns Hoffnung auf einen baldigen Besuch , der Geheime Rat und ich sehen diesen schönen Tagen mit Freuden entgegen , nur wünschen wir , daß es bald geschehe , da der Geheime Rat wahrscheinlich in der Mitte des Monat Mai wieder nach Karlsbad gehen wird . Er befindet sich diesen Winter außerordentlich wohl , welches er doch den heilsamen Quellen zu danken hat . Bei meiner Zurückkunft kam er mir ordentlich jünger vor , und gestern , weil große Cour an unserm Hof war , sah ich ihn zum erstenmal mit seinen Orden und Bändern geschmückt , er sah ganz herrlich und stattlich aus , ich konnte ihn gar nicht genug bewundern , mein erster Wunsch war , wenn ihn doch die gute Mutter noch so gesehen hätte ; er lachte über meine große Freude , wir sprachen viel von Ihnen , er trug mir auf , auch in seinem Namen zu danken für alles Gütige und Freundliche , was Sie mir erzeugen , er hat sich vorgenommen , selbst zu schreiben und meine schlechte Feder zu entschuldigen , mit der ich nicht nach Wunsch ausdrücken kann , wie wert mir Ihr Andenken ist , dem ich mich herzlich empfehle . Weimar , am 1. Februar 1809 C.v. Goethe An Bettine Du bist sehr liebenswürdig , gute Bettine , daß Du dem schweigenden Freunde immer einmal wieder ein lebendiges Wort zusprichst , ihm von Deinen Zuständen und von den Lokalitäten , in denen Du umherwandelst , einige Nachricht gibst ; ich vernehme sehr gern , wie Dir zumute ist , und meine Einbildungskraft folgt Dir mit Vergnügen sowohl auf die Bergeshöhen als in die engen Schloß- und Klosterhöfe . Gedenke meiner auch bei den Eidechsen und Salamandern . Eine Danksagung meiner Frau wird bei Dir schon eingelaufen sein , Deine unerwartete Sendung hat unglaubliche Freude gemacht , alles ist einzeln bewundert und hochgeschätzt worden . Nun muß ich Dir auch schnell für die mehreren Briefe danken , die Du mir geschrieben hast , und die mich in meiner Karlsbader Einsamkeit angenehm überraschten , unterhielten und teilweise wiederholt beschäftigten , so waren mir besonders Deine Explosionen über Musik interessant , so nenne ich diese gesteigerten Anschauungen Deines Köpfchens , die zugleich den Vorzug haben , auch den Reiz dafür zu steigern . Damals schickte ich ein Blättchen an Dich meiner Mutter , ich weiß nicht , ob Du es erhalten hast . Diese Gute ist nun von uns gegangen ,