ich nur der auserlesensten Fürsprache den biedern Willkomm , der mich in Euerm kleinen Familienkreise schon im Augenblick meines Eintritts heimisch macht . Vergebt daher der Überlästigen . « - Bilger ' s Ehewirthin antwortete auf diese bescheidnen Worte aus der Fülle ihres guten Herzens , und ein gutes Verständniß , wie es öfters zwischen Frauen sich befestigt , - wenn auch nur durch luftgewebte Bande - spann sich auch hier an . Die Fremde wußte durch alle kleine Künste , die sich unbemerkt in Gespräch und Thun entfalten , das Vertrauen der Hausfrau zu erringen , und sich über das Gemüth derselben in ' s Klare zu setzen . Katharine , dieß einfach herzlichgute Wesen , schlicht , wie das Kleid , das sie trug , aber auch rein wie dieses , verhüllte nicht lange den Spiegel ihrer Seele , ohne daß sie daran gedacht hätte , einen Blick unbescheidner Neugier in die Augen des Gastes zu werfen . Die von dem Kaiser und ihrem Gatten ihr Anvertraute nahm nun die erste Stelle in ihrem Hauswesen ein . Sie war das Ziel aller kleinen Sorgen und Rücksichten geworden . Zart und anspruchslos bot ihr Katharine ihre dienstfertige Freundschaft , empfahl sie ihrer Güte das aus dem Schlummer erwachte Kind . Bilger sah dieß Alles mit an , und freute sich der Milde seines gefürchteten Besuchs ; aber diese Freude war im Grunde nur die scheue Hoffnung auf einen bessern Ausgang . So unbefangen und heiter auch seine Züge schienen , wenn der Wohlstand verlangte , dem Gaste einige Worte der Theilnahme zu schenken , oder auf irgend eine gleichgültige Frage desselben zu antworten , so finster wurde sein Auge , so sturmbewegt sein Herz , wenn er sein Kind in den Armen der Fremden sah ; wenn er vernahm mit welchen Schmeicheltönen sie das Mägdlein kirrte , - mit welcher Bereitwilligkeit das Kind ihre Liebkosungen erwiederte . Ihm war , als müsse er dazwischen treten , sein Eigenthum an seine Brust drücken , um es vor bösem Zauber zu retten ; aber kraftlos sank der aufgerichtete Nacken , und die ausgestreckte Hand , so bald Wallradens Blicke auf ihn fielen , und seine Gattin in ihrer unschuldigen Fröhlichkeit betheuerte , ihre Tochter habe sich außer den Eltern noch Niemand so liebevoll genähert , als ihrer werthen Gastfreundin . - Erst spät trennte man sich . Katharine geleitete das Fräulein auf ihr Gemach , und verrichtete den Zofendienst bei ihr , während der Wildmeister im weiten Armsessel bei düstrer Lampe Schimmer einsam und unruhig sich bald hin und her warf , bald mit verschränkten Armen wehmüthig und kummervoll vor sich hinsah . Die kurze Viertelstunde , binnen welcher sein Weib abwesend war , dünkte ihm eine Ewigkeit , und mit einer besondern Ängstlichkeit , schlecht verhehlt , um desto auffallender jedoch , suchte er in den Augen der Zurückkehrenden zu lesen . Katharine konnte nicht Ausdrücke genug finden , um die sanfte Herablassung und Bescheidenheit des Fräuleins zu beloben , und machte schließlich dem Gatten kund , daß die Fremde ihn morgen auf ihrem Gemache erwarten werde , um ihm einen Auftrag von hoher Wichtigkeit anzuvertrauen . Flammen schlugen nun aus dem bisher bleichen Gesichte des Herrn von der Rhön , und Katharinens Unbefangenheit konnte nicht umhin , diesen schnellen Farbenwechsel zu bemerken . - » Was ist Dir , guter Rudolf ? « fragte sie besorgt : » bist Du krank ? Dein Antlitz ist bald Glut , bald Asche . Du fieberst . Rede doch ; - reiße mich aus meiner Angst . « - Der Wildmeister lächelte verlegen , und versuchte es , ihrer Besorgniß zu spotten . » Ei , lieb Weib , wo denkst Du hin ? « erwiederte er , so gefaßt als möglich : » Mir ist wohl , trotz Einem , und Du wirst mir ' s glauben , wenn ich Dir sage , daß ich jetzt noch nach den Fallen sehen will , die ich im Zwinger stellte . Ich vernahm vorhin einen Laut , wie das Gebelle eines Fuchses . Gewiß hat der Feind unsers Hühnerstalles , dem ich so lange nachgestellt , die Schnauze oder eine Klaue in der Falle gelassen . Geh indessen zu Bette ; ich komme bald zurück . « - Katharine wollte ihn von diesem späten Rundgange abwendig machen , allein er blieb unbeugsam bei seinem Vorhaben . Ihm ward leichter , da er in der freien Luft stand , und der Nachtfrost kühlte wie ein weicher Balsam seine glühenden Pulse . Er löschte die Leuchte , die des Mondes Schein entbehrlich machte , und wandelte in dem Mauerschatten des schmalen Zwingers nachdenkend und überlegend dahin , bis ihn endlich im Dahinlaufen auch die Bewegung verließ , und er sich unwillkürlich fest in die dunkle Ecke schmiegte , welche das vorspringende Marienbild am Brunnen bildete . Während er nun sich in unbeweglicher Fühllosigkeit seinen trüben Gedanken überließ , hörte er jenseits des Verhau ' s am Graben einen leisen Werdaruf , und das Gesumme zweier Männerstimmen , das im Anfang unverständlich , dem aufmerksamen Zuhörer in der stillen Nacht bald vernehmlich wurde . » Ei so rede , Bertram , « sprach die eine Stimme : » überall verschlossen , sagst Du ? « - » Wie ein Kloster ; « erwiederte der andre Mann : » Der grimmige Thorhüter berichtete mir , daß in der Nacht niemals ein Pförtchen geöffnet werde . « - » Sie ist aber doch im Schlosse ? « fragte der Erste weiter . » Ohne Zweifel , « antwortete der Zweite : » man hat sie ja in der Dämmerung einreiten gesehen . Der Wildmeister hatte sie eingeholt . « - » Teufel ! wenn ich genarrt wäre ! « brummte der Erste : » Ihr Brieflein lautet so honigsüß , aber auch Gift kann man mit Honig würzen . « - » Ja wohl , Herr Graf ; « meinte der Andre : » ' s wäre nicht