zu beschließen . Zuschauer und Schauspieler sahen dieser Darstellung mit der gespanntesten Erwartung entgegen , welche freilich die vielen Proben und andre Vorkehrungen erregen mußten , mit denen Allwill die ganze Zeit über gestrebt hatte , die Erscheinung seines Stücks so vollkommen als möglich vorzubereiten . Zum erstenmal in seinem Leben , wenn gleich nur auf einem Privattheater , sollte dem Dichter die Erfüllung seines sehnlichsten Wunsches werden ; er sollte die Schöpfung seiner Fantasie auf den magischen Bretern ins plastische Leben gerufen sehn . Mit welchem Enthusiasm er daher bei der Anordnung dieses Festes zu Werke ging , ist leicht zu erachten . Jahrelang hatte er gestrebt bis zur lampenhellen Bühne durchzudringen , ohne daß es ihm , trotz der Klagen über Mangel an guten neuen Komödien , gelungen wäre . Ein Schicksal , welches fast alle Dichter mit ihm theilen , die ihre theatralischen Arbeiten nicht eher schwarz auf weiß dem Urtheil der Welt ausliefern mögen , als bis sie sich von der Wirkung überzeugt haben , welche dieselben an dem Platz machen , für welchen sie bestimmt wurden . Das Ausland ist in dieser Hinsicht billiger als wir , selten erscheint dort ein Schauspiel gedruckt , das nicht vorher auf der Bühne die große Probe überstand . Aber unsre Theaterdirekzionen bedenken nicht , daß es eben so unmöglich ist , vor der Aufführung über den theatralischen Werth eines Stücks ein ganz genügendes Urtheil zu fällen , als ohne gehörige Beleuchtung über den Effekt eines Gemäldes zu entscheiden . Schwerlich wird ein Dichter zur möglichsten Ausbildung seines Talents gelangen können , dem diese praktische Erfahrung versagt ward , und der heutige Mangel an guten für das Theater passenden neuen Schauspielen ist vielleicht größten Theils nur den Schwierigkeiten zuzuschreiben , die sich zu diesem Zweck dem Dichter überall entgegenstellen . Bei Privatbühnen sind die Proben bei weitem das Ergötzlichste für die Mitspielenden , das weiß jedermann . Auch Allwill erfuhr es , denn er wollte oft über die gute Laune seiner Schauspieler verzweifeln . Dafür erklärten ihn diese für den wunderlichsten , krittlichsten , herrsüchtigsten aller Theaterdirektoren , und zuletzt galt es für ausgemacht , daß zwei Allwills im Schlosse hauseten , feindliche Zwillingsbrüder , die nie zusammen erschienen ; der eine , der Dichter , die Liebenswürdigkeit selbst , der andre aber , der Theaterkönig , ein Despot ohne Gleichen , ein heftiger mürrischer Kautz , mit dem eben kein Auskommen sey . Des armen Allwills gute Laune war indessen schon bei der Austheilung der Rollen auf fürchterliche Proben gesetzt worden . Es gab dabei unendliche , zum Theil sehr lächerliche Schwierigkeiten , die er aber sich nur zu sehr zu Herzen nahm . Wenigstens dreimal so viel Schauspieler und Schauspielerinnen als man bedurfte , hatten anfangs sich mit großem Eifer gemeldet , und zuletzt kostete es dennoch nicht geringe Mühe , nur so viele zusammenzubringen , als man nothwendig brauchte , um alle Rollen des Stücks gehörig zu besetzen . An ersten Liebhabern und Liebhaberinnen fehlte es freilich nicht , aber ein redseliges altes Fräulein und einen etwas rauhen invaliden Papa wollte niemand übernehmen . Einer der besten Freunde des Generals , welcher schon vor dreißig Jahren den Major Tellheim mit dem größten Beifall gespielt hatte , fuhr im Zorn auf und davon , weil Allwill durchaus den ersten Liebhaber von niemand anders als Leo von Wallburg spielen lassen wollte . Andre , die ebenfalls mit den ihnen zugetheilten Rollen nicht zufrieden waren , folgten dem ehemaligen Tellheim , indem sie sich ganz in der Stille fortschlichen , und Allwill war wirklich in Gefahr , die Aufführung seines Stücks hier eben so gut , als wäre es ein öffentliches Theater , an Rollenneid scheitern zu sehen . Endlich ließ Frau von Grünborn , die Nichte jenes Tellheims , sich durch unablässiges Bitten und Zureden der übrigen Gesellschaft bewegen , die alte Tante zu übernehmen ; ihrem Beispiele folgten andre , und so kam das Ganze zur allgemeinen Freude allmählig in anscheinende Ordnung . Frau von Grünborn brütete indessen ganz im Stillen noch über einen großen Plan , denn so ganz gutwillig konnte sie sich doch nicht entschließen , in einer , ihrer Meinung nach , undankbaren Rolle aufzutreten , und bei dem ersten einsamen Spaziergang mit Augusten , den sie herbeizuführen wußte , nahm sie Gelegenheit , zu versuchen , ob es ihr nicht gelingen könne , diese ihren Wünschen günstig zu stimmen . » Sie dauern mich unbeschreiblich , liebes Fräulein von Willnangen , « wendete sie das Gespräch nach unendlichen Liebkosungen gegen Augusten , sobald sie weit genug vom Hause entfernt waren um keine Lauscher fürchten zu müssen . » Sie dauern mich , Allwills Eigensinn zwingt Sie , die Elise zu spielen , und ich fühle recht gut , wie entsetzlich es Ihnen seyn muß , vor aller Welt mit Leo von Wallburg zärtlich zu thun . Gewiß der Gedanke an die Aufführung des Stücks ist Ihnen deßhalb recht peinlich , es kann nicht anders seyn , und ich habe es Ihnen schon lange angesehen . Sie wissen nicht , wie sehr ich Sie liebe , theure Auguste , um Ihnen einen Beweis davon zu geben habe ich ganz in der Stille Ihre Rolle neben der meinen gelernt , und bin nun im Stande , Ihnen einen Tausch anzubieten . Das hätten Sie wohl von Ihrer Nanny nicht erwartet ? « setzte sie hinzu , indem sie Augusten feurig umarmte . Mit dem allergrößten Erstaunen hörte Auguste den absurdesten Vorschlag von der Welt aus dem Munde einer Frau , die alt genug war , um ihre Mutter zu seyn , und die nun , schalkhaft lächelnd , in jugendlicher Verschämtheit vor ihr stand . Die Anspielung auf ein näheres Verhältniß zum jungen Wallburg war ihr freilich so unangenehm als unerwartet , und eine leichte zornige Regung röthete dabei ihre Wangen , bald aber siegte das unbeschreiblich Lächerliche in der ganzen Zumuthung ihrer neuen Freundin , und lächelnd gab sie ihr Gehör , als diese