wollte ich , da wir uns eben in der Residenz befanden , in die dicht neben unserm Hause gelegene Klosterkirche gehen . Es war eine qualvolle , entsetzliche Nacht , die ich zu überstehen hatte . Abscheuliche , frevelige Bilder , wie ich sie nie gesehen , nie gedacht , umgaukelten mich , aber dann mitten drunter stand der Mönch da , mir die Hand wie zur Rettung bietend , und rief : » Sprich es nur aus , daß du mich liebst , und frei bist du aller Not . « Da mußt ' ich unwillkürlich rufen : » Ja Medardus , ich liebe dich ! « - und verschwunden waren die Geister der Hölle ! Endlich stand ich auf , kleidete mich an und ging nach der Klosterkirche . Das Morgenlicht brach eben in farbigen Strahlen durch die bunten Fenster , ein Laienbruder reinigte die Gänge . Unfern der Seitenpforte , wo ich hineingetreten , stand ein der heiligen Rosalia geweihter Altar , dort hielt ich ein kurzes Gebet und schritt dann auf den Beichtstuhl zu , in dem ich einen Mönch erblickte . Hilf , heiliger Himmel ! - es war Medardus ! Kein Zweifel blieb übrig , eine höhere Macht sagte es mir . Da ergriff mich wahnsinnige Angst und Liebe , aber ich fühlte , daß nur standhafter Mut mich retten könne . Ich beichtete ihm selbst meine sündliche Liebe zu dem Gottgeweihten , ja mehr als das ! ... Ewiger Gott ! in dem Augenblicke war es mir , als hätte ich schon oft in trostloser Verzweiflung den heiligen Banden , die den Geliebten fesselten , geflucht , und auch das beichtete ich . » Du selbst , du selbst , Medardus , bist es , den ich so unaussprechlich liebe . « Das waren die letzten Worte , die ich zu sprechen vermochte , aber nun floß lindernder Trost der Kirche , wie des Himmels Balsam , von den Lippen des Mönchs , der mir plötzlich nicht mehr Medardus schien . Bald darauf nahm mich ein alter ehrwürdiger Pilger in seine Arme und führte mich langsamen Schrittes durch die Gänge der Kirche zur Hauptpforte hinaus . Er sprach hochheilige , herrliche Worte , aber ich mußte entschlummern wie ein unter sanften , süßen Tönen eingewiegtes Kind . Ich verlor das Bewußtsein . Als ich erwachte , lag ich angekleidet auf dem Sofa meines Zimmers . » Gott und den Heiligen Lob und Dank , die Krisis ist vorüber , sie erholt sich ! « rief eine Stimme . Es war der Arzt , der diese Worte zu meinem Vater sprach . Man sagte mir , daß man mich des Morgens in einem erstarrten , todähnlichen Zustande gefunden und einen Nervenschlag befürchtet habe . Du siehst , meine liebe , fromme Mutter , daß meine Beichte bei dem Mönch Medardus nur ein lebhafter Traum in einem überreizten Zustande war , aber die heilige Rosalia , zu der ich oft flehte und deren Bildnis ich ja auch im Traum anrief , hat mir wohl alles so erscheinen lassen , damit ich errettet werden möge aus den Schlingen , die mir der arglistige Böse gelegt . Verschwunden war aus meinem Innern die wahnsinnige Liebe zu dem Trugbilde im Mönchsgewand . Ich erholte mich ganz und trat nun erst heiter und unbefangen in das Leben ein . - Aber , gerechter Gott , noch einmal sollte mich jener verhaßte Mönch auf entsetzliche Weise bis zum Tode treffen . Für eben jenen Medardus , dem ich im Traum gebeichtet , erkannte ich augenblicklich den Mönch , der sich auf unserm Schlosse eingefunden . » Das ist der Teufel , mit dem die Mutter gesprochen , hüte dich , hüte dich ! - er stellt dir nach ! « so rief der unglückliche Hermogen immer in mich hinein . Ach , es hätte dieser Warnung nicht bedurft . Von dem ersten Moment an , als mich der Mönch mit vor freveliger Begier funkelnden Augen anblickte und dann in geheuchelter Verzückung die heilige Rosalia anrief , war er mir unheimlich und entsetzlich . Du weißt alles Fürchterliche , was sich darauf begab , meine gute liebe Mutter . Ach aber , muß ich es nicht Dir auch gestehen , daß der Mönch mir desto gefährlicher war , als sich tief in meinem Innersten ein Gefühl regte , dem gleich , als zuerst der Gedanke der Sünde in mir entstand und als ich ankämpfen mußte gegen die Verlockung des Bösen ? Es gab Augenblicke , in denen ich Verblendete den heuchlerischen frommen Reden des Mönchs traute , ja in denen es mir war , als strahle aus seinem Innern der Funke des Himmels , der mich zur reinen überirdischen Liebe entzünden könne . Aber dann wußte er mit verruchter List , selbst in begeisterter Andacht , eine Glut anzufachen , die aus der Hölle kam . Wie den mich bewachenden Schutzengel sandten mir dann die Heiligen , zu denen ich inbrünstig flehte , den Bruder . - Denke Dir , liebe Mutter , mein Entsetzen , als hier , bald nachdem ich zum erstenmal bei Hofe erschienen , ein Mann auf mich zutrat , den ich auf den ersten Blick für den Mönch Medardus zu erkennen glaubte , unerachtet er weltlich gekleidet ging . Ich wurde ohnmächtig , als ich ihn sah . In den Armen der Fürstin erwacht , rief ich laut : » Er ist es , er ist es , der Mörder meines Bruders . « - » Ja , er ist es , « sprach die Fürstin , » der verkappte Mönch Medardus , der dem Kloster entsprang ; die auffallende Ähnlichkeit mit seinem Vater Francesko ... « Hilf , heiliger Himmel , indem ich diesen Namen schreibe , rinnen eiskalte Schauer mir durch alle Glieder . Jenes Bild meiner Mutter war Francesko ... das trügerische Mönchsgebilde , das mich quälte , hatte ganz seine Züge ! - Medardus , ihn erkannte ich als jenes Gebilde in