, eine Vollmacht des Erzbischofs von Cosenza , der zufolge das Kloster die beiden Leviten nicht reclamiren durfte ... Rosalia Mateucci schwur dem hochheiligsten Erzbischof von Cosenza eine Rache - wie sie nur vom Blick einer Neapolitanerin begleitet sein konnte ... Transporte von Gefangenen waren und sind in diesem Lande an sich etwas Gewöhnliches ... Der Wagen , begleitet von sechs Schweizer-Dragonern , glitt niederwärts - der kreidigen , staubbedeckten Landstraße und - den blauen Wogen des Meeres zu - hin nach Neapel , wo Hubertus , mit Verzweiflung sich allein als den Urheber aller dieser Schrecken anklagend , nur einen einzigen Gegenstand suchte - die Rauchsäule des Vesuv « ... Fußnoten 1 Rehfues ' » Neue Medea « . 12. Was Lucinde vor Jahren geahnt hatte , daß sie nach einer kurzen glänzenden Periode des Glücks nur zu bald wieder in Elend versinken würde , war allerdings nach dem Tode Ceccone ' s für einige Zeit eingetroffen ... Aber wie sie am Tage nach dem Hochzeitsfest Olympiens berechnet hatte , sie war wenigstens die rechtmäßige Gräfin Sarzana geblieben ... In ihrer Theilnahme an den Demonstrationen modischer Kirchlichkeit lag eine Versöhnung für alles , was in zweideutiger Weise ihren Ruf treffen konnte ... Sie war eine Büßerin , trug nur dunkle Farben , senkte ihr ohnehin schon zur Erde sich neigendes Haupt in dem Grad , daß die jetzt fast Sechsunddreißigjährige einen gekrümmten Rücken bekommen zu haben schien und mit ihren noch immer blitzenden Feueraugen die Menschen , das Leben und die Welt von unten her um so unheimlicher betrachtete ... Jetzt , wo Friede und Ruhe wieder in Rom eingezogen war , hatte sie sogar die Mittel gefunden , eine Art » Kreis « um sich zu ziehen ... Die Sorge um einen solchen » Kreis « ist nicht gering ; sie ist mit steter Aufregung und mancherlei Aerger verbunden ... Sie hatte einen Donnerstag proclamirt , an dem ihr Haus allgemein und massenhaft zugänglich war , während sonst zu ihrem engern Kreise nur wenige » Intimitäten « gehörten ... Diese Wiederherstellung war ihr in diesem Herbst und Winter nach vielen Mühen gelungen ... Die » Donnerstage « der Gräfin Sarzana waren besucht ... Die Wohnung , die sie innehatte , gehörte dem ältesten Rom des Mittelalters an und lag in der » Straße der Kaufleute « ... Hier standen alte Paläste , die den herabgekommenen Geschlechtern alter Tage gehörten ; dunkle , verwitterte Steinmassen , im Erdgeschoß und Bodengelaß oft zu Waarenmagazinen benutzt , umgeben von baufälligen Nachbarhäusern ... Es lag ein gewisser Nimbus um diese alterthümlichen Wohnungen und selbst im dritten Stock , den die Gräfin Sarzana bewohnte , war einer dieser Paläste leidlich » anständig « , auch wenn man im Eingang an den Fässern eines großen Kaufmannsgeschäftes vorüber mußte und die Treppen mit Wollsäcken verengt fand , die innenwärts auf die oberen Böden gewunden wurden ... Darum hatten die inneren Gemächer , zumal wenn sie erleuchtet waren , doch durch Bauart und architektonische Ausschmückung ein beinahe fürstliches Aussehen ... An ihren » Donnerstagen « bedienten mehre Diener in Livree ... Für gewöhnlich hatte die Gräfin nur ihrer zwei ... Auch eine Equipage , eine gemiethete freilich , durfte nicht fehlen ... Es war ein Geheimniß , woher die Einnahmen dieser deutschen Dame flossen ... Oft hatten ihr Bonaventura , Paula , Graf Hugo vergeblich Pensionen angeboten ... Ceccone ' s letzter Wille verlangte , daß sie zeitlebens das kleine Palais bewohnte , in welchem ihm Graf Sarzana den Tod gegeben ... Sie bezog es nicht ; verwerthete aber die Vergünstigung durch Vermiethung ... Als Olympia in London selbst nicht mehr mit ihren Einnahmen auskommen konnte , stellte sie die Bedingung , daß Gräfin Sarzana das Palais ihres Onkels entweder bezog oder die Nutznießung an sie , seine Erbin , abtrat ... Lucinde zog letzteres vor ... Nun , wo ihr jährlich tausend Scudi fehlten , traten die harten Zeiten ein ... Ihre » Missionsreisen « wurden ihr zwar bezahlt , sie wohnte in Ordenshäusern , auch hatte sie eine Hülfe , die ihr manchmal in äußersten Fällen beistand - die alte Fürstin Rucca ... Nur wurde auch diese vom Herzog Pumpeo so in Anspruch genommen , daß sie Schulden hatte und dann im Gegentheil von Lucinden zu borgen kam ... Lucinde nahm in solchen Fällen keinen Anstand , über die Börsen derer zu gebieten , die unter ihren Bekanntschaften reich waren ... So bei Frau von Sicking , die auf ihren geistlichen Tendenzreisen oft nach Rom kam und Lucindens Protection begehrte ... Treudchen Ley , deren Gatte , Piter Kattendyk , sich nicht nur in die ernste Lebensaufgabe geworfen hatte , Stadt- und Commerzienrath zu werden , sondern sich auch mit der so schmählich von ihm beleidigten Kirche und Religion auszusöhnen ( Professor Guido Goldfinger hatte das Geschäft gerettet und schwang sein Scepter über die Hauptbücher mit tyrannischer Gewalt ) , auch Treudchen Piter Kattendyk ließ ihrer Freundin Gräfin Lucinde Sarzana eine regelmäßige , wenn auch nur kleine Pension auszahlen ... Goldfinger hatte diese als Tribut der Familie , desgleichen infolge letzten Willens der selig verblichenen Schwiegermutter Wally Kattendyk , anerkannt und sogar etwas vergrößert unter ausdrücklicher Nebenbedingung , daß Lucinde in der Peterskirche an einem gewissen Altar für das Haus Kattendyk und die Angehörigen desselben jährlich eine Messe lesen lassen sollte - sie erstand sie wohlfeiler , als von Deutschland aus möglich war ... Alle diese Hülfsmittel würden nicht ausgereicht haben , z.B. dem Andenken des Grafen Sarzana , trotzdem , daß er für die Sache des » Atheismus « gefallen war , auf dem Kirchhof an Porta Pancrazio ein glänzendes Denkmal zu setzen , im eigenen Wagen zu reisen , einen alten Palazzo in der Strada dei Mercanti zu bewohnen , einen Jour fixe , regelmäßig zwei Bediente und eine Equipage zu halten - wenn nicht Lucinde noch einen Beistand gefunden hätte , welcher der frommen Convertitin seltsamerweise - aus der Türkei kam ... Gräfin Sarzana kannte Italien und wußte , daß dort