der Rechten hielt er mit der Ehrerbietung , die seiner Stellung zukam , den Hut ... Er war schwarz gekleidet , gab sich von Natur würdevoll und überragte weit seine Stellung . Egon stand vor ihm mit dem Stern auf der Brust ... Er hatte in der Frühe schon einer Repräsentation beigewohnt ... ... Er trug diesen Stern jetzt fast wie eine Waffe . Stumme , lautlose Begrüßung ... Herr Rodewald ? begann der Fürst mit einem unwillkürlichen Schauer . Er hatte diese Gestalt , diese imponirende Würde , diese edle Bildung des Hauptes nicht erwartet ... er wollte seinem Tone Barschheit geben ... er konnte nicht ; der leise am Vater schimmernde Silberglanz des Scheitels milderte seinen strengen Vorsatz ... Durchlaucht ... zu Befehl ... war Rodewald ' s fast zitternd vorgetragene Antwort . Habe Ursache Ihnen sehr dankbar zu sein ... Ihre Verwaltung verspricht ... oder vielmehr Sie leisten schon , was Sie versprochen haben ... Rodewald gewann an Sicherheit der Unsicherheit des Fürsten gegenüber . Dieser Empfang mußte ihn , wenn er schon von Egon ' s Herzen eine geringe Meinung hatte , vollends erkälten . Wozu diese kurzen , abgestoßenen Sätze ! dachte er . Soll Das als Vornehmheit gelten ? Soll Das Strafe für meine Beziehung zu Dankmar sein ? Warum mir diese Unfreundlichkeit ? An eine Bekanntschaft mit seinen Beziehungen zur Mutter dachte er nicht . Er wußte , daß die einzige Verrätherin nur Pauline sein konnte und worin grade ihr Stolz , ihre Eifersucht sich gegen Amanda gesträubt hatte , wußte er nicht minder ... Die zehn Jahre , begann er , die mir Ew . Durchlaucht anfangs gestattet haben , sind grade nur das Maaß der Zeit , das ich brauchen würde , um Soll und Haben einigermaßen in Einklang zu bringen . Auf Gewinn würde erst nach dieser Frist zu rechnen sein . So ? sagte Egon kalt , wandte sich zum Fenster und blickte mistrauisch nur mit halbem Blicke zu dem Sprecher , der fortfuhr : Durchlaucht haben aber , wie ich von Herrn von Zeisel höre , über Ihre Besitzungen einen andern Entschluß gefaßt ... Egon hörte kaum . Er dachte nur an das Wort Paulinen ' s in dem zerrissenen Brief : Man verweist Rodewald des Landes ! Er prüfte und forschte . Er wollte in die Stimmung zurück , die ihn einst veranlaßt hatte auszurufen : Du bist von Fallstricken umgeben , man wühlt in deinen gefährlichsten Geheimnissen ! Was will dieser Mensch ? Warum kommt er zurück ? Was drängt er sich in deine Nähe ? Und nun stand der Gefürchtete vor ihm . So ruhig , so ernst , so würdevoll ... Ja , sein scharfes Auge entdeckte den Wehmuthsschleier über Rodewald ' s Augen und nur darin noch fühlte er seine Kraft sich sammeln , daß er dachte : Sollte er wagen , dir vertraulich zu thun ? Wäre Dies , so hätte ihm ein Gedanke kommen können , der nicht viel anders gelautet hätte , als : Du könntest ihn erwürgen ! Rodewald fuhr fort : Durchlaucht werden als Staatsmann wissen , daß in keinem Dinge eine plötzliche Reform möglich ist . Die Güter sind vernachlässigt , überschuldet , aber ihr Ertrag ist noch nicht zu ermessen . Die Bodenkraft scheint größer , als man voraussetzte . Ich fand keine gute Haushaltung und ich bringe noch mehr als ehrlichen Willen , ich bringe Kenntnisse und Erfahrungen , die sich bewähren dürften ... Sie haben Auslagen gehabt , sagte der Fürst ; ich weiß , Sie haben Maschinen bauen lassen - und die Gebäude , die Sie errichteten , ich sah sie selbst mit Vergnügen - sie werden den gegenwärtigen Kaufpreis nur erhöhen ... Sie werden schadlos gehalten werden ... Ein Verkauf , dem man eine gerichtliche Nothwendigkeit zu Grunde legt , hebt mein Pachtverhältniß auf ... Sie arrangiren sich vielleicht mit Herrn von Reichmeyer ... Ich glaube nicht . Die Landwirthschaft ist so sehr meine Leidenschaft nicht . Es müssen sich die Verhältnisse schon ganz besonders nach meinem Wunsche gestalten , wenn ich mir als Ökonom gefallen soll ... Egon , der fast nur zum Fenster hinaussah , biß sich auf die Lippen . Es lag in diesen Worten Das , was er fürchtete , der Schein von Vertraulichkeit des ihm unheimlichen Mannes und doch war die Betonung nicht auf ihn gerichtet , sie war streng , ohne Weichlichkeit , ohne Zuthunlichkeit , sie ging in ' s Allgemeine . Der Überschuß , fuhr Rodewald fort , der Überschuß der Aktiva , wenn die Passiva getilgt sein werden , kann nicht so groß sein , daß der Werth einer dauernden Zukunftshoffnung aufgehoben würde . Übereilen Sie diesen Entschluß nicht , Durchlaucht ! Egon brachte jetzt polternd eine Menge von Gründen vor , die in diesen Tagen gegen den Besitz von Ländereien sprächen . Es waren darunter sogar welche aus der Zeit und dem Regierungssysteme hergenommen , sodaß Rodewald lächelnd einfiel : Durchlaucht werden bei einer solchen Motivirung dem Besitzadel das Signal eines allgemeinen Sauve qui peut ! geben . Was bliebe von dem Grundbau des Staatsgebäudes übrig , wenn diese Abneigung sich mehrte ! Es würden neue Arbeitsquellen geschaffen , sprach der Fürst jetzt rascher ; es kämen die Käufer in die Nothwendigkeit , den Boden zu mehr als nur zur Unterstützung einer geselligen Repräsentation zu benutzen . Die großen Güterkomplexe sind eine mittelalterliche Idee , die ich bekämpfe . Je mehr wahre Arbeit durch die Parzellirung erzielt wird , desto mehr beschäftigte Hände und zufriedene Köpfe . Ich hatte früher auch die Professorengrillen vom Adel , dem ungetheilten Güterbesitz , den englischen Spleen von Majoraten . Ich habe mich auf der Tribüne und im Büreau überzeugt , wohin wir mit dieser Reform vom Adel kommen . Es ist besser , der Adel vermittelt seine Kräfte mit denen der modernen Arbeit und Grund und Boden wird etwas Beweglicheres als bisher . Gern hätte Rodewald vielleicht erwidert : Und ist die Liebe zu dem