Federigo ' s Hütte still geworden ... Nur noch Hubertus , Paolo Vigo und Ambrogio Negrino blieben zurück ... Inständigst bat sie der Greis , jenen Felsenspalt , den er kannte und für vollkommen sicher erklären mußte , statt seiner aufzusuchen ... Eilt euch , meine Freunde ! sprach er ... Kümmert euch nicht mehr um mich ... Meine Stunden sind gezählt und ich habe nicht einmal eine schlimme Hoffnung für mich - ich habe sie nur für euch ... Wir sind dort alle sicher ... entgegnete Ambrogio ... Ich beschwöre euch , geht allein ! wiederholte Federigo ... Ich suche mein Ende ... Laßt , laßt mir , was beschieden ist - ! ... Ich versichere euch , es wacht nicht nur Gott über mich , sondern auch manche Freundesseele unter den Menschen ... Soll ich euch , meine geliebten , theuern Freunde , unglücklicher machen , als ihr jetzt schon mit euerm getheilten , zaghaften Herzen seid ? ... Gott ist mein Zeuge , ich pflanzte nichts in euch , was nicht schon in euch war ! ... Ich hielt euch zurück , euch den größten Gefahren preiszugeben ... Wenn ich mich dem Drängen nach Entscheidung heute fügte , so ist es billig , daß mich die Folgen allein treffen ... Flieht , flieht - ! ... Bewahrt euer Geheimniß , lehrt diese Menschen das ihrige hüten - bald brechen neue Zeiten an ! ... Vielleicht vernimmt noch Euer Ohr den Sieg des Evangeliums von Rom ! ... In diesem Wettstreit - die Verehrer des Greises wollten sein Schicksal theilen - mehrte sich die Unruhe ringsum ... Das Thal wurde lebendiger ... Von Aexten getroffen brachen hie und da die Zweige zusammen ... Hier blitzten Flinten auf , dort entluden sich welche ... Federigo wehrte Hubertus , der ihn auf seinen Armen forttragen wollte ... Rettet nur euch ! bat er wiederholt ... Für mich ist gesorgt ... Alle starrten , als sie sahen , wie Federigo jetzt in seine Hütte trat , dort ein brennendes Licht ergriff , die Flamme an die Wände hielt , die von dürrem Moose gefugt waren , und seine Einsiedelei in Flammen steckte ... Paolo Vigo suchte das verzehrende Feuer abzuhalten von den Gedankenschätzen , die hier in Büchern und Blättern aufgehäuft lagen und aus denen er jahrelang Trost und Erhebung geschöpft hatte ... Aber die Papiere und Bücher brannten schon und bald züngelte die Flamme um die ganze Hütte ... Gedanken an Rettung und Flucht verließen nun die drei Freunde gänzlich ... Willenlos ließen sie den Greis gewähren ... Sein Betragen war seltsam ... So fast , als käme ihm dieser Ueberfall erwünscht , ja als wäre er früher oder später auf einen solchen vorbereitet gewesen ... Aus dem Brande ergriff er einige wenige Bücher , um sie zu retten und seltsamerweise noch drei Stäbe , von denen er jedem der Freunde einen einhändigte mit den Worten : Schützt euer Leben und euere Freiheit - ... Bewahrt aber , jeder von euch , wie irgend möglich , diesen Stab , den ich euch auf die Seele binde - ! ... Nun vollends blieben sie wie angewurzelt stehen ... Er wiederholte seine Worte und setzte hinzu : Sucht mit äußerster Anstrengung euch diese Stäbe zu erhalten ... Wenn ihr nicht entweichen wollt , ihr Armen , so bitt ' ich nur noch dies ... Es kommt ein Augenblick , wo ich oder irgendwer euch mittheilt , welche Anwendung ihr von diesen Stäben machen sollt ... Die Hütte brannte nieder ... Eine Viertelstunde darauf waren auf einer rauchenden Trümmerstätte alle vier die Gefangenen der Inquisition ... Fünfzehn auf der Flucht noch aufgegriffene Männer , an ihrer Spitze auf einem und demselben Karren Federigo , Hubertus , Paolo Vigo und Ambrogio Negrino , kamen am Abend desselben Tages zu Spezzano nicht nur von Reitern und Fußvolk geleitet an , sondern vom Schwarm der Bewohner des halben Gebirgs ... Das Kirchenfest von Spezzano mit all den Späßen , die mit tausend Lichtern und Lampen die Gottheit , wie die Chinesen den Neumond feiern , war im vollen Gange ... Die Ketzer von den Bluteichen ! hieß es - ... Und mancher staunte , darunter einem alten Bekannten zu begegnen ... An der Spitze des Zugs befand sich der » Hexenmeister , der von den Fanatikern verspottet , von den meisten mit unheimlichem Grauen betrachtet wurde ... Die Mehrzahl wurde nach Cosenza abgeführt ... Die vier verbundenen Freunde kamen nach Neapel ... Der Abschied , den sie alle von einander und von den Ihrigen nahmen , ließ selbst die von ihrem Pfarrer fanatisirten Bewohner von Spezzano glauben , daß die Ketzer Menschen bleiben wie andere ... Das Weinen der Frauen steckte an ... Die Volkshaufen konnten zuletzt von den Mönchen und Priestern , die anhetzen wollten , nicht mehr recht zu Beschimpfungen entflammt werden ... Am meisten rührte der Abschied , den Rosalia Mateucci von ihrem in San-Giovanni in solcher Lage begrüßten Bruder , dem Pfarrer Paolo Vigo , nahm ... In Spezzano entriß ihm zwar eine Frau das Kind , das er segnen wollte , aber das halbe San-Giovanni , das bis Spezzano mitgezogen war , trat dazwischen und Scagnarello erbot sich sogar , die weinende Rosalia nach Cosenza umsonst zu fahren ... Was sie an Geld bei sich trug , hatte sie dem heißgeliebten , unglücklichen Bruder aufgezwungen , den in so unwürdiger , diesseits und jenseits verlorner Erniedrigung wiederzusehen ihr das Herz brach ... Paolo Vigo sprach laut über die Freude , leiden zu dürfen um des Heilands willen ... Als er laut betete , senkten sich die Häupter ... Niemand unterbrach seine feierlich erhobene Rede ... Paolo Vigo zog allem , was ihn treffen konnte , das Glück vor , bei Federigo zu sein ... Alles hatte man ihm genommen , nur den Stab nicht , den auch die beiden andern Gefangenen trugen ... Der Pfarrer von Spezzano zeigte dem Guardian von San-Firmiano , der seinen beiden Klosterangehörigen bis Spezzano gefolgt war