der wichtigste war ; Briefe von dieser Farbe kamen vom Hofe ... Der Fürst erbrach ihn zuerst . Aus dem Kabinet des Königs wurde gemeldet , das Interesse der Dynastie verlange unbedingt die Übergabe der erledigten Portefeuilles an die Männer der vom Hofe aufgestellten Liste . Man sähe um so weniger Schwierigkeiten , als sich ja alle der Präsidentschaft des Fürsten fügen wollten ... Der zweite Brief war von Herrn von Reichmeyer , der die endliche Möglichkeit einer großen Verkaufsoperation für die nächsten Tage bestimmt zusicherte ... Der dritte endlich war von Paulinen und lautete : » Zweimal war ich bei Ihnen , Egon , zweimal wollt ' ich Sie beschwören : Opfern Sie diese entsetzliche Hartnäckigkeit ! Ich habe Gäste zu Tisch , sonst wär ' ich selber da , um Sie fußfällig zu bitten : Richten Sie nicht Alles zu Grunde ! Sie zwingen den Hof nicht ! Die Partei der Königin ist zu sehr erstarkt . Sie lehnt sich an die große östliche europäische Politik und hat das Einverständniß mit allen Kabinetten im Rücken . Sie selbst , Egon , haben die Verfassung für ein Konglomerat von Unsinn und Verbrechen erklärt ; darin ist man mit Ihnen einverstanden . Aber Sie haben hinzugefügt : dies Konglomerat drücke für den Augenblick die Bürgschaft der Ruhe und Ordnung aus , man dürfe sie den Mittelparteien , die den Ausschlag gäben , nicht entziehen , dürfe nicht an ihr rütteln , müsse sie als Popanz regieren lassen , um die größeren Güter des Vertrauens , die Rückkehr zu den Gewerben , die Verschmelzung der Gehorchenden und Regierenden dafür zu gewinnen , bis die Zeit käme , wo die Zungen der Engel oder die Posaunen des Weltgerichtes wieder einmal mit der Menschheit reden würden . Dies zweideutige Wort ist das stündliche Thema der kleinen Zirkel . Man geht so weit , Sie des Einverständnisses mit der Revolution zu bezichtigen . Ich beschwöre Sie , Egon , lassen Sie diese Hartnäckigkeit ! Wenn Flottwitz aus P. und Trompetta aus S. in ' s Ministerium kommen , so haben wir in der Presse und der Kammer die Mittel , diese uns aufgedrungenen Ultra-Elemente bald genug auszustoßen . Geben Sie diese Expropriation Ihres Eigenthums auf ! Sie wollen das Land verlassen ! Sie haben idyllische Ideen wie einst Helene d ' Azimont . Sie sind muthlos geworden , Fürst ! Sie beneiden Ihre alten Freunde um das Glück ihrer Märtyrerschaft ! Sie finden die Schicksale dieser Wildungen wunderbar . Sie ermatten im Kampfe für Ihre unendlich wahreren Ideale ! Soll ich , ein Weib , Ihnen Kraft und Ausdauer predigen ? Egon , was ist Ihnen Rodewald ? Seit dessen Rückkehr sind Sie ein Schatten , sind nicht der Widerschein mehr Ihrer früheren Größe ! Finden Sie Rodewald ab ! Ich biete Ihnen zur Lösung seines Pachtvertrages mein Vermögen ! Verweisen Sie ihn auf Grund seiner verlornen Heimathsrechte , auf Grund des Schutzes , den er dem Staatsverbrecher lieh , auf Grund des Vorschubes , der von Plessen und Tempelheide aus doch unwiderleglich der Flucht Wildungen ' s geleistet wurde , des Landes - Egon , haben Sie Muth , Vertrauen ! Nochmals , ich biete Ihnen die Benutzung meiner eignen Mittel ! Befreien Sie mich von dem Verdachte , daß Sie nicht ertragen können , von mir abhängig zu sein ! ... « An dieser Stelle zerriß Egon das Billet , warf es zur Erde und würde die mit dem Fuße getretenen Fetzen aus Zorn unbedacht haben liegen lassen , wenn die Fürstin sie nicht gesammelt und ihm zurückgestellt hätte , ohne einen Blick hineinzuwerfen ... Ohne ein weiteres Wort durchschritt Egon den Garten , verließ ihn , ging über die kleine Hoftreppe in seine Zimmer . Der Diener folgte ... Die Fürstin hielt sich zurück , treu ihrem Systeme der Nichteinmischung in Dinge , für die ihr Lust und Beruf fehlten ... Zwei Worte genügten dem Fürsten , um dem Hofe anzuzeigen , daß er sich heute gegen Abend definitiv aussprechen würde ... Es stand bei ihm fest , Das , was er war , ganz oder es nicht zu sein ... Pauline von Harder hatte Recht , seit Rodewald ' s Rückkehr war Egon ein Tyrann der Konsequenz ... das Wort » abhängig sein « , von dieser Frau gesprochen , wühlte ihm wie ein Dolch in der Brust ... Der Bediente wollte gehen , das Billet zu Hofe tragen ... Noch zögerte er und meldete : Der Generalpächter Herr Rodewald wünsche Se . Durchlaucht zu sprechen ... Egon hörte nicht ... Er war in zu fieberhafter Bewegung ... Herr Rodewald ... Wer ? ... Der Schrecken des vorigen Jahres im Schlosse Hohenberg wiederholte sich erst . Der Bediente sprach die Meldung noch einmal ; der Wunsch Rodewald ' s , jetzt vorgelassen zu werden , war der dringendste . Die Wirkung dieses Namens auf den Fürsten kennen wir ... Dasselbe Erblassen , dasselbe Beben ... wie auf dem Schlosse Hohenberg ... aber die Sammlung war nach fast einem Jahre der Gewöhnung und Überlegung vorbereiteter ... Der Fürst faßte sich , winkte und ließ den Generalpächter eintreten ... Heinrich Rodewald trat ein ... Zwölftes Capitel Vater und Sohn Rodewald hatte in denselben Zimmern gewartet , wo er einst von Louis Armand die frohe Botschaft von dem vermeintlichen Eigner jener Locke empfing , die auf seinem Herzen ruhte ... er hatte voll Trauer die alabasternen Bildsäulen betrachtet , von deren Anblick er damals gern den Knaben Selmar zurückgehalten hätte ... er war bangend über die Teppiche auf und nieder geschritten , die damals jenen dem Justizrathe zugeschleuderten » Schurken « in seinem Widerhall milderten ... dieselbe Welt und wie verändert durch die Zeit ! Wie Rodewald eintreten sollte zu Egon von Hohenberg , dem Sohne Amanden ' s , schlug dem Vater das Herz , er hätte es hören können , wenn nicht sein Ohr betäubt gewesen wäre . Nur unwillkürlich griff er mit der Linken nach der klopfenden Brust ... in