Gut und Böse scheiden wird ! Aber das Lamm wird bald das fünfte Siegel aufthun , von welchem ich euch schon oft gesprochen habe ! Unter den Altären des Himmels werden die Seelen derer , die erwürgt wurden um des Wortes Gottes willen zu zeugen beginnen , daß es auf Erden weithin widerschalle ! ... Die Stunde kommt näher - ! O , bald wird die Freiheit im Glauben und Denken auch für Italien anbrechen ! Auch in diese Thäler wird der Lichtstrahl einer neuen Sonne dringen ! Läutert euch für diesen großen Augenblick ! Thut das Gute , tragt im Herzen euren reinen Sinn und eure geläuterte Hoffnung ! Wenn ich - ach ! heute von euch scheide - ja , Geliebte ich scheide von euch ! Es ist das letzte , letzte - Mal - ... Warum mußte nur das Ohr der drei Ankömmlinge und aller in Thränen gebadeten Hörer so gebannt sein von dem allgemeinen Schluchzen , Wehklagen , von den Thränen des Redners , daß jene sich still hinter einer der Bluteichen verbargen und die Worte ihres Freundes und Lehrers nicht stören mochten - ! ... Jetzt mußte Hubertus , der Schärferspähende , die erstickte Abschiedsrede Federigo ' s unterbrechen , mußte auf die ihnen gegenüberliegenden waldbedeckten Berge deuten und in wilder Hast wie ein Verzückter rufen : Besteigt den Nachen Jesu ! Rettet , rettet euch ! ... Und auch aus dem um den Greis zusammengedrängten Haufen mußten nun wol andere , die seinen Leib zu umfassen , seine Hände , seine Füße zu küssen nicht hindurchdringen konnten , ihr Auge auf die von Hubertus bezeichnete Stelle gerichtet und unter den Bäumen an einzelnen offenen Stellen schon dieselbe Störung erblickt haben ... Ihr Ruf fiel in den des Mönches ein ... Voll Entsetzen erkannten Paolo Vigo und Ambrogio Negrino , die mechanisch dem voranstürmenden Hubertus gefolgt waren , die Flinten der gefürchteten Jäger von Salerno , die in der That , unabhängig vom Corps in San-Giovanni , über den Aspropotamo und Gigante gekommen waren ... Schon stand Hubertus mitten unter den in noch wildere Aufregung gerathenden , theilweise zu den Waffen greifenden Verbündeten ... Die Frauen flüchteten sich zu ihren Karren ... Die Kinder drückten sich schreiend an ihre Väter , die rathschlagend zusammentraten ... Hubertus hatte Federigo schnell begrüßt und seine Hand ergriffen , um ihn den Weg zu führen , den Ambrogio zum Entkommen für den sichersten hielt ... Federigo deutete gelassen auf eine andere Stelle des dichten Waldkranzes , wo die rothen Pünktchen sich mehrten , die Federbüsche an den Hüten der Jäger von Salerno ... Die von San-Giovanni erwarteten Truppen hätten allerdings vor drei Stunden noch nicht eintreffen können ... Dies war ein Detachement , das vom Meerbusen von Squillace gekommen ... Nun war alles auseinander gesprengt und raffte die Karren , die ausgelegten Geräthschaften , die Kinder zusammen ... Die Männer standen unentschlossen , ob sie zur Flucht oder zu Widerstand schreiten sollten ... Heute zum erstenmal hatte ihr stetes Drängen , daß ihr Freund und Rathgeber sie über Rom , über die Priester und die Lehre der Kirche aufklären sollte , eine Erhörung gefunden - Den Greis hatte der Schmerz der Trennung fortgerissen ... Vier Männer , unter ihnen Ambrogio , schwangen ihre Flinten über Federigo ' s Haupt ... Die Hitze des südlichen Temperaments war bei diesen Männern von ihrer religiösen Denkart nicht überwunden worden ... Hatte man auch nur ein Dutzend Schußwaffen , funfzehn Alpenstäbe waren mit Eisen beschlagen ; Messer , welche die Fischer und Kohlenbrenner am Gürtel trugen , waren lang und geschliffen ... Hubertus wartete nur auf das Zeichen , das Federigo geben sollte ... Er selbst hatte sich mit einem : Halt da ! denen gegenübergestellt , die ihn nicht kennen mochten und das Erscheinen eines Mönches und eines Priesters für die Vorboten einer unentrinnbaren Gewaltthat ansahen ... Meine Freunde ! rief Federigo in die wilde Bewegung ... Verschlimmert die Sache nicht noch mehr , als sie schon ist ! ... Wir wissen , daß diese Krieger das Gebirge durchstreifen seit den blutigen Aufständen an den Meeresküsten ... Wer weiß , ob sie nur uns suchen ... Wo Weiber und Kinder zugegen sind , konnte nichts Uebles geschehen ... Ambrogio Negrino mußte ihm diese Voraussetzung nehmen ... Er erzählte , was von ihm in San-Giovanni gehört worden ... Paolo Vigo und Hubertus riethen , lieber sofort das Aeußerste anzunehmen und die Sicherheit zu suchen ... Seit dem Aufstand der Bandiera war nicht vorgekommen , daß sich zu gleicher Zeit eine so große Anzahl von Soldaten in diesen Gegenden hatte erblicken lassen ... Viele der Frauen hatten Soldaten im Leben nicht gesehen ... Sie standen starr vor Entsetzen und mehrten die Rathlosigkeit der Männer , von denen die Mehrzahl sich vertheidigen wollte ... Federigo bat alle , sich der Sorge um ihn selbst zu entschlagen und nur auf die eigene Rettung bedacht zu sein ... Den Zumuthungen zur Flucht widerstand er entschieden , ordnete die Leute so , daß sie in zerstreuten Haufen sich auf die Heimkehr über solche Wege begaben , die nur ihm bekannt waren ... War auch das Thal so eng , daß ein auf dem Gebirgskamm plötzlich fallender , schon als Alarmzeichen dienender Schuß ringsum in siebenfachem Echo widerhallte , so fehlten Auswege nicht und nicht alle Gebirgsspalten konnten zu gleicher Zeit besetzt sein ... Inzwischen mehrten sich die verdächtigen Zeichen und schon wurden die militärischen Commandos hörbar ... An ein Entrinnen ist nicht zu denken ! sagte zu aller Schrecken der jetzt für immer dem Verderben geweihte Pfarrer von San-Giovanni ... Ambrogio und Hubertus schilderten zu wiederholter Bestätigung , was sie in San-Giovanni und Spezzano gesehen hatten ... Inzwischen war von den Entschlosseneren unter den Männern ein Rückzug angeordnet worden , der vielleicht über die Serra del Imperatore möglich war ... Eiligst warf man die Geräthschaften auf die Karren , gebot den Kindern Ruhe , brachte die Maulthiere und Esel in Bewegung und in einer Viertelstunde war es um