Pfarrer in leidlicher Verbindung zu leben ... Mit großer Wehmuth sprach er : Der heilige Bernhard kann uns in vielem ein Vorbild sein - hochragend wie jener Berg im Norden , der mit ewigem Schnee bedeckt , seinen Namen trägt ... Wisset , daß Bernhard jene Lehre , nach welcher auch die Mutter Jesu ohne Sünde empfangen sein soll , für Sünde hielt - ! ... Ihr fragtet mich darum , weil der Heilige Vater diese neue Lehre zu verehren befohlen hat - ! Nun wohl ! Eines Weibes Name ist heilig , wohl trägt Maria die Erdkugel in Händen , wenn Maria die Kraft bedeuten soll , deren ein schwaches Weib in seinem Aufschwung fähig ist ... Wohl ist zu fassen möglich , wie die alte wilde grausame Zeit , die heidnische , die selbst des Heilands spottete , der am Kreuze sich selbst nicht hätte helfen können , doch vor einer Mutter erschrak , vor einer Mutter sich beugte - o noch den Mörder befällt vor seiner Hinrichtung die Trauer um den Kummer , den er seiner Mutter bereitete ... Hier stockte der Redner und wollte abbrechen ... Aber einige Stimmen unterbrachen ihn und deutlich vernahm man aus einem schlichten Hirtenmunde , der dazwischen sprach , die Worte : Wo Maria dann auch ganz die Königin des Himmels werden soll , wo bleibt ihr Sohn ? Wo kommt der wahre Mittler zu seiner ihm allein gebührenden Ehre ? ... Im höchsten Grade gespannt horchten die Ankömmlinge und sogen die Worte ein , welche Federigo erwiderte : Lasset das gehen - ! ... Seht , es war ja sogar ein anderer Heiliger - Bonaventura sein Name - ein Heiliger , der zur Zeit jenes Bernhard lebte - auch der hat den Psalm David ' s genommen : » Herr , auf dich traue ich , laß mich nimmermehr zu Schanden werden ! « - und hat in jedem Seufzer des Vertrauens und der Liebe zu Gott an die Stelle Gottes - ruchlos , um es nur auszusprechen - ein Weib mit seinen menschlichen Fehlen und menschlichem Elend gesetzt : » Maria , auf dich traue ich - ! Mutter Gottes , du hast mich erlöset ! « So den ganzen Psalm - ! ... Und dennoch danken wir auch dem heiligen Bonaventura so viel Entsiegelungen der frischesten Lebensbrunnen des christlichen Geistes - ... Nein , unterbrachen die Stimmen der Aufgeregten , er lästerte - ! ... Ich beschwöre euch , rief Federigo , habt Mitleid mit jenen armen Verblendeten , in deren Schoose ihr , kummervoll genug ihre Bräuche theilend , voll Bangen und voll Zagen lebt ... Laßt sie die Altäre einer Frau zu Ehren mit Zierrath und mit Bändern schmücken - ! Laßt sie ihr Gebet des Morgens , des Mittags und des Abends wenigstens an Etwas richten , was dem Heiland verwandt ist - ! ... Aber das ist wahr ( nun erhob sich des Sprechers Stimme , von dem man sah , daß ihn die Gesinnungen seiner Umgebungen fortrissen ) , wenn Maria es ist , die uns erlöst und vor Gott vertreten soll , so konnten jene Räuber , die mit dem Giosafat eure Hütten verbrannten , eure Heerden raubten , getrost auf ihrer fühllosen Brust ihr Bildniß tragen - ! ... Eine freudige Zustimmung ging mit Zornesruf durch die Reihen - ... Wehe einem Kind , fuhr Federigo , aufgeregt und ganz sich vergessend fort , das für seine Bewährung im Leben nur die Nachsicht einer Mutter hat ! ... Nie , nie , wenn auch heute in Spezzano die Lampen brennen werden , nie sollt ihr auf Fürsprache nur der Mutterschwäche hoffen ! Denkt an die klugen Jungfrauen , die im Dunkeln ihr Oel hüteten und die Lampen nur anzündeten , wenn ihr rechter Bräutigam , der Heiland , kam ! ... Nein , ich sehe es , ihr glaubt nicht an die Wahrheit eines gotteslästerlichen Bildes , das sich in einer der großen und herrlichen Kirchen Milanos befindet und das einen Traum unsres heutigen heiligen Bernhard darstellen soll - ! ... Zwei Schiffe steuern dem Himmel zu ; des einen Steuer führt der Herr ; des andern Maria ... Jenes bricht zusammen und seine Mannschaft sinkt in den Abgrund ; dieses gleitet sicher dem Hafen des Himmels zu - Maria streckt ihre hülfreiche Hand nach den Scheiternden aus und nun kommen auch sie in den Hafen der Gnade , sie , die mit Christo gingen , sie , die mit Christo verloren sein sollen , sie , nur noch erlöst durch Maria - ! ... Ein Ausruf des Schreckens über solche Lehren theilte sich selbst Negrino , Hubertus und Paolo Vigo mit ... Zorn regt sich in eurer Brust ? sprach Federigo - Eure Blicke sagen : Nimmermehr kann solches ein Heiliger auch nur geträumt haben ! ... Ihr sprecht : Du von Rom verrathener , von Rom auf das Steuer eines untergehenden Schiffes verwiesener Heiland , du , du bist allein der wahre Führer ! Deine Hand streckte sich einst aus und ließ über Wellen den Verzagenden sogar hinweggehen ! Der Nachen , den du , du gezimmert hast , Sohn des Zimmermanns , die Flagge , die du als Wahrzeichen aufgesteckt , sie , die dein mit dem Blut beschriebenes Kreuz trägt , sie sollte nicht die glückliche Fahrt , die Einkehr in den Hafen der Seligen gewinnen ? ... - Doch wohin verirren wir uns - meine Freunde - ! Ihr müßt in eure Wohnungen zurück - wieder sein , was euch drei Jahrhunderte zu sein zwangen - müßt leben mit den schuldlosen Nachkommen der Mörder euerer Urväter - Vergebt ihnen im Geiste der Liebe und Hoffnung - ! Versagt euern Priestern nicht die Spenden , die sie noch begehren dürfen ! Auch die Spenden der Andacht nicht , die in diesen Ländern üblich ! Ein Korn Goldes ist immer noch bei dem schlechten Blei verdorbener Lehre ! Noch ist die Zeit nicht reif , wo der Schmelztiegel