attakiren . Sie hat gehört , daß die Gräfin Altenwyl äußerte : Die Königin fände es auffallend , daß soviel hochgestellte Damen sich um die Neuerung der sogenannten Kindergärten kümmerten ; ob sie denn nicht wüßten , daß diese Kindergärten zu der innern Mission der Demokratie gehörten ? Wenn die edlen Damen Etwas für die Kinder thun wollten , so sollten sie sich an den Krippen oder sogenannten Crêches betheiligen . Niemand war von dieser Äußerung betroffener als Frau von Reichmeyer , der sie hinterbracht wurde in einem Augenblick , wo sie eben für die Kindergärten eine Sammlung zur Anschaffung von dem darin üblichen Gedanken-Spielzeug eröffnen wollte . Die ärmste Millionärin hatte sich in der Wahl des Mittels , um die Gunst des Hofes zu gewinnen , so entsetzlich vergriffen ! Nun entwand sie sich sogleich feurigst den Armen der Demokratie , fuhr zu Frau von Trompetta und hinterbrachte ihr das Wort der Altenwyl . Jetzt haben es Beide höchst enthusiastisch mit den Milchfläschchen für Säuglinge und mit den Krippen . Gelbsattel ist dabei auch gewonnen worden , alle frommen Geistlichen , die Mäuseburg , die Fürstin von Sein-Haben-Werden , Alle , Alle wollen sie jetzt die kleinen Milchfläschchen füllen und Krippen bauen . Der Anblick der Trompetta und der Reichmeyer unter den Windeln der Creches soll höchst tragikomisch sein . Die Königin hat sämmtliche Creches unter ihre Protektion genommen und der katholische Heiligenschein um die Köpfe der vornehmen Damen nimmt in der That so zu , daß ich mir manchmal wie eine Heidin vorkomme und nicht mehr weiß , an was man nun eigentlich jetzt noch recht glauben soll . Egon lächelte zu dem Humor der Fürstin , die nie verlegen war , ihn zu erheitern , aufzurichten , in seiner öden Vereinsamung zu trösten ... Ich sehe , sagte er , daß meines Sylvester Rafflard Wirken für den deutschen Norden nun doch von bestem Erfolg gewesen ist . Die Intrigue gegen Helene war nicht seine einzige Aufgabe . Er hat überall schlau die Leerheit und Abspannung der Gemüther hier benutzt , um ihnen die Panacee des römischen Glaubens anzubieten . Wir bauen schon Kirchen für Rom , wir werden binnen wenigen Jahren hier einen römischen Bischof haben und das Frohnleichnamsfest öffentlich feiern sehen unter dem Schutze von Militär und Gendarmen . Die Krankenpflege erzeugt Institutionen , von denen man nicht mehr recht weiß , wurzeln sie noch in Luther oder schon wieder in Rom . Man sieht Schwestern mit wunderlichen Kopftrachten durch die Straßen gehen , als wäre man im tiefsten Süden . Man zeigt dem Volke die Uneigennützigkeit der katholischen Kirche in der Heil- , Schul- und Seelsorge . Die Kunst entschieden , die Literatur allmälig seh ' ich schon hinneigen wieder zu einer gewissen unreellen Auffassung des Lebens , wie in der alten romantischen Epoche . Die Damen lesen nur Süßliches , Dämmerliches , Träumerisches . Von dem offnen Übertritt vieler Gebildeten nicht zu reden ... Die Fürstin verstand , warum sich Egon unterbrach . Er dachte hier an Helene d ' Azimont , die den neuesten Nachrichten zufolge nach Paris zurückgekehrt war , dort ihren Gatten sterbend gefunden , ihn begraben hatte und nun auch zur katholischen Kirche übergetreten war . Man hatte erfahren , daß sie sogar mit der alten Mutter Desiré ' s sich ausgesöhnt hatte , auf dem Quai d ' Orsay gemeinschaftlich mit ihr betete und in Notre-Dame , während Rafflard vor den Thüren stände und mit den Shawls auf Beide an der Equipage wartete , in der Magdalenen-Kapelle mit zerknirschten Reuethränen oft hörbar schluchze . Heinrichson war Helenen nicht treu geblieben . Eine millionenreiche Engländerin , die für eine Malerin gelten wollte , hatte ihn geheirathet . Helene war um den Glauben an sich und die Welt gekommen ... Das grausame Gedicht des sonst so weichen Oleander hatte auch sein gut Theil Schuld daran , daß Helene für alle ihre Schmerzen auf eine letzte Abhülfe dachte und sich vor Egon , vor Olga , ihrer Schwester Adele , vor Rudhard gleichsam einen Panzer und Harnisch des neuen Lebens umschnallte , der ihr zugleich erlaubte , über alles Vergangene , wenigstens scheinbar , eine souveräne Verachtung auszusprechen . O diese bemitleidenswerthe Haltlosigkeit der weiblichen Seele , rief jetzt Egon kopfschüttelnd aus . Wenn die Klänge der Orgel brausend strömen , die Klingel des Hochamts ertönt , der Priester im gestickten Kleide die Ränder des Altars küßt , fühlen diese Frauen wol eine Linderung ihrer Qual , ihres heißen Durstes nach Wahrheit oder Schönheit ? Ich glaube nicht . Ich glaube , daß Helene im katholischen Glauben nur dieselbe Anregung findet , die Pauline von Harder bei uns in meiner Politik fand . Dieser katholische Glaube besteht nicht aus der Messe , der Beichte und dem Rosenkranz allein . Es ist eine so merkwürdig unterhaltende Institution , wenn man in ihr inneres Getriebe treten darf und die reichste , ja leidenschaftlichste Erregung für jeden übrigen Lebens-Augenblick gewinnt , auch außer der Gottesandacht . Kann etwas lebensvoller organisirt sein als das Ziel und Streben der katholischen Kirche ? Ist sie nicht mit rüstigem Muthe wieder in den Wettkampf mit der Zeit getreten , hat sich an allen Vorgängen der Staaten , der Kultur , der Kunst , ja selbst der Wissenschaft um so mehr betheiligt , als wir für uns überall auf diesem Gebiete nur Niederlagen sehen ? Das Palais eines Erzbischofs ist jetzt wie das eines Ministers . Boten gehen und kommen . Über Alles wird berichtet , für Alles ein Votum abgegeben und die Fürsten , die schon ihren nahen Untergang vor Augen erblicken , klammern sich an diesen Einfluß mit tiefster Unterwerfung , fördern ihn , folgen ihm , selbst wenn sie nicht zur katholischen Kirche gehören . In diesem Kirchenleben herrscht ein ewiges Kommen und Gehen , eine stete Anregung auch durch Männer , die den großen Vortheil bieten , daß ihnen häusliche und Familienbeziehungen nicht auf den Fersen folgen . Nie klappen diese Menschen gleichsam in ihren Hauspantoffeln