ganz abzudanken ... Von Dankmar waren Briefe gekommen , in denen sich unter Anderem die Stelle befand : Über unser Erbe sollten wir einstweilen noch leidlich beruhigt sein . Wir empfingen einige Tausend von unbekannter Hand aus dem durch den Fall wahrscheinlich gesprungenen Schrein . Der Briefsteller ist ohne Zweifel Hackert . Er versichert das ihm anvertraute Gut zu hüthen , soweit es seine Wunden zuließen ; denn daß der Schrein nicht ganz in Trümmer gegangen wäre , hätte man seiner Schulter zu verdanken , die nur noch wenige Stunden lang Kraft genug behalten hätte , das Äußerste zu wagen . Man möchte Geduld haben ; er hätte die Loosung bekommen : Zum Tempelstein ! und vor Louise Eisold würde er den Fund niederlegen , vielleicht zu ihrem Hochzeittage mit Mangold , da Danebrand ja hätte » dran glauben « müssen ... Beruhigt durch diese , wie Dankmar erzählte , selbst von einem Verwundeten noch schön geschriebene , aus einem kleinen Provinzstädtchen gekommene Botschaft , wo man unter der Hand fruchtlose Nachforschungen angestellt hätte , machte sich Rodewald auf ' s Neue auf den Weg , um nun den Fürsten zu sprechen . Seine Mittel reichten nicht aus , mit Herrn von Reichmeyer in einen Wettkampf zu treten . Nur die Hoffnung trieb ihn , den Fürsten ermuntern zu können , daß er an der Zukunft seines Erbes nicht verzweifelte und ihn in einer Lage , einem Berufe walten ließe , den er nun einmal , fern vom Treiben der Städte , als den letzten ihm zukommenden , hätte erkennen wollen ... Rodewald versprach , sogleich zurückzukehren und in dem leichtmöglichen Falle , daß der greise Präsident in Anna ' s pflegenden Armen ausathme , mit den in Eile gerufenen Ärzten männlichen Beistand zu leisten . Es war fünf Uhr . Ein heißer Junitag . Im Park hinter dem Palais des Fürsten Egon säuselte ein kühlender Luftzug in den Ulmen und Linden , die grade ihre duftigen Blüthen entfalteten . Der spät sich belaubende Ahorn , die vor der Blüthe dünn beblätterten Akazien bildeten den Übergang aus den dichtern Baumpartien in die jetzt gepflegtere Ordnung des Gartens , wo Rosen und Nelken mit üppigster Farbenpracht grade im Beginn des schönen Blüthentraumes waren , der den edelsten Pflanzen nur zu kurz gestattet ist . Egon und die Fürstin wandelten im Garten ... Nach Tisch pflegten die guten Geister ihm näher zu sein als seine schlimmen . Nicht daß er , mit Menenius bei Shakspeare zu reden , bei » vollem Magen mehr Milde und Erbarmen hatte als bei leerem « ; aber die Fürstin kredenzte ihm von den südlichen Weinen , die er liebte , er wurde gesprächiger , angeregter , bedürftiger der Zärtlichkeit , die uns nachgiebig macht auch in anderen Dingen als nur den tändelnden ... Egon stocherte sich die Zähne , setzte sich auf jene Bank , auf der er einst ausgeruht hatte , als er von seiner Krankheit genas und er die Briefe von Helene d ' Azimont nicht mehr lesen mochte ... Das Kissen , das ihm damals Louis Armand ausbreitete , legten auf die steinerne Bank jetzt zwei Bediente , die sich in gemessener Entfernung hielten ... Die Fürstin war in guter Laune ; denn Egon schien es zu sein . Er lobte die Blumen , die Luft , die Speisen , die Käfer , die Weine , die Kissen , Alles durcheinander , er , der sonst so wenig lobte , Alles tadelte , Alles gebessert wünschte ... Ob seine Freude eine wahre oder nur eine erkünstelte war , kümmerte die Fürstin nicht . Sie erzählte in ihrer alten Art Komisches und Spöttisches durcheinander , Eins drolliger als das Andre , und schien dabei sorglos , so blau und wolkenleer , wie der Himmel über ihnen . Hatte sie doch kürzlich erst ein großes Leid glücklich überstanden ... eines Morgens war bei ihr angefragt worden , ob sie nichts vom Vater wisse ? Der Justizrath , hieß es zu ihrem tödtlichsten Schrecken , müsse in der Nacht die Komthurei allein verlassen haben , wäre nirgends zu finden , hätte vielleicht ein Unglück erlebt ... Der Schrei ihrer Angst erstickte in der schaudernden Gewißheit , daß sich der Vater vielleicht ein Leids angethan hätte ; die Mutter , zu der sie flog , war starr und stumm ... der Vater , hieß es , hat eine Zahlung zu machen ... er wird sich den Tod gegeben haben . Doch bald klingelte es am Hause und der Vater kam , heitrer denn je , wohlgemuth , aufgelegt , sprach von dem Sonnenaufgang , den er hätte im Walde an der Jägerei , an dem bekannten Eierhäuschen , beobachten wollen , leistete die Zahlung aus Mitteln , über die in der Freude der Erlösung von einer schrecklichen Vorstellung Niemand grübelte ... es war dies sonderbarer Weise derselbe Tag , an welchem man Dankmar ' s Flucht und den Raub des Schreins erfuhr ... Genug , Melanie forschte nicht , sie lebte dem Augenblick und suchte Egon zu erheitern , wo sie nur konnte . Abgegebene Visitenkarten veranlaßten sie zu folgendem komischen Bericht : Seit Frau von Trompetta den Hof in Tempelheide versäumt hat , verliert die Gute um so mehr ihr Gleichgewicht , als ihre Formen sich immer mehr denen eines weiblichen Falstaff nähern . Aus allen Kämpfen , die uns seither bewegten , ist auch sie nicht ohne ihren Kummer hervorgegangen , aber das öffentliche und das eigne Leid bekamen ihr so wohl , daß ihr gegen die Blutfülle nichts als Kissingen übrig bleibt . In der Ideenwelt scheint sie sich erschöpft zu haben . Das Kanonenboot ist gescheitert wie die deutsche Flotte und von den Künstlern und Dichtern , die für ihre eigne Existenz zu sorgen haben , ist gratis jetzt nichts mehr herauszubekommen . Die Zeit der freiwilligen Albums ist vorüber . Auch ihre Stimme hat bei dem Embonpoint gelitten . Dennoch wagt sie jetzt den letzten Versuch , die Liebe des Hofes zu