... er hatte sich nicht nennen mögen ... aber nach Tisch , hieß es , um fünf Uhr , dann wäre eine gelegene Stunde ... Er benutzte die Zwischenzeit , in dem wilden Volksgewühl der Brandgasse Friedrich Zeck aufzusuchen . Er fand ihn leicht wieder heraus aus diesen Winkeln und Gassen ; denn Jeder kannte den Alten mit der schwarzen Binde , Jeder zog vor ihm den Hut , Jeder fand Gehör , wenn er sich dem stillwirkenden Freund der Armen nahte ... Rodewald fand » Murray « in Trauer um das Schicksal seines Sohnes Hackert , der Sohn Paulinen ' s war verschwunden . Sein Antheil an der Befreiung Dankmar ' s zeigte sich dunkel , aber unwiderleglich . Der Einzige , der den sichersten Ausweis hätte geben können , Danebrand , lebte nicht mehr . Ein Schuß der Patrouille hatte ein Leben voll Aufopferung geendet . Man zog , als Licht kam , den Getroffenen aus der Bresche und fand von der besten , edelsten , gutmüthigsten und treusten Seele der Welt nur einen Leichnam ... Rodewald entsann sich von der Willing ' schen Fabrik des großen ungethümgeformten Arbeiters , der damals in Verdacht kam , sein Portefeuille genommen zu haben und sogleich gerechtfertigt wurde . Er stand für eines solchen Menschen beste Absicht und verbürgte nun fast auch Hackert ' s redlichen Antheil . Dann ist mir aber meines Sohnes Verschwinden räthselhaft ! erwiderte Zeck . Niemand weiß für sicher , daß er mit jener Flucht zusammenhing , ich ahnte es nur und von Ihnen erst hör ' ich , daß jenes Mädchen , das ihn zu diesem Abentheuer veranlaßt zu haben scheint , den Namen Hackert ' s in Verbindung mit Dankmar ' s Befreiung nennt . Verdacht ist genug ausgesprochen worden . Pax war hier . Alle Welt ist befremdet über Hackert ' s Verschwinden . Man will auch einige Kennzeichen seines Antheils an jener Flucht wol gefunden haben . Man behauptet , nur ihm hätte gelingen können , sich mit den Schlüsseln zu versehen , ihm nur wäre die List und Verschlagenheit zuzutrauen , sich durch tausend Vorspiegelungen und tollste Künste in Besitz der einzigen Befreiungsmittel zu setzen . Aber der Schrein ! fuhr Zeck fort . Soll ich wirklich glauben dürfen , daß ihn eine vollkommen gute Absicht bestimmte , an seiner Entwendung behülflich zu sein ? In diesem Falle , wo weilt Paul , warum erfährt Wildungen nichts , was soll man von dem Allen denken ? Rodewald verhieß eine tröstliche Lösung . Wäre auch das Zeugniß jenes Mädchens zweifelhaft , von dem er sich damals auf dem Fortunaball überzeugt hätte , mit welcher Leidenschaft sie an Hackert hinge , der Keim des Besseren schiene doch durch den Vater in Ihm aufgegangen ... und nun erzählte dieser von der Vergangenheit und half Rodewald über die Stimmungen hinweg , die allzu stürmisch auch in ihm wogten und wallten . Zuletzt dem Schicksal Dankmar ' s sich wieder zuwendend , sagte Rodewald : Es nimmt mich Wunder , schon Kämmereischeine der von Ihnen gefertigten Art im Verkehr zu sehen ... Sie waren von Dankmar ausgegeben für persönliche Zwecke , sagte Zeck . Tausend Thaler für die Armen , andre Tausend sind persönlich bewilligt worden . Ohnehin durfte er nur von drei zu drei Jahren Einhunderttausend in Verkehr bringen ... Wenn ein Verbrechen hier stattfände , ein Unglücksfall , so müßte die Amortisationsklage zulässig sein ... Ich zweifle ... Wie ? Das wäre ja ein entsetzliches Unglück ... Man sieht mehr Scheine bereits in Umlauf , als Dankmar ausgegeben hat ... Falsche ? Ächte ! So wäre der Schrein in die Hand eines Betrügers gekommen ... Murray stand voll Bewegung auf . Das furchtbarste Mistrauen in seinen Sohn überfiel ihn wieder auf ' s Neue und vor Schmerz rief er : Was ist diese Welt ! Was ist all ' unser Müh ' n und Suchen ! Oft fühl ' ich , daß ich mich dem Wahnsinn nähern könnte ! Nein , nein , sprach Rodewald beruhigend . Es kann nur jenes Geld in Umlauf sein , das Dankmar selbst verausgabte ... Viel , viel mehr ist in Umlauf ... Und Dankmar besitzt den Schrein nicht ? Hackert ist verschwunden , Danebrand todt , Dankmar weit entflohen . Wer löst diesen Zusammenhang ? Wenn die bösen Mächte der Regierungsgewalt selbst - Glauben Sie daran nicht ! Der Schrein ist in die Hände eines Mannes gekommen , der ihn eröffnete und gewissenlos seinen Inhalt verschleudert ! Dann muß die Amortisation zulässig sein , sagte Rodewald aufspringend ; die Papiere müssen augenblicklich entwerthet werden . Ich wende mich an den Rath der Stadt . Diese Anzeige wird Ihnen nichts helfen . Man wird Sie immer darauf hinweisen , daß mit Verbrechern , mit Landesflüchtigen , mit Räubern in solchen Dingen keine Verhandlung möglich wäre , die echten Scheine , sie mögen kommen , woher sie wollten , würden an den Kassen der Stadt in Zahlung angenommen , vorausgesehen , daß die unbekannten gegenwärtigen Besitzer die Termine der Emission einhalten . Voll Sorgen über diese neue quälende Erfahrung verließ Rodewald den bangen Freund , ließ sich von Wechslern und Kaufleuten dieselben Worte , die eben Murray gesprochen , wiederholen , besuchte Oleander , der gleichfalls von Dankmar beruhigende Nachrichten hatte und im Pelikan sich nach dem Fuhrmann Peters hatte erkundigen sollen , dort aber erfuhr , daß dieser in Angerode noch weile , um ein dortiges kleines Besitzthum zu veräußern . In Erörterungen über die Hoffnungen der Zukunft ging der Vormittag mit Oleandern hin ... Zu Mittag speiste Rodewald dann in Tempelheide , wo er außer großer Beunruhigung über das zunehmende üble Befinden des alten Präsidenten mancherlei andre Nachrichten fand . Daß er den Fürsten noch nicht gesprochen , befremdete nicht , denn Frau von Reichmeyer wäre in Tempelheide gewesen und hätte erklärt , der Fürst beeile sich , seine Verhältnisse abzuwickeln , es stünde eine große Krisis in der Politik bevor , die ihn vielleicht bestimme ,