er von Murray beim Abschiede von der Residenz erfahren , über Pauline von Harder , über den Baron Grimm , über einen Paul Zeck , der leben sollte , war Stoff genug , um zusammenschmelzend mit Dankmar ' s Schicksal ihm in jede freudige Erinnerung an Anna von Harder , in jede Nachricht von Tempelheide bittern Wermuth zu mischen . Die Nachricht von dem Gewinn des Prozesses hob auf einige Zeit seine gedrückte Stimmung , aber lähmend vollends wirkte die Nachricht , die er von Herrn von Zeisel erfuhr , daß der Fürst beabsichtige , alle seine Güter zu verkaufen . Mitten in den Zurüstungen , die er auf eine zehnjährige Pachtung hin glaubte wagen zu dürfen , diese Nachricht ! Mit welcher Liebe hatte er sich der Hoffnung einer Wiederherstellung der Glücksumstände Egon ' s gewidmet ! Wie verklärt schien die Abendsonne des Lebens auf dies sein emsiges Mühen und Walten , dem er eine irdische Anerkennung niemals wünschen , nie von Denen erwarten konnte , denen zu Liebe er sich mühte und arbeitete ! Rodewald war über die Beziehung seines Lebens zu weltlichen Erfolgen hinaus . Er war längst in jene geweihteren Hallen der Betrachtung getreten , wo der auch nicht feierlich emporgerichtete Blick des Auges doch immer das Ende und schon den Ausweg aus diesem Labyrinth aller Erdenräthsel zu suchen scheint und an jede That sich der Maaßstab nur noch des eignen Genügens legt . Er billigte ganz , daß der gute , sich selbst in den Andern lebende Oleander ihm einst mit der Aufschrift : » An meinen Abendstern « ein Blättchen gegeben , auf dem es hieß : Bei einem Ziele bin ich angekommen , Ob auch am rechten ? ... weiß ich nicht zu sagen . Zwar mit dem Strome bin ich nie geschwommen , Doch war ' s die Welle , die mich so getragen ! Gescheitert hab ' ich manches Riff erklommen Und manchen Preis erwarb sich kühnstes Wagen . Doch muß von den erträumten schön ' ren Lagen Mir diese wol als jetzt die beste frommen . Das Höchste suchend bald im Thatendrange , Bald im Genuß , wo ich die Perlen wollte , Fand ich - nur Schaalen ! Ach , der Dämon grollte , Er grollt noch jetzt und will mir Wunder lügen , Die noch erreichbar- ! Solchem Überschwange Laß ' ich genügen jetzt mein still Begnügen . Darin , daß Egon von Hohenberg für die Legitimität stritt und sein Sohn war , sah er ein Räthsel . Ein teuflischer Gedanke hätte ihm rathen können , hohnzulachen dieser tollen Welt des Irrthums und der Lüge . Ihm war dieser teuflische Gedanke nie gekommen ; ihm schilderte sein Verhältniß zu Egon das Verhältniß der ganzen Zeit zu ihren Verfechtern oder Anklägern . Er sagte sich : Das ist Euer Adel , Eure Erbberechtigung , Eure Monarchie , Eure Kirche , Eure Sitte , Euer Glaube , Eure Konvention ! O die Konvention , dies Angenommene , dies einmal gelten Sollende ! Und so bitter dieser Ausruf , ihn reizte er nicht , dem Teufel zu dienen , der diese Lüge schuf . Er dachte , grade in diesem Misverhältniß von Zweck und Mittel , von Absicht und Einsicht bewege sich die ganze Zeit und das Jahrhundert und still trug er die Rolle , die ihm gleichsam eine andre Ordnung des Weltenplanes auferlegt hatte , still arbeitete er auf eine innere , geistige Ausgleichung des Ungleichartigscheinenden und doch sich Angehörenden hin . Feierlich bewegt war er an die Aufgabe gegangen , jener höhern , unsichtbaren moralischen Weltordnung zu dienen , indem er für Egon väterlich handelte . Ja , er dachte sich : So wirkt ja die Gottheit ganz still und unsichtbar für sich nach ihrem Plan und verkehrt die Pläne der Menschen , und was sollte kommen , wenn die wahre gesellschaftliche Religion nicht eben die wäre , daß das Reich des Guten und Schönen dem Walten der Materie und der Leidenschaft immer entgegen arbeitete und sich schon auf Erden eine Harmonie erzeugte , die dem einst brechenden Auge wie ein Regenbogen des Friedens erscheinen , dem nicht mehr Irdisches hörenden Ohre wie Sphärenklang ertönen wird ? Ach , und da nun von der Materie gestört zu werden , da nun hören zu müssen : Du wirst aus diesem stillen Zusammenhang deiner höhern Pflichten gerissen , wirst die Werke der Liebe aufgeben müssen ! Es that ihm so weh , füllte sein Herz so mit Trauer , so , daß Franziska Heunisch , jetzt die Pflegerin seines Hauses , Sorge um den Edlen tragen mußte und der Tochter gern sie ausgesprochen hätte , wenn diese nicht selbst des Kummers genug hätte zu tragen gehabt . Nun kam nach einem neuen herben Winter die dreifache Botschaft : Egon verkauft die Herrschaft , Dankmar hat das Erbe , Dankmar ist entflohen ! Da hielt es Rodewald nicht länger . Er mußte in die Stadt , wenn auch nur auf einige Tage . Er wollte Selma ' s Freude sehen , wollte den Versuch wagen , den Fürsten zu sprechen , ihn über sein wahres Interesse aufzuklären . Frohbewegt war Alles in Tempelheide , nur den Greis hätte er gewünscht muntrer anzutreffen ; er kränkelte seit der letzten Loge und schien bedenklich der Auflösung nahe ... auch über Dankmar ' s Verlust , den nicht aufgefundenen Schrein , war man in erklärlichster Sorge , trotzdem , daß Dankmar selbst geschrieben hatte : Ihn hätte ein edles Mädchen , Louise Eisold , versichert , daß er in Hackert Vertrauen setzen dürfte ... doch wollte er zu Egon gehen , wollte den beklemmendsten Schritt seines Lebens wagen , wollte dem Manne in ' s Auge blicken , den er fast haßte , ob er gleich so mahnend berufen war , ihn zu lieben . Rodewald hatte sich in der bekannten ehrerbietigen Aufwartungstracht gekleidet , war an der Pforte des Palais gewesen ... der Fürst , hieß es , ist nicht anwesend , ist ausgefahren