Wein durch Drehen eines Hahns frisches Quellwasser zur Mischung zu verschaffen ... Das Wasser tröpfelte hörbar von den oberen Bergen zu ... Hubertus war erschöpft ; Paolo füllte einen der im Schrank stehenden hölzernen Becher mit Wein und Wasser und erwartete vom so schweigsam gewordenen Sendboten nähere Aufklärungen über Verhältnisse , die beiden gleich theuer und werth waren ... Alles ringsum blieb still ... Nur die Wasserleitung tröpfelte geheimnißvoll und lauschig in dem wieder geschlossenen Schrank ... Düstere Schatten warf die matte Lampe durch die alterthümliche Halle ... Briefe sind ja von Cosenza gekommen ? ... fragte Hubertus , der die Meldung der Ankunft Rosalia Mateucci ' s über die andern , ihm viel wichtigeren Dinge vergessen hatte ... Briefe von Cosenza ? Nein ! Aber vom Sacro Officio aus Neapel ! entgegnete Paolo Vigo und setzte hinzu : Leider ! Sie geben dem Guardian keine Hoffnung ... Spracht Ihr denn nicht den Monsignore ? ... Die bange Vorstellung , die den Alten schon lange beschäftigte , es könnte einen Schlag auf Federigo und seine geheimverbundenen Anhänger gelten , trat mit quälender Gewißheit vor seine vom mühevollen Wandern ohnehin erhitzten Vorstellungen ; aus fieberhaftem Blut steigen nach körperlichen Anstrengungen Wahnbilder und krankhafte Gedanken auf ... Der zwanzigste August war seit zehn Jahren in den fast unzugänglichen Schluchten des Silaswaldes ein Tag , wo anfangs nur drei oder vier Männer , jetzt schon oft zwanzig bis dreißig mit ihren Familien sich versammelten ... Hubertus äußerte seine entschiedensten Besorgnisse und Paolo Vigo redete sie ihm keinesweges aus ... Schon berechnete Paolo , ob nicht vielleicht die Einquartierung in seinem Pfarrhause Anlaß geben könnte , den Guardian um Urlaub zu bitten - ... Sinnend fuhr er fort , man müßte doch morgen in erster Frühe in San-Giovanni hören können , was die Soldaten wollen ... Was sie wollen - hm ! hm ! fiel Hubertus ein - Wenn ich an die lachende Miene des Monsignore denke und denke an den Golf von Neapel , der im Sonnenschein funkelt wie ein Paradies und doch den Vesuv im Leibe hat , so wird mir bange wie einer Mutter um ihr Kind ... Der zwanzigste August ! ... Mein Sohn , ich bitte Euch , mich dem Guardian nicht zu melden ... Ich bin noch nicht angekommen ... Hört Ihr ! ... Lebt jetzt wohl ! In drei Stunden bin ich an Federigo ' s Hütte und schicke Jeden nach Hause , der etwa heute oder morgen kommen sollte , um für die Seelen der armen Märtyrer Pascal und Negrino zu beten ... Guter Bruder ! entgegnete Paolo Vigo ablehnend und erklärte auch seinerseits zu dieser Warnung bereit zu sein ... Ihr muthet Euch ein Uebermaß zu ... O , daß ich statt Eurer hinauffliegen könnte ! ... Soldaten ! sagtet Ihr ? ... Ich sagte ja gleich , daß der aus Neapel vom Sacro Officio angekommene Brief ebenso hinterhaltig ist , wie schon lange das Benehmen des Erzbischofs von Cosenza ... Und der Monsignore gab Euch in Nichts einen tröstlichen Bescheid ? ... So artig war er , sprach Hubertus , wie Papa Kattrepel in meiner alten Stadt Gröningen , der jeden Armensünder , wenn er ihm den Kopf abschlug , erst um Verzeihung bat ... Laßt mich doch jetzt nur sogleich gehen ... Schon hör ' ich den Rumor da oben ... Mitternacht muß vorüber sein ... Geht ! Geht ! ... Ja , all ihr Heiligen , daß ich es nicht vergesse ! Bei Sanct-Hubert ' s Bart , wo hab ' ich meine Gedanken ! Gütiger Gott , mach ' auf mein Alter keinen Schwabenkopf aus mir ! ... Mein Sohn , laßt Euch getrost Urlaub geben nach San-Gio ! ... Da werdet ihr ja eine Person finden , die viel lieber hat , Euch schon morgen wie sonst in Eurem Hause oder beim alten Meister Pallantio die Polenta auf den Tisch zu stellen - lieber , als den steilen Weg hieher zum Kloster erst heraufzuklettern - ! ... Eine Person ? Die Polenta ? Wer ? fragte Paolo Vigo und ließ sich von Hubertus die überraschende Begegnung mit dem keuchenden Pepe , mit Scagnarello , Rosalia und Marietta Mateucci erzählen ... Gütiger Himmel ! rief Paolo Vigo in doppelter Freude - ... Erst aus Liebe zu seiner seit Jahren nicht gesehenen Schwester - dann um die Gelegenheit , nun auf alle Fälle Urlaub zu bekommen ... Hubertus mußte sich jetzt verstecken , wollte er unangemeldet bleiben ... Schon ertönte die Glocke , welche die sämmtlichen Bewohner des Klosters weckte und in die Kirche rief , wo sie singen mußten ... Während Paolo Vigo in größter Ueberraschung , in Spannung und Rührung stand und jedenfalls entschlossen blieb , den Guardian um die sofortige Erlaubniß zu bitten , seiner geliebten Schwester und ihrem holden , von ihm noch nie gesehenen Kinde entgegenzugehen und außerhalb des Klosters übernachten zu dürfen , schlüpfte Hubertus eine vom Refectorium in die Zellen führende enge Wendeltreppe hinauf , um wo möglich , ehe die Frate kamen , seine Zelle zu erreichen und dort sich zu verbergen ... Schon hörte man einen Mönch , der heute das Amt des Weckers hatte , in einem entfernten Gange an die Zellenthüren pochen ... Der Regel des heiligen Franciscus gemäß rief er alle Schläfer aus ihren süßesten Träumen ... Hubertus erreichte glücklich und unbemerkt seine dunkle Zelle ... Sie war nicht breiter und nicht tiefer , als zwölf Fuß , und enthielt als Bett einen Sack von Maisstroh - die Decke darüber war so grob wie seine Kutte ... Von Glasfenstern war keine Rede ; nur eine rohgezimmerte Holzjalousie schützte gegen die im Winter oft schneidend kalte Luft ... Hubertus warf sich auf sein Lager ... Er hatte vor Uebermüdung jene Empfindung , die ihn an die Zeiten erinnerte , wo auch er sich in Java an Opium gewöhnt hatte ... Traumartige Bilder traten vor die wachen Sinne ... Alles schwebte um ihn in Licht und Farbe und Licht und Farbe war